Nordkorea: Kim Jong Un zeigt sich wieder in der Öffentlichkeit

Nordkorea: Kim Jong Un zeigt sich wieder in der Öffentlichkeit

, aktualisiert 14. Oktober 2014, 07:03 Uhr
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Ein Mann schaut auf TV-Aufnahmen des nordkoreanischen Führers Kim Jong Un von seinem ersten öffentlichen Auftritt seit mehr als einem Monat.

Seit Wochen war Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un verschwunden - es mehrten sich Gerüchte um seinen Gesundheitszustand oder einen Putsch. Nun zeigen die Staatsmedien neue Bilder von Kim.

Nach 40 Tagen Abwesenheit hat sich Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un wieder auf der öffentlichen Bühne zurückgemeldet. Wie die amtliche Nachrichtenagentur KCNA am Dienstag berichtete, gab Kim an einem neuen Wohnbezirk für Forscher „Feldanweisungen.“ Zuvor habe er ein ebenfalls neu errichtetes Institut für Naturenergie der staatlichen Akademie der Wissenschaften besucht. Der auf 31 Jahre geschätzte Staatschef stützte sich während seiner Visiten auf einen Gehstock und lächelte breit.

Zuletzt war der Staatschef am 3. September auf einem Konzert gesehen worden, dann tauchte er ab. Sein unübliche Abwesenheit bei wichtigen offiziellen Terminen sorgte weltweit für Spekulationen über seinen Gesundheitszustand und den Status seiner Macht über das hermetisch abgeriegelte Land. Wahlweise hieß es in den Medien, der junge Kim leide an Gicht, Diabetes, einer Gehirnblutung, einem Herzleiden und einer Beinverletzung, die eine Operation durch eine französischen Arzt erfordert habe.

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Fünf spannende Fakten über Nordkorea

  • Innenpolitik

    Das Land ist streng zentralistisch organisiert und betreibt einen intensiven Personenkult, um mittlerweile drei Führer. Nordkorea wurde 1948 gegründet, und verfügt formal über Verfassungsorgane wie Parlament, Gerichtsbarkeit und Regierung. Allerdings übt vor allem ein übermächtiger Führer mit einem kleinen Kreis an Vertrauten die Macht aus.

  • Wirtschaft

    Nordkorea produziere kaum wettbewerbsfähige Güter. Außerdem herrsche ein Mangel an Devisen und somit auch Investitionsgütern. Die Infrastruktur ist marode, zahlreiche Industrieanlagen sind seit Jahren nicht mehr in Betrieb, schreibt das Auswärtige Amt auf seiner Internetseite. Allerdings entstanden unter Kim Jong Un 13 neue Sonderwirtschaftszonen.

  • Medien, Internet, Handy

    Die Medien sind durchgängig staatlich kontrolliert. Die meisten Nordkoreaner haben keine Möglichkeit auf Internet zuzugreifen, teilweise wissen sie nicht einmal, was es ist. Von den knapp 25 Millionen Nordkoreaner haben gerade mal eine Million Menschen ein Handy: Es gibt lediglich einen einzigen Mobilfunkbetreiber, der zwar ein 3G-Netz anbietet, aber keine Datendienste.

  • Menschenrechte

    Anfang 2014 stellten die Vereinten Nationen einen Bericht über Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Nordkorea vor. Darin heißt es: Nordkorea ist ein totalitärer Staat, in dem als politisch unzuverlässig eingestufte Menschen systematisch ermordet oder als Arbeitssklaven missbraucht werden.

  • Beziehungen zwischen Deutschland und Nordkorea

    Grundsätzlich bestehen zwischen Nordkorea und Deutschland politische Beziehungen, diese sind allerdings auch durch die von der EU und der UN verhängten Sanktionen belastet. Für die ehemalige DDR war Nordkorea einer der wichtigsten Partner des Landes im Ostblock.

Das Staatsfernsehen berichtete Ende September in einer Sendung nur kurz über seine Unpässlichkeit und strahlte im August aufgenommene Videobilder von einem humpelnden und übergewichtigen Kim aus. Der Begleitkommentar: „Unser Marschall erhellt dem Volk den Weg wie eine Flamme - trotz seines Unwohlseins.“

Kims Status als Herrscher nicht untergraben

Über das aktuelle Befinden des Machthabers wurde in dem KCNA-Bericht keine Angaben gemacht. Während der Besichtigung der Bauprojekte habe Kim die Wissenschaftler Nordkoreas als Patrioten gelobt, die „ihr ganzes Leben dem Aufbau einer reichen und mächtigen Nation gewidmet“ hätten.

Trotz der offensichtlichen Leiden Kims gehen Beobachter jedoch nicht davon aus, dass er ernsthaft krank ist. Diese Meinung teilte auch unlängst der südkoreanische Generalstabschef Choi Yoon Hee. Die Gesundheitsprobleme Kims „sind nicht schwerwiegend genug, um seinen Status als Herrscher zu untergraben“, sagte Choi am Montag bei einer Anhörung vor dem Parlament in Seoul.

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Tatsächlich hatte es während Kims Abwesenheit keine ungewöhnlichen Truppenbewegungen oder andere Anzeichen eines möglichen Putsches gegeben. Auch die ranghohe Diplomatie ging weiter: Drei Mitglieder aus seinem engsten Zirkel statteten Südkorea vor kurzem einen Überraschungsbesuch ab. Dazu wäre es aus Sicht von Experten nie ohne den Segen Kims gekommen. Zudem ließ Nordkorea zuletzt weiterhin ausländische Touristen und Entwicklungshelfer ins Land, auch Berichte über neue Beschränkungen oder Warnungen für Diplomaten gab es nicht.

Im Übrigen ist es nicht ungewöhnlich, dass nordkoreanische Machthaber für längere Zeit abtauchen. Kims Großvater Kim Il Sung und sein Vater Kim Jong Il nahmen sich beide lange, unkommentierte Auszeiten, was oft zu Gerüchten über einen möglichen Umsturz oder plötzlichen Tod geführt hatte.

Kims jüngste Abwesenheit sei „wahrscheinlich ein Mittel gewesen, um Aufmerksamkeit zu erregen - und es hat ganz bestimmt funktioniert“, sagte Bruce Cumings, Korea-Experte an der Universität von Chicago.

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