
"Ich saß heute Nachmittag in meinem Wohnheim an der Tokio Universität und wartete vor dem Fernseher auf Nachrichten aus Oslo. Erst konnte ich das Norwegisch nicht verstehen. Dann hörte ich das Wort "Chine" und wusste, dass die Auszeichnung an Liu Xiaobo geht. Ich bin vor Freude in Tränen ausgebrochen; für fünf Minuten konnte ich nur weinen. Seit Jahren habe ich nicht mehr so geweint.
Chinesen sind oft sehr pragmatisch. Sie warten einfach ab. Sie unternehmen nichts, auch wenn sie mit dem, was in der Gesellschaft, in ihrem Land passiert, unzufrieden sind. Der Friedensnobelpreis für Liu Xiaobo setzt ein einfaches und klares Signal. Er gibt unserer Nation Hoffnung und wird dazu führen, dass sich mehr und mehr Menschen für eine Demokratisierung und Liberalisierung einsetzen. Der Nobelpreis geht nicht nur an Liu Xiaobo, er geht an alle freiheitsliebenden Menschen in China. Dies ist ein Wendepunkt. Von jetzt an werden viele Menschen, die sich bislang nicht für politische Themen interessiert haben, mehr kümmern und versuchen, diese Themen zu verstehen.
Ich werde gleich 300 Euro mitnehmen und feiern gehen."














