Nordkorea (Teil III): Besuch bei den ersten Liberalen

Nordkorea (Teil III): Besuch bei den ersten Liberalen

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Dünger-Kombinat

von Florian Willershausen

Im Schlepptau eines Abgeordneten reiste unser Chefreporter Florian Willershausen fünf Tage durch Nordkorea. In einer Online-Serie beschreibt er das Regime, das hin- und hergerissen ist zwischen Öffnung und Abschottung.

Duschen ist nicht. Im Sanatorium, das direkt an Nordkoreas Küste am Japanischen Meer liegt, drehen sie nur nachmittags von vier bis fünf das Wasser auf. Eine junge Frau hat da freundlicherweise die Badewanne volllaufen lassen – und das Wasser könnten wir mit einem Tauchsieder erwärmen. Das Gerät weckt aber zu wenig Vertrauen, um es mit Strom und Wasser zugleich in Berührung zu bringen. Und in der Wanne schwimmen Metallpartikel. Heute also etwas mehr Deo. Gut, dass der eine oder andere des Nachts noch im Pazifik baden war.

Trotzdem ist dies ein guter Tag. Das konnten wir gestern beim Abendessen schon spüren. Da erzählte uns der Gouverneur der Provinz Hamgyong-namdo, wie offen er sei für wirtschaftliche Kooperation mit dem Ausland. Irgendwie war das glaubhaft. Zumal sie hier Erfahrung haben mit internationalen Kontakten: Bis in die achtziger Jahre gab es regen Austausch zwischen den hiesigen Betrieben und jenen der DDR. Darum sprechen einige Nordkoreaner in dieser Region passables Deutsch, während sie selbst in Pjöngjang nicht einmal Englisch beherrschen.

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Vielleicht ist die DDR-Nostalgie der Grund, weshalb sie uns den roten Teppich ausrollen. Jedenfalls überrascht uns die Offenheit der Staatsmanager in der Region. Im Düngemittel-Kombinat erzählt uns Werksdirektor Kong Sunil frank und frei, wie dringend er sein Werk modernisieren müsste. Die Schwefel-Abgase würden den internationalen Grenzwert ums Doppelte überschreiten. Ein Entgaser solle bis Ende des Jahres kommen, aber wegen der Sanktionen sei der Einkauf nicht ganz leicht. Mangels Ersatzteilen könne er seine Dünger-Fabrik ohnehin nur zur Hälfte auslasten – obwohl in Nordkorea genug Kohle vorhanden ist.

Wir hätten erwartet, dass die Manager von den Vorzügen der Planwirtschaft fabulieren. Oder mit Stolz verkünden, um wie viel Prozent die wackeren Arbeiter ihren Plan übererfüllen. Darauf ließen auch die Propagandaplakate schließen, die an jeder Ecke des riesigen Fabrikgeländes kleben und den schönen Schein wahren lassen: „Es lebe die Geschlossenheit zwischen dem Führer, der Partei und dem Volk“, steht in Stein gemeißelt“, steht darauf zu lesen.

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