New York Notes: Amerika im Steuerwahn

kolumneNew York Notes: Amerika im Steuerwahn

Bild vergrößern

Dieses Büro in New York wirbt mit Hilfe bei der Steuererklärung

Kolumne von Angela Hennersdorf

Was hilft denn nun, um die immer noch lahmende Wirtschaft Amerikas anzukurbeln und die Staatsschulden abzubauen? Steuern runter oder rauf? Das System zu vereinfachen wäre ein erster Schritt  – aber das ist den Amerikanern zu kompliziert.

Noch nie habe ich das runtergekommene, muffige Postamt am Union Square mitten in Manhattan so voll erlebt wie in dieser Woche. Endlos schien die Schlange vor dem Amt. Diese Woche war Steuerwoche in Amerika. Wer nicht bis zum 17. April seine Steuererklärung an das Internal Revenue Service Center, also an das Finanzamt, geschickt hat, der muss Strafe zahlen, egal ob schon alle Steuern für das vergangene Jahr gezahlt worden sind oder nicht.

Noch in der Schlange am Postschalter kritzeln die Amerikaner ihre Unterschrift auf Schecks (ja, ohne Papierschecks läuft hier gar nichts), packen hastig ihre Steuerunterlagen in dicke Umschläge; andere füllen schnell noch den Antrag auf Verlängerung aus. Wer einen Scheck für die nächste fällige Steuerschuld mitschickt, darf sich ein weiteres halbes Jahr Zeit lassen mit der Steuererklärung. Auch hier galt in diesem Jahr als Stichtag der 17. April. Danach ist es nicht mehr möglich, einen Verlängerungsantrag zu stellen.  

Anzeige

Egal ob Unternehmen oder Privathaushalt, die Amerikaner stöhnen nicht so sehr über zu hohe Steuern, sondern vor allem darüber, wie kompliziert und ungerecht das System ist. Deutsche Finanzbeamte würden sich über das amerikanische Steuerrecht staunend die Augen reiben.

Es gibt in den USA unzählige Sonderregelungen, Ausnahmen und  Interpretationsmöglichkeiten in der Steuergesetzgebung. Staatliche Steuergesetze sind anders als die in den Bundesstaaten. Von Bundesstaat zu Bundesstaat variieren die Regeln und Sätze ebenfalls. Die Lobby-Organisation Americans for Tax Reforms (ATR) fragt sarkastisch: Ist es schwieriger die  Steuererklärung zu machen, als Shakespeare zu kapieren? Nach Angaben der Lobby-Gruppe verschwenden die Amerikaner jährlich Stunden mit ihrer Steuererklärung. Um die Einkommenserklärung vorzubereiten, zahle jeder Steuerzahler rund 250 US-Dollar – eine Riesenverschwendung von Zeit und Geld, beklagt ATR.  

Nicht nur für die Bürger, auch für Unternehmen ist das amerikanische Steuersystem ein dichter Dschungel. Ohne eine Armada von Finanzfachleuten oder Steuerberatern steigt da kaum einer durch. So hat etwa jeder Bundesstaat eigene Steuerregeln und Steuersätze. Also in New York gibt’s andere Steuerregelungen als etwa in Miami.

Von der Bagel- bis zur Tattoo-Steuer

Die Bundesstaaten lassen sich was einfallen, damit mehr Geld in die Staatskasse fließt.

Nur in New York City etwa gibt es eine Bagel-Sondersteuer. Die kleinen beliebten runden Teigwaren kosten in Manhattan mehr Steuern, wenn sie aufgeschnitten sind. Das gesundheitsfanatische Kalifornien verlangt auf frisches Obst keine Steuern, wohl aber, wenn es in einer Maschine zu Saft verarbeitet worden ist. Im Staate Maine müssen die Beeren-Produzenten auf ihre in ganz Amerika heißbegehrten Blueberries eine Sondersteuer an den Staat berappen. In Arkansas gibt’s eine Steuer auf Tattoos.

Auch werden Einkommen aus Finanzvermögen anders besteuert als Arbeitseinkommen. So erklärt sich, warum einer der reichsten Männer des Landes, Börsenguru Warren Buffett - dem Steuern nun eigentlich wirklich so etwas von schnuppe sein könnten – ziemlich erstaunt war, als er lernen musste, dass seine Sekretärin mehr Steuern zahlt als er, der Milliardär. Deshalb ist auch Mitt Romney, der wahrscheinliche Herausforderer von US-Präsident Barack Obama bei den US-Präsidentschaftswahlen im November, in einer niedrigeren Steuerklasse als ein durchschnittlicher Amerikaner aus der Mittelklasse.

Denn Romney ist wie Buffett Multimillionär und zahlte nach eigenen Angaben 2011 einen Steuersatz von 13,9 Prozent. Damit liegt sein Steuersatz nicht nur unter dem eines durchschnittlichen Amerikaners. Der Republikaner zahlt auch weniger Steuern als der mächtigste Mann im Staat. Obama zahlte auf sein Präsidentensalär von 400.000 Dollar im vergangenen Jahr 20,5 Prozent Steuern. Romney verdiente 2011 rund 22 Millionen Dollar.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%