New Yorks Sittenkampagne fürs U-Bahn-Fahren : Liebe Männer, macht euch nicht so breit!

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New Yorks Sittenkampagne fürs U-Bahn-Fahren : Liebe Männer, macht euch nicht so breit!

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U-Bahn in New York

von Martin Seiwert

Tausende Plakate in der New Yorker U-Bahn fordern Männer auf nicht breitbeinig zu sitzen. Weltweit wird über die Aktion diskutiert. Dabei ist das Plakat erst der Anfang einer großen Sittenkampagne.

„Dude... Stop the spread, please“ steht seit einige Tagen auf Plakaten in Wagen der New Yorker U-Bahn. Zu deutsch: „Kumpel, mach bitte beim Sitzen die Beine zusammen“. Die MTA, der Betreiber der Subway, will die männlichen Gäste dazu anhalten, nicht in breitbeiniger Proleten-Haltung in der Bahn zu sitzen, weil das anderen Fahrgästen den Platz wegnehme und weil der Blick zwischen die gespreizten Beine für Mitreisende eine Zumutung darstellen könne.

Nun ja. Als abgestumpfter Vielfahrer der New Yorker U-Bahn war ich erst einmal geneigt zu denken: Ist doch egal, welche Plakate dort hängen. Wo sonst kommerziell geworben wird – Brustimplantate zum günstigen Festpreis, lebensverändernde Seminare mit dem schleimigen Fernsehprediger Joel Osteen, vegetarische Hundeernährung aus dem Online-Shop – verbreitet nun eben die MTA-Sittenpolizei eine gemeinhin ignorierte Botschaft.

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Irgendwas mit Sex - oder was mit Männern und Frauen, Machos und Emanzen

Oh Mann, weit gefehlt. Das ganze Netz, so scheint es, ist in heller Aufregung. Schließlich geht es um irgendwas mit Sex oder zumindest mit Männern und Frauen, um scheinbares Machos-Verhalten und scheinbare Emanzen-Empörung, um Political Correctness und amerikanische Prüderie und natürlich um die wohl namhafteste Metropole der Erde. Eben der perfekte Cocktail für den globalen, weil digitalen Stammtisch.

Achtung Netz-Stammtisch! Hier kommt neues Öl fürs Twitter-Feuer: Bei dem einen Plakatmotiv wird es nicht bleiben. Die MTA hat elf weitere Botschaften an ihre Kunden formuliert. Sie werden in den kommenden Monaten auf 183 mal 117 Zentimeter großen Plakaten in 2600 Bahnwagen aufgehängt und per Lautsprecher in Waggons und U-Bahn-Gänge geblasen.

Elfengleich statt Fußballer auf der Ersatzbank

Die New Yorker U-Bahn ist eben nicht nur ein profanes Fortbewegungsmittel. Mit ihren 1,7 Milliarden Fahrgästen pro Jahr ist sie zuvorderst eine Bildungseinrichtung. Sie ist, und da darf man ruhig mal Schillers Bild der Theaterbühne bemühen, eine moralische Anstalt. Wo Menschen 1,7 Milliarden mal pro Jahr mehr oder minder gelangweilt und vor allem mehr oder minder breitbeinig ihrem Fahrtziel entgegenruckeln, sind Plakate eben doch ein Blickfänger und folglich ein machtvolles Instrument der Volksbildung. 1,7 Milliarden Chancen, die Hirne von Menschen zu erreichen, davon kann die New York Times mit ihrer putzigen Zwei-Millionen-Auflage nur träumen.

Die erste MTA-Botschaft ist also angekommen. Wir New Yorker Jungs halten die Beine zusammen, als trügen wir einen Mini-Rock, schlagen sie elegant übereinander, falten uns elfengleich und platzökonomisch auf unsere Sitze, aber nie, nie wieder geben wir den Fußballer auf der Ersatzbank.

Doch wie geht es weiter in der rollenden Volkshochschule? Hier ein Überblick über sämtliche Unterrichtsthemen im Winter- und Sommersemester 2015:

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