New York Notes: Rätselraten bei der US-Notenbank

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kolumneNew York Notes: Rätselraten bei der US-Notenbank

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Federal-Reserve-Chef Ben Bernanke steht im Mittelpunkt des Interesses.

Kolumne von Angela Hennersdorf

Weltweit reagieren die Zentralbanken auf den Abschwung der Weltwirtschaft mit Zinssenkungen. Die wichtigste Notenbank der Welt, die amerikanische Fed, zögert. Rechnet sie damit, dass es noch schlimmer kommt?

Der Libor-Skandal hat der Fed gerade noch gefehlt. Eilig beteuert die regionale New Yorker Zweigstelle der US-Notenbank, die zuständig ist für die Aufsicht der Wall-Street-Banken, sie habe auf erste Zweifel an der Festsetzung des Interbanken-Zinssatzes vor vier Jahren sofort reagiert. Die Beweise würde sie alsbald liefern. Sie habe schon früh auf Probleme bei der Festlegung der für viele Kreditgeschäfte wichtigen Rate hingewiesen und auf Reformen bestanden. Offenbar ist aber der Ruf der mächtigen amerikanischen Notenbank in London und anderswo im Nichts verhallt. So einfach werden sich die amerikanischen Geldüberwacher nicht aus der Affäre ziehen können.

Dabei hat Fed-Chef Ben Bernanke genug andere Sorgen. Die ganze Welt schaut auf die wichtigste Notenbank: Warum zögern die Amerikaner, obwohl die Europäische Zentralbank (EZB), dann die Notenbanken Großbritanniens und China und in dieser Woche auch die Zentralbanken von Brasilien und Südkorea die Zinsen senkten? Warum reagiert die Fed nicht auf den Abschwung der Weltwirtschaft und die nicht enden wollende Euro-Schuldenkrise? Wartet sie darauf oder rechnet sie damit, dass es noch schlimmer komm? Oder hofft Bernanke doch noch auf die Amerikaner, die hoffentlich, wenn die Sommerschlussverkäufe in ein paar Wochen beginnen, wieder mehr Lust zum Konsumieren bekommen – trotz der schlechten Wirtschaftslage? Immerhin stellten in der vergangenen Woche so wenig Amerikaner einen neuen Antrag auf Arbeitslosenhilfe wie seit März 2008 nicht mehr.

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Amerikas Großkonzerne schwächeln

Amerikas Großkonzerne, die in den vergangenen Quartalen immer schön zweistellige Wachstumsraten erzielten, werden jedenfalls nun auch von der schwachen Konjunktur im Lande eingeholt. Analysten erwarten bei den größten 500 börsennotierten Konzernen im Durchschnitt nur noch ein Wachstum von 5,7 Prozent. Der Aluminiumhersteller Alcoa war das erste Unternehmen, das enttäuschte. Im vergangenen Quartal summierte sich der Nettoverlust auf zwei Millionen Dollar – nach einem Gewinn im Vorjahresquartal von 322 Millionen Dollar. 

Klar ist: in den USA herrscht wegen der US-Präsidentschaftswahlen im November wirtschaftspolitischer Stillstand. In Europa stehen turbulente Sommermonate an: Die Rettung der Eurozone steht vor dem Bundesverfassungsgericht auf dem Prüfstand, Italien und Spanien müssen sich für hohe Zinsen frisches Geld leihen, in Griechenland laufen die Reformen nur schleppend. Dem Euro-Raum stünde ein gravierender Schock bevor, würden die Bundesverfassungsrichter den Euro-Rettungsfonds stoppen, sagte der Wirtschaftsweise Peter Bofinger. Diese Schockwellen würden auch bis nach Amerika schwappen. In dieser Woche ist der Kurs des Euro auf ein neues Zweijahrestief von 1,2181 US-Dollar gefallen.

Fed-Chef Bernanke deutete an, er stünde einem weiteren Ankauf von Staatsanleihen offen gegenüber – na, ob das so eine gute Idee ist? Die bisherige Niedrigzinspolitik der Fed hat bisher jedenfalls nicht viel gebracht. Am ersten August trifft sich der Offenmarktausschuss der Fed das nächste Mal – dann werden wieder alle Augen der Welt auf Bernanke starren.

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