Niederlande: Wie das Maut-System funktioniert

Niederlande: Wie das Maut-System funktioniert

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Mautkontrollbrücke bei Leipzig

von Thomas Kuhn

In nur drei Jahren soll das niederländische Maut-System startbereit sein. Fachleute zweifeln, ob das klappt - das deutsche System gilt dafür als Beispiel.

Der erste Eindruck täuscht! Das Kästchen, das am Armaturenbrett des Pkws von Eric-Mark Huitema montiert ist, sieht aus wie ein Nachrüst-Navigationsgerät. Doch die Preisanzeige im Display und pixelige Symbole statt der üblichen Stadtpläne deuten darauf hin, dass in der Plastikbox mehr steckt als ein digitaler Wegweiser.

Tatsächlich sind die unscheinbaren Kästchen entscheidende Komponenten im derzeit ambitioniertesten europäischen Vorhaben zur Steuerung und Finanzierung des Straßenverkehrs. Sie sind so etwas wie mobile digitale Zahlstellen des niederländischen Maut-Projektes „Anders Betalen voor Mobiliteit“. Mithilfe der Technik will der Staat – als erster in Europa – ab 2012 Autofahrer auf allen Straßen kilometergenau zur Kasse bitten.

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Seit Juni dieses Jahres ist Huitema, in der niederländischen Dependance des IT-Giganten IBM verantwortlich für elektronische Mobilitätssysteme, einer von 50 Testern der Maut-Boxen. IBM und der Chiphersteller NXP – eine Ausgründung des Elektronikriesen Philips – haben sie entwickelt und prüfen sie noch bis zum Jahresende rund um Eindhoven auf ihre Alltagstauglichkeit.

Europäisch einmalig

Das Vorhaben ist technisch verwandt mit der seit 2005 erhobenen Lkw-Maut des deutschen Toll-Collect-Systems. Dreh- und Angelpunkt der Technik ist auch in den Niederlanden die On-Board-Unit (OBU). Sie soll über ihren integrierten Satellitenempfänger aufzeichnen, wann und wo ein Auto über Hollands Straßen rollt.

Bei den OBUs in deutschen Lkws werden diese Bewegungsdaten erfasst, wenn der Wagen eine der virtuellen Messstellen entlang der Autobahnen passiert. Aus Positionsdaten, Schadstoffklasse und einer im Gerät hinterlegten Preistabelle berechnet die OBU die Maut. Sobald sich die Gebühr auf 20 Euro aufsummiert hat, schickt die Box die Daten via Mobilfunk zur Abrechnung an Toll Collect.

In den Niederlanden dagegen sollen die OBUs aller Fahrzeuge – Lkws und Pkws – kontinuierlich die Fahrstrecke aufzeichnen. Einmal täglich wird dann das Ergebnis via Handy-netz zum Zentralcomputer übertragen. Zudem wird übermittelt, wie viele Kilometer das Fahrzeug zu staugefährdeten Zeiten und innerhalb besonders staugefährdeter Zonen unterwegs war. Die höher bepreisten Zeiten und Regionen sind im Gerät gespeichert.

Trotz der vorgesehenen Entkopplung von Laufleistung und tatsächlicher Fahrstrecke fürchten niederländische Datenschützer um die Privatsphäre der Autofahrer und verdammen die Maut-Boxen als „Spionagekastje“. Befürworter dagegen verweisen auf die Vorteile der Technik. Insgesamt, so hoffen die „Kilometerprijs“-Protagonisten, soll das System die Zahl der von Autos zurückgelegten Straßenkilometer um 15 Prozent und deren CO2-Ausstoß um ein Zehntel senken.

So weit aber ist es noch lange nicht. Denn das Ausschreibungsverfahren ist extrem komplex. So bewerben sich rund 30 Unternehmen um Teilaufträge des rund fünf Milliarden Euro teuren Systems. Neben IBM und NXP sind das unter anderem auch Siemens, SAP, die Telekom-Tochter Satellic sowie Spezialanbieter aus Frankreich, Italien und den USA.

Dass das Projekt rechtzeitig und ohne Pannen startet, gilt unter den be-teiligten Unternehmen schon jetzt als -extrem ambitioniertes Ziel. „Das hat in Deutschland mit weit weniger Projektpartnern nicht geklappt“, sagt ein Insider. „Wie soll das dann in dem organisatorischen Durcheinander in den Niederlanden funktionieren?“

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