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kolumneNew York Notes: Armes, krankes Amerika

Kolumne von Angela Hennersdorf

Es verstößt nicht gegen die amerikanische Verfassung, wenn alle Bürger krankenversichert werden, so lautet das Urteil des US-Verfassungsgerichtes. Für Obama geht der Kampf um seine Gesundheitsreform jetzt erst los.

Die Schließung von Guantánamo 

Die USA zogen nach den Anschlägen vom 11. September in den „Krieg gegen den Terror“ – und verloren ihren moralischen Kompass. So wurde unter anderem der US-Navy-Stützpunkt Guantánamo Bay auf Kuba um ein Internierungslager erweitert, indem in Spitzenzeiten mehr als 1000 Insassen festgehalten wurden. Ohne Gerichtsverfahren, ohne ihre Rechte als Kriegsgefangene. 

Laut FBI-Bericht wurden Häftlinge und deren Angehörige bedroht, mit Schlafentzug mürbe gemacht und mit Koran-Schändungen provoziert. Und: Waterboarding, eine Verhörmethode, bei der der Eindruck des Ertränkens erzeugt wird, sei regelmäßig angewendet worden, so das FBI. 

„Wir werden Guantánamo schließen“, versprach Barack Obama im Wahlkampf 2007/2008.

Bild: dapd

Gesundheitsreformen sind kompliziert und für den Bürger kommt meist selten etwas Erfreuliches dabei heraus, wenn sich Politiker, Ärzte, Pharma- und Versicherungskonzerne zusammensetzen, um die Gesundheitskosten in den Griff zu kriegen, die allerorts steigen. Wir kennen die Grabenkämpfe zwischen den unterschiedlichen Interessensgruppen beim Thema Krankenversicherung in Deutschland zur Genüge.

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Krankenversicherung für alle
In Amerika aber, da geht's beim Thema Gesundheitsreform erst mal um ein Basisverständnis, was überhaupt eine Krankenversicherung leisten soll, für wen, von wem und zu welchen Kosten? Seitdem Barack Obama vor mittlerweile fast vier Jahren Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika ist, will er, dass sich das Land endlich auf eines einigt: dass alle Amerikaner ein Recht darauf haben, überhaupt krankenversichert zu sein, dass sie versorgt werden, wenn sie plötzlich schwer erkranken, dass sie nicht von einem Tag auf den anderen eine Arztrechnung bezahlen müssen, die sie niemals bezahlen können, dass Menschen nicht, weil sie erkranken, ihren Job verlieren, dann ihr Haus und plötzlich vor dem nichts stehen.

Staaten wehren sich gegen Zwangspolice
Alle Amerikaner, so Obamas Plan, sollen in das Gesundheitssystem einzahlen. Wer nicht zahlen kann, soll einen staatlichen Zuschuss bekommen. Wer nicht zahlen will, muss eine Strafe zahlen. 2014 soll das Gesetz in Kraft treten; rund 30 Millionen Amerikaner erhielten erstmals eine Krankenversicherung. Krankenversicherungsfirmen dürften Menschen mit bestehenden gesundheitlichen Problemen eine Versicherung nicht mehr verweigern.
Einer Revolution kommt so ein Plan den meisten Amerikanern gleich. Der Staat will sie zwangsversichern? Um Gottes Willen. Gleich 26 US-Bundesstaaten hatten gegen Obamas Gesundheitsreform geklagt. So eine staatliche Versicherung verstoße gegen die amerikanische Verfassung - also gegen das Allerheiligste in diesem Land. Wir Europäer mögen da denken: spinnen diese Amis? Was soll daran schlecht sein, wenn alle Amerikaner krankenversichert sind und nicht nur die, die es sich leisten können?

2 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 02.07.2012, 16:35 UhrHennersdorf

    Lieber Leser,
    Sie haben Recht - im Notfall findet natürlich in Amerika eine Behandlung statt. Nur: oft treibt sie die Leute in den finanziellen Ruin, weil sie die Rechnung nicht begleichen können. Eine Krankenversicherung würde das verhindern. Und: ja, genau, gegen die geplante Zwangsversicherung wehrt sich ein großer Teil der Amerikaner.

  • 29.06.2012, 13:07 UhrInfoWarrior

    Der Artikel unterschlägt ein wichtiges Faktum: Es ist nicht entscheidend ob man krankenversichert ist. Es ist entscheidend ob man im Notfall ärztlich behandelt wird. Dieses ist aber in den USA so. Zudem wird man nicht gefragt, ob man sich krankenversichern will, mann wird gezwungen.

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