New York Notes: Obamas mutiges Coming-Out

kolumneNew York Notes: Obamas mutiges Coming-Out

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Obama im Interview mit dem TV-Sender ABC: "Ich glaube, dass gleichgeschlechtliche Paare in der Lage sein sollten zu heiraten."

Kolumne von Angela Hennersdorf

US-Präsident Obama setzt sich für die gleichgeschlechtliche Ehe ein. Ein mutiger, aber riskanter Schritt sechs Monate vor der Präsidentschaftswahl.

Der liebe Gott spielt eine große Rolle in Amerika. „In God we Trust“ ist auf jeden 20-Dollar-Schein und auf jede 25-Cent-Münze gedruckt. Im patriotischen Song „America the beautiful“, der zum Unabhängigkeitstag in den Kirchen landauf, landab geschmettert wird, gibt’s den schönen Refrain: „America! America! God shed His grace on thee.“ Es ist ein ziemlich emotionaler Song, der viel über die amerikanische Seele aussagt.

Gottesfürchtigkeit wie die Amerikaner, zumindest in Songs wie diesen, sich selbst darstellen, ist für die meisten die gleichgeschlechtliche Ehe pures Teufelswerk. Gerade hat sich die Mehrheit der Bürger im US-Bundesstaat North Carolina gegen die Heirat von Schwulen und Lesben ausgesprochen. Die Wähler stimmten in dieser Woche für einen Verfassungszusatz in dem Bundesstaat, der die Ehe als Verbindung zwischen einem Mann und einer Frau definiert. „Wir sind nicht schwulenfeindlich“, sagte Tami Fitzgerald, Anführerin der Gruppe Marriage North Carolina. Aber eine bestimmte Gruppe von Leuten, dürfen nicht einfach die von Gott gegebene Bestimmung, dass eine Heirat nur zwischen Mann und Frau möglich sein, umstürzen.

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Mit der Trennung von Kirche und Staat ist es in „God’s on country“ eben nicht weit her. Denn wohlgemerkt, es geht um eine staatliche Eheschließung vor einem Standesamt, nicht um eine kirchliche Heirat. Sechs Staaten in den USA erlauben gleichgeschlechtliche Ehen, in 30 Bundesstaaten ist sie verboten.

Das Thema Home-Ehe spaltet die Nation. Es spielt bei jeder US-Präsidentschaftswahl eine Rolle. Vor vier Jahren hatte sich Obama noch gegen eine Home-Ehe ausgesprochen. Mitten im Wahlkampf traut sich der US-Präsident und bekennt, er habe seine Meinung geändert. Alle Amerikaner sollten die gleichen Rechte haben, auch Schwule und Lesben sollten heiraten können.

Finanziell lohnenswert

Sein spätes „Coming out“ ist ein mutiger Schritt, aber auch ein notgedrungener. Denn spätestens bei den künftigen TV-Debatten zwischen dem wahrscheinlichen Gegenkandidaten von den Republikanern, Mitt Romney, und dem amtierenden Präsidenten, hätte Obama Stellung beziehen müssen. Seit Jahren ist Obama für seinen Wischiwaschi-Kurs in Sachen gleichgeschlechtlicher Ehe kritisiert worden. Für ein „Coming-out“ zum jetzigen Zeitpunkt, hat er sich wohl auch deshalb entschieden, um eine bestimmte liberale Wählerklientel für sich zu gewinnen, gleichzeitig hofft er wohl auch darauf, dass viele Wähler das Thema bis November längst wieder vergessen haben und andere Themen wie die hohe Arbeitslosigkeit und die Lage der Wirtschaft wichtiger sind.

Immerhin, Obama wird mit seinem Bekenntnis wohl in die Geschichtsbücher eingehen. Noch nie hat sich ein US-Präsident so eindeutig positiv zu dem Thema geäußert. Seine Meinung zu gleichgeschlechtlichen Ehen hätte sich im Laufe der Jahre entwickelt, sagte Obama im TV-Interview mit dem Sender ABC.

Er habe in den vergangenen Jahren viele Gespräche über das Thema geführt. „Zu einem bestimmten Zeitpunkt bin ich schlicht zu dem Schluss gekommen, dass es für mich persönlich wichtig ist zu bestätigen, dass ich glaube, dass gleichgeschlechtliche Paare in der Lage sein sollten zu heiraten.“ Bisher hatte sich der Präsident lediglich für eingetragene Partnerschaften von Schwulen und Lesben stark gemacht - zwar mit gleichen Rechten, wie sie traditionelle Ehen mit sich bringen, aber nicht als „Ehe“ definiert. Zugleich kritisierte der Präsident Bestrebungen auf staatlicher Ebene, Schwulen-Ehen gesetzlich zu verbieten. Sowohl Konservative als auch Liberale hatten das als einen „Wischiwaschi“-Kurs kritisiert, homosexuelle Gruppen äußerten sich enttäuscht über den Demokraten.

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Obamas kühner Schritt wird auf jeden Fall seine Wahlkampfkasse füllen. Schon heißt es in Washington beim Schatzmeister der Demokraten die Telefone klingelten ununterbrochen viele reiche Spender hätten sich gemeldet. Obama selbst ist derweil nach Los Angeles zum Spendensammeln aufgebrochen. Es gibt am Abend ein nettes Dinner mit Obama und Schauspieler George Clooney. Jeder Gast zahlt für das Ticket zum Obama-Event 40.000 Dollar. Schon jetzt hat Obama bei der Schauspieler- und Film-Klientel mehr als eine Million Dollar eingesammelt, sein Gegenspieler Romney erst knapp 400.000 Dollar. Obamas „Coming-out“ wird ihm vor allem aus dieser Branche sicherlich noch mehr Wahlkampfgeld einbringen.

Finanziell hat sich Obamas mutiges Coming Out schon mal gelohnt. Die Gesetze in den vielen US-Bundesstaaten, in denen die gleichgeschlechtliche Ehe verboten ist, werden sich damit allerdings keinesfalls ändern.

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