Nigeria: Boko Haram verschleppt Hunderte Frauen und Kinder

Nigeria: Boko Haram verschleppt Hunderte Frauen und Kinder

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Das Wiedererkennungszeichen von Boko Haram.

Vor Nigerias Präsidentenwahl schlägt Boko Haram wieder zu. Mit einer neuen Massenentführung demonstriert die Terrormiliz ihre Macht. Hunderten verschleppten Frauen und Kindern droht das Schlimmste.

Die islamistische Terrorgruppe Boko Haram hat im Nordosten Nigerias nach übereinstimmenden Angaben Hunderte Frauen und Kinder entführt. Die sunnitischen Kämpfer nahmen im Ort Damasak nahe der Grenze zum Niger rund 350 Menschen als Geiseln, wie ein örtlicher Beamter sagte. Dorfbewohner sprachen einem Soldaten zufolge sogar von 500 Entführten. Der nigerianische Regierungssprecher Mike Omeri bestätigte die Massenentführung am Mittwochabend. Es sei jedoch unklar, wie viele Menschen verschleppt wurden, sagte er.

Omeri zufolge flohen die Kämpfer der Terrormiliz mit ihren Geiseln, als Truppen der Nachbarländer Niger und Tschad Damasak vergangene Woche aus der Gewalt der Terroristen zurückeroberten. Erste Berichte über die Massenentführung in dem umkämpften Gebiet waren jedoch erst am Dienstagabend bekannt geworden.

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Wissenswertes über Nigeria

  • Einwohner

    In Nigeria leben 173,9 Millionen Menschen. Die Bevölkerungszahl legt jährlich um 2,5 Prozent zu. Eine nigerianische Frau gebärt im Durchschnitt sechs Kinder.

  • BIP

    316 Milliarden US-Dollar betrug das nominale BIP im Jahr 2014. Auf 338,7 Milliarden soll es 2015 ansteigen. Zum Vergleich: Das deutsche BIP betrug 2013 3,51 Billionen US-Dollar. Gut 40 Prozent des BIP erwirtschaftet Nigeria über Bergbau und Industrie; ein Drittel über Land-, Forst- und Fischwirtschaft.

  • Wirtschaftswachstum

    Die nigerianische Wirtschaft legte in den vergangenen zehn Jahren (2004 bis 2013) durchschnittlich um sieben Prozent zu. Während die meisten Volkswirtschaften dieser Welt unter der Finanzkrise litten, wuchs die nigerianische Wirtschaft um sieben Prozent, im Folgejahr sogar um acht.

  • Staatsverschuldung

    Die Staatsverschuldung beträgt 2014 20 Prozent des BIP.

  • Inflationsrate

    2014 lag die Inflationsrate bei 7,3 Prozent. Bis 2015 soll sie auf 7,0 Prozent zurückgehen.

  • Arbeitslosenquote

    Die Arbeitslosenquote betrug 2009 19,7 Prozent. Bis 2011 stieg sie auf 23,9 Prozent an.

Die brutale Machtdemonstration Boko Harams kommt für Präsident Goodluck Jonathan höchst ungelegen: Er bewirbt sich am Samstag um eine weitere Amtszeit. Zuletzt hatten die Streitkräfte des westafrikanischen Landes Erfolge im Kampf gegen Boko Haram verkündet, vor allem Dank militärischer Hilfe der Nachbarländer. Die Entführung zeigt jedoch, dass die brutale Terrormiliz in Teilen des Nordostens immer noch ungestraft ihr Unwesen treiben kann. Die Wahl vom Samstag sollte ursprünglich bereits Mitte Februar stattfinden, wurde aber wegen der prekären Sicherheitslage in letzter Minute um sechs Wochen verschoben.

Die Terrormiliz zwingt ihre Geiseln, zum Islam zu konvertieren, versklavt sie oder verheiratet sie zwangsweise. Die neue Massenentführung rief auch den Fall der mehr als 200 vergangenes Jahr verschleppten Schülerinnen aus Chibok wieder in Erinnerung. Trotz eines internationalen Aufschreis und einer damals von vielen Prominenten unterstützten Kampagne fehlt von den überwiegend christlichen Schülerinnen seither jede Spur.

Der Herausforderer Jonathans bei der Wahl am Samstag, der frühere Militärmachthaber Muhammadu Buhari, verspricht, er werde Boko Haram ausmerzen. Beobachter räumen dem Muslim Buhari gute Chancen ein, den Christen Jonathan zu besiegen. Es wäre die erste Wahlniederlage eines Amtsinhabers seit der Unabhängigkeit Nigerias 1960.

Usmanu Yusuf, ein Beamter im Bundesstaats Borno, in dem auch Damasak liegt, teilte mit, es seien rund 350 Frauen und Kinder verschleppt worden. Der zurzeit in Damasak stationierte Soldat der Armee des Niger, Ibrahim Issa, berichtete, die dort verbliebenen Anwohner sprächen von bis zu 500 Entführten. Er schränkte aber ein, dass einigen auch die Flucht gelungen sein könnte.

Boko Haram terrorisiert seit 2009 den Nordosten Nigerias mit dem Ziel, dort einen sogenannten Gottesstaat zu errichten. Bei Anschlägen und Angriffen der Gruppe kamen seither mindesten 13 000 Menschen ums Leben. Rund 1,5 Millionen Menschen sind vor der Gewalt geflohen.

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