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Nils Jennrich: China lässt deutschen Kunstmanager frei

von Frank Sieren Quelle: Handelsblatt Online

Der Kunstspediteur Nils Jennrich ist wieder auf freiem Fuß. Der Deutsche hatte 127 Tage in einem Pekinger Gefängnis gesessen, ihm wird Kunstschmuggel vorgeworfen. Die Ermittlungen sind aber noch nicht abgeschlossen.

Nils Jennrich, arbeitet als deutscher Manager in China. Seit Monaten saß er ohne Anklage in Haft. Quelle: Privat
Nils Jennrich, arbeitet als deutscher Manager in China. Seit Monaten saß er ohne Anklage in Haft. Quelle: Privat

PekingDer Rendsburger Kunstspediteur Nils Jennrich, der seit 127 Tagen in einem Pekinger Gefängnis sitzt, ist heute unter Auflagen vorläufig auf freien Fuss gesetzt worden. Dies erfuhr das Handelsblatt aus Kreisen seiner Familie. Am Nachmittag berichtete auch AFP von der Freilassung. Jennrich wird vom Pekinger Zoll vorgeworfen, an Kunstschmuggel im großen Stil beteiligt gewesen zu sein. Er bestreitet dies.

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Jennrich hält sich für ein Bauernopfer in einer großen Antischmuggel-Kampagne. Zuletzt hatten sich deutsche Diplomaten und Jennrichs Anwälte intensiv um eine Haftverschonung bemüht. Auch eine chinesische Kollegin von Jennrich, die ebenfalls während desselben Zeitraums inhaftiert war, kam heute frei.

Das Handelsblatt hatte vor vier Wochen als erstes deutsches Medium umfangreich auf den Fall aufmerksam gemacht und damit eine große Welle der Berichterstattung in Deutschland ausgelöst. Daraufhin hatte Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) sich des Falls angenommen. Als sie Anfang vergangenen Monats ihren Amtskollegen Song Dahan zum jährlichen Treffen des deutsch-chinesischen Rechtsstaatsdialogs in München traf, sprach sie den Fall an. Dabei bat sie darum, ohne sich in die Einzelheiten des Falles einzumischen, Jennrich aus humanitären Gründen auf Kaution freizulassen.

Die Haftprüfung durch das Pekinger Antischmuggelbüro hat mittlerweile offensichtlich ergeben, dass dies nun doch möglich ist. Der erste Antrag auf Kaution Mitte Mai war noch abgelehnt worden. Jennrich konnte in seine Pekinger Wohnung zurückkehren, darf China jedoch nicht verlassen, bis die Untersuchungen gegen seinen Arbeitgeber, die Kunstspedition International Fine Art Solutions (IFAS), abgeschlossen sind und eventuell Anklage erhoben wird.


Drakonische Haftbedingungen

Im Zuge einer landesweiten staatlichen Kampagne gegen Schmuggel und Steuerhinterziehung in Chinas boomendem Kunstmarkt war Jennrich zur Zielscheibe geworden. Nach einer Razzia in den Pekinger Büro-Räumen von IFAS wurde Jennrich lange verhört. Es ist bekannt, dass chinesische Kunstbesitzer ihre im Ausland gekauften Werke gerne unterdeklarieren, um Zoll zu sparen. Im Fall Jennrich soll es um 1,4 Millionen Euro gehen. Die Kunstspediteure halten dagegen, dass es für sie nicht möglich ist, den tatsächlichen Wert der Kunstwerke zu ermitteln. Der Zoll ließ dieses Argument offensichtlich nicht gelten.

Auch das IFAS-Lager in Peking wurde im Beisein Jennrichs durchsucht. Danach wurden er und die chinesische Mitarbeiterin in Untersuchungshaft gebracht. Seitdem harrte der 32-Jährige in einer Zwölfmannzelle in Ungewissheit aus. In China kann die Dauer einer Untersuchungshaft leicht immer weiter ausgedehnt werden.

Nach deutschem Ermessen waren die Haftbedingungen drakonisch: In der Zelle brennt rund um die Uhr das Licht. Statt Betten oder Pritschen müssen die Häftlinge sich zum Schlafen auf einer gemeinsamen Plattform und auf dem Boden drängen. Tagsüber herrscht stundenlang Redeverbot. Tageslicht sehen die Häftlinge nur auf einem winzigen Hof, nicht einmal halb so groß wie die Zelle.

Wochenlang hatte Jennrich niemanden mit dem er sprechen kann, da er nur wenig chinesisch versteht. Später wurde er immerhin in eine Zelle mit englischsprachigen Mithäftlingen verlegt. Verwandte und Freunde dürfen ihn nicht besuchen. Nur Botschaftsvertreter und seine Anwälte konnten ihn alle 14 Tage treffen.

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