ThemaUSA

alles zum Thema
_

InterviewNiall Ferguson: USA auf dem Weg in die Isolation

von Matthias Kamp und Florian Willershausen

Der renommierte Wirtschaftshistoriker Niall Ferguson fürchtet den Niedergang der USA – und ein globales Machtvakuum als Folge. Mit Präsident Obama geht er hart ins Gericht.

Niall Ferguson Quelle: dpa
Niall Ferguson befürchtet ein globales Machtvakuum Quelle: dpa

Anzeige

WirtschaftsWoche: Professor Ferguson, wieso brechen die USA unter ihren riesigen Schulden nicht zusammen, während Europa deswegen in einer Dauerkrise steckt?

Ferguson: Es ist ein Unterschied, ob eine Supermacht mit fantastischen Rohstoffreserven hoch verschuldet ist oder ein zerstrittener Staatenbund mit einer katastrophalen Energiepolitik. Die Bilanz der Regierung in Washington ist ein Debakel, aber die Aussichten der Vereinigten Staaten sind wegen der Schiefergasvorkommen hervorragend. Hinzu kommt der kaum einholbare Vorsprung Amerikas in vielen Technologiefeldern. Die USA sind so stark, dass sie sich problemlos mit 150 Prozent des Bruttoinlandsproduktes verschulden könnten.

Der Kongress verdonnerte die Regierung 2011 per Gesetz zu harten Einschnitten, sobald das Haushaltsdefizit eine bestimmte Grenze übersteigt, die Fiskalklippe. Ist das denn nötig, wo sich die USA so leicht refinanzieren können?

Radikale Sparpakete wären in diesem Jahr das Schlimmste, was passieren kann. Denn die Wirtschaft erholt sich nur langsam. Wie man bei den letzten BIP-Zahlen gesehen hat, haben Kürzungen im Verteidigungshaushalt großen Einfluss auf das Wachstum. Budgetkürzungen, wie sie das Gesetz zur Fiskalklippe vorsieht, bleiben eine Bedrohung für die US-Konjunktur.

Was halten Sie von dem Sparpaket, auf das sich der Kongress Anfang Januar verständigt hat. Ist der US-Haushaltsstreit mit diesem Kompromiss beigelegt?

Die Amerikaner kaufen sich damit Zeit. Das haben sie von den Europäern gelernt. Bis zum 1. März muss der Kongress entscheiden, ob er die Schuldenobergrenze von 16,4 Billionen Dollar erhöhen will, oder zwangsweise ein Sparpaket kommt. Das ist Amerikas D-Day, der Tag der Entscheidung.

Wie würden Sie entscheiden?

Wenn ich Präsident der USA wäre, würde ich Haushaltskürzungen in großem Stil so lange wie möglich verhindern. Ich glaube aber nicht, dass Obama das schafft. Er wird den Republikanern mit Kürzungen entgegenkommen müssen, da er die Reichensteuer durchgesetzt hat.

Wissenswertes über die USA

  • Wenige Millionenstädte

    Obwohl die USA über 307 Millionen Einwohner haben, gibt es relativ wenige Millionenstädte. Es sind gerade einmal neun: New York (8,17 Millionen Einwohner), Los Angeles (3,79 Millionen), Chicago (2,95 Millionen), Houston (2,09 Millionen), Philadelphia (1,52 Millionen), Phoenix (1,45 Millionen), San Antonio (1,32 Millionen), San Diego (1,30 Millionen) und Dallas (1,19 Millionen).

  • 50 oder 51 Staaten?

    Wie viele Bundesstaaten haben die USA? Die richtige Antwort lautet: 50. Oftmals wird fälschlicherweise auch Washington, D.C. als Bundesstaat genannt. Die Abkürzung D.C. steht für „District of Columbia“. Der Distrikt gehört zu keinem Bundesstaat, sondern ist dem Kongress der Vereinigten Staaten direkt unterstellt.

  • Beliebte deutsche Wörter

    Es gibt eine ganze Reihe von deutschen Wörtern, die ins amerikanische Englisch eingedrungen sind. Darunter die bekannten Vokabeln Oktoberfest, Autobahn, Blitzkrieg, angst und kindergarten. Aber auch: wunderkind, waldsterben und doppelganger.

  • Deutsch als Amtssprache?

    Seit 200 Jahren hält sich hartnäckig eine Legende, die besagt, dass Deutsch um ein Haar die offizielle Landessprache der USA geworden wäre. Wahr ist, dass knapp jeder dritte Bürger im US-Ostküstenstaat Pennsylvania zu Beginn des 19. Jahrhunderts deutsche Wurzeln hatte. US-weit lag der Bevölkerungsanteil der Deutschen bei nicht einmal zehn Prozent. Und: Eine Abstimmung über die Amtssprache der USA hat niemals stattgefunden hat, auch nicht auf regionaler Ebene.

  • Skurrile Gesetze

    In den USA gibt es Unmengen von unsinnigen Gesetzen. Eine Auswahl gefällig? Alabama verbietet das Fahren eines Fahrzeugs mit verbundenen Augen, während man in Florida auf Parkplätzen kein Ständchen singen darf – wenn man nur Badeshorts anhat. Die Stadt Gary in Indiana stellt sich dem Mundgeruch. Nach einem ausgiebigen Knoblauchverzehr ist es vier Stunden lang untersagt, ins Kino oder Theater zu gehen, oder auch nur die Straßenbahn zu benutzen. In der Weltstadt New York ist es verboten, sich den Daumen in die Nase zu stecken und dabei mit den Fingern zu wackeln.

Was die Lösung des Problems auf die lange Bank schiebt. Aber eines Tages wird selbst Amerika seinen Schuldenberg ernsthaft abtragen müssen...

Das ist richtig. Obama muss einen glaubwürdigen Fahrplan zum Abbau der Schulden und letztlich für einen ausgeglichenen Haushalt für die nächsten zehn Jahre vorlegen. Darauf warten wir immer noch. Obama müsste nur sagen: Wir wollen die Erholung nicht durch Ausgabenkürzungen abwürgen, aber wir wollen auch keine unglaubwürdige Haushaltspolitik.

Sie sprachen von den glänzenden Aussichten der USA wegen der Schiefergasvorkommen. Steht Amerika am Anfang eines wirtschaftlichen Aufschwungs?

Zweieinhalb Prozent Wachstum in diesem Jahr wären schon sehr gut. Wir haben im Grunde drei Faktoren, an denen der Aufschwung hängt: die lockere Geldpolitik, die Zwänge zu Haushaltskürzungen und die Energierevolution durch die Schiefergasförderung.

Zu diesem Artikel
10 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 27.02.2013, 12:01 Uhresunsamu

    Immerhin hat G.W.Bush ein Demokratieverständnis, das keine Diktaturen und Diktatoren duldet.
    Die durch die Unterstützung ahnungsloser westlicher Politiker erstarkten Islamisten versuchen gerade die Welt einer rassistisch-totalitären islamischen Diktatur zu unterwerfen, wo Nichtmoslems unterdrückt, verfolgt und ermordet werden. Ist das Ihre Vorstellung von Demokratie?

  • 27.02.2013, 11:04 UhrF_W

    Es ist doch völlig obszön Georg W. Bush ein Demokratieverständnis zu attestieren. Unglaublich solchen Menschen eine Plattform zu bieten! Wiwo! So langsam häuft sich dieser Schwachsinn hier, da kann ich ja bald auch gleich Bild.de lesen.

  • 27.02.2013, 09:54 UhrXYZ

    "George W. Bush hat sicherlich im Irak Fehler gemacht, aber er hatte immerhin eine Strategie für die Verbreitung von Demokratie, wirtschaftlicher Freiheit und Menschenrechten."

    WARUM WERDEN IMMER SCHWACHKÖPFE DER GLEICHEN FRAKTION INTERWIEWT? Kommt doch noch mal mit dem famosen Krugman und seiner Trillion-Dollar-Coin.

    Was muß man sich alles gefallen lassen? Das Niveau einer Schülerzeitung?

Alle Kommentare lesen
weitere Fotostrecken

Blogs

Wunschkonzert
Wunschkonzert

Deutschland geht’s gut. Zu gut? Erfolg macht übermütig. Der Boom ist künstlich mit Schulden aufgepumpt und nicht...

Einstellungen
Dauerhaft aktivieren und Datenübermittlung zustimmen oder deaktivieren:
FOLGEN SIE WIWO.DE

    Tweets der WiWo-Redaktion

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.