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kolumneNew York Notes: Futtern! Shoppen! Sparen? Ach, was!

24. November 2012
people lined up early for the Thanksgiving Day sale Quelle: dapdBild vergrößern
Am Konsumtag "black friday", dem amerikanischen Startschuss fürs Weihnachtsgeschäft, scheint die wirtschaftliche Lage der USA völlig vergessen. Quelle: dapd
Kolumne von Angela Hennersdorf

US-Präsident Barack Obama nutzt seine Internet-Jünger um seinen einfachen Drei-Punkte-Sparplan zu verbreiten. Das reicht nicht, um Amerika vor einer Rezession zu retten. Der Präsident muss in Washington schon noch persönlich in die Bütt.

In dieser Woche ist von der bedrohlichen “fiscal cliff”, der Finanzklippe, in Amerika nicht viel zu hören. Die Amerikaner futtern und shoppen – die Politiker in Washington machen erst mal Pause und verschieben das Sparen. Sie sind wie die meisten Amerikaner in Züge, Autos und Flugzeuge gestiegen und Mitte der Woche zu ihren Familien gereist.

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Es ist Thanksgiving – das wichtigste amerikanische Familienfest. Familie und Freunde treffen sich zum traditionellen Truthahnessen. Mit Thanksgiving wird gleichzeitig die Vorweihnachts-Shopping-Zeit eingeläutet. Seit Tagen reden meine amerikanischen Freunde nur noch über ein Thema: Wann geht ihr los? Schon am Donnerstag oder doch erst am Freitag? Den “Black Friday”, an dem Kaufhäuser, Klamotten- und Elektronikläden mit großen Rabatten locken, starten die Einzelhändler in diesem Jahr noch früher als im vergangenen Jahr. Schon am frühen Abend des Vortages, also am Thankgsgiving-Tag, öffnen viele Läden zur großen Schnäppchenjagd.

Konsumparty statt Gürtel enger schnallen

Ein arbeitsfreier Tag mitten in der Woche für’s Volk, damit es Geld ausgeben kann - das nenne ich Kapitalismus! Sparen? Ach, was! Obama feiert natürlich auch Thanksgiving. Außerdem hatte er in dieser Woche wirklich noch andere wichtige(re) Dinge zu erledigen, als sich mit den Republikanern zu streiten, wo und um wie viel im Haushalt der größten Volkswirtschaft der Welt gespart werden soll. Es galt die beiden Truthähne im Weißen Haus zu begnadigen, damit sie nicht geschlachtet werden, der Präsident düste zum Blitzbesuch nach Asien, im Nahen Osten musste schnell ein Waffenstillstand zwischen Israelis und Palästinenser geschlossen werden. Viel Zeit, um sich über diese lästige Finanzklippe Sorgen zu machen, blieb ihm da wahrlich nicht – doch die Uhr tickt.

Goldman-Sachs-Chef Blankfein: “Washington spielt mit dem Feuer”

Noch fünf Wochen verbleiben dem Präsidenten: Findet er keine Lösung mit den Republikanern, dann könnten die USA in eine neue Rezession stürzen – Konsumrausch der Amerikaner hin oder her. Handelt Washington nicht rechtzeitig, treten zum Jahreswechsel Steuererhöhungen und Budgetkürzungen in Milliardenhöhe in Kraft. Sie könnten der US-Wirtschaft im kommenden Jahr insgesamt rund 600 Milliarden Dollar entziehen. Das Haushaltsbüro des Kongresses schätzt, dass in der Folge drei Millionen Arbeitsplätze verloren gehen werden.

Der sogenannte "Sequester" geht auf die Verhandlungen zur Haushaltssanierung aus dem vergangenen Jahr zurück. Für den Fall, dass sich die Parteien nicht auf weitere Einsparungen einigen würden, vereinbarte der Kongress im August 2011 automatische Kürzungen – und die stehen Ende dieses Jahres an. Amerikas Wirtschaft sieht diesem bevorstehenden Drama nicht so gelassen entgegen wie der Präsident. “Washington spielt mit dem Feuer”, sagte Lloyd Blankfein, Chef der Wall-Street-Bank Goldman Sachs dem US-Fernsehsender CBS. Blankfein, der sonst selten Interviews gibt, sagte, beide politischen Lager seien in der Pflicht, ihre Differenzen beiseite zu schieben, und schnellstmöglich eine Lösung für das Dilemma zu finden. “Ihr Job ist es, das Land am Laufen zu halten”, sagte der Bankchef. “Wenn wir über die Fiskalklippe gehen, wird es wirklich übel”, fügte Blankfein hinzu.

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Kommentare | 2Alle Kommentare
  • 24.11.2012, 12:44 Uhrskyjellyfetty

    "Findet er keine Lösung mit den Republikanern, dann könnten die USA in eine neue Rezession stürzen. "
    Und ich hoffe Amerika wird dann auch registrieren,wer sich so hartnäckig verweigert hat.

  • 24.11.2012, 20:27 Uhrbunker99

    Das Fiscal Cliff erscheint doch letzten Endes, bei allem medialen hysterischen Gekreische bis hin zur Wall Street, auf den ueblichen Kompromiss zwischen Rep/Dem hinauszulaufen; wobei Boehner (Speaker, US-Kongress) bereits ein Entgegenkommen signalisiert hat; die Steuererleichterungen für die Mittelschicht werden bestehen bleiben und die Steuern für die Reichen symbolisch erhöht werden, obwohl in der Realität sich dann nichts ändert.

    Die sonstigen Einsparungen stehen sowieso an und werden einen Kompromiss in der Frage des Fiscal Cliff erleichtern.

    Bei jenem Fiscal Cliff trifft das Sprichwort: Die Suppe wird nicht so heiß gegessen, wie diese gekocht wird, wieder einmal den Nagel auf dem Kopf.

    Das ist mehr mediale Hysterie, denn realpolitisch wird man sich schon einigen; welche Partei möchte auch als Königsmörder von 3% der Wirtschaftsleistung der USA gelten, da würde man von einer Rezession (Copyright:b.clinton) in eine Depression stürzen und so sehr auch Obama jenen Kreisen unbeliebt ist, so schneiden die sich trotzdem nicht in das eigene Fleisch.

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