Nordkorea und Herr Kim: Des Diktators geheimnisvoller Parteikongress

Nordkorea und Herr Kim: Des Diktators geheimnisvoller Parteikongress

, aktualisiert 06. Mai 2016, 09:14 Uhr
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Kim Jong Un lässt sich gerne feiern. Nun beginnt überraschend der erste Parteikongress in Pjöngjang. Was genau verhandelt wird, ist offen. (Foto: Archiv)

von Martin KöllingQuelle:Handelsblatt Online

Nordkoreas Führer Kim Jong Un eröffnet den Parteikongress mit einem Loblied auf sich selbst. Doch welche Themen ansonsten auf der Tagesliste stehen, darum ranken sich Gerüchte. Einige sind beängstigend.

TokioDer erste Parteikongress von Nordkoreas Arbeiterpartei seit 36 Jahren hat am Freitag in Pjöngjang begonnen. Seit Monaten liefen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Hunderte von Slogans sollten das Volk in Stimmung bringen, um vier Jahre nach dem Machtantritt des jungen Führers Kim Jong Un nun den Beginn seiner Ära zu demonstrieren.

Die Propaganda gipfelte am Donnerstag in einem musikalischen Höhepunkt. Das Präsidium der Volksversammlung zeichnete das Lied „Wir sind die Glücklichsten auf der Welt“ mit den nach dem Großvater und Vater des gegenwärtigen Führers benannten Kim-Il-Sung- und dem Kim-Jong-Il-Preisen aus.

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Doch mehr, als dass der Kongress das Loblied von Marschall Kim singen wird, ist nicht bekannt. Selbst das genaue Datum des Kongresses gab das verschlossene Regime erst vorige Woche bekannt. Bis dahin hieß es nur, der Kongress solle Anfang Mai beginnen. Dementsprechend gespannt warten Korea-Experten in aller Welt darauf, was genau auf Kims Kongress passieren wird.

Ob personalpolitisch Weichen gestellt werden, ist eine der wichtigen Fragen. Wird Kims jüngere, vermutlich 29 Jahre alte Schwester Kim Yo-jong vom Rang einer stellvertretenden Direktorin im Zentralkomitee auf einen Posten mit Ministerrang befördert und damit die Macht der Dynastie gestärkt? Wird eine neue, jüngere Garde an Kadern die Macht übernehmen?

Darüber hinaus wird gerätselt, ob Kim auch wirtschaftspolitisch Reformakzente setzen wird, um die siechende Wirtschaft zu beleben. Er hatte die Militär-zuerst-Politik seines Vaters Kim Jong-Il abgeändert und eine Doppelstrategie ausgegeben. Die Entwicklung der Wirtschaft und des Atomwaffenarsenals sollen Hand in Hand gehen.

Es hatte auch weitere Reformen gegeben, die den wild sprießenden freieren Märkten mehr Platz zur Entfaltung einräumten. Lebensmittel werden schon lange auf freien Märkten gehandelt. Inzwischen gibt es sogar einen regen Immobilienmarkt in der Hauptstadt.

Selbst eine neue Arbeiterklasse entsteht außerhalb der Planwirtschaft, meint Korea-Experte Andrei Lankov von der Kookmin-Universität. Seine Schätzung: Schon jetzt machen private Aktivitäten 25 bis 50 Prozent der Wirtschaftsleistung aus. Ganz genau weiß das niemand.


Atombombentest zum Beginn der Feier?

Und zuletzt schauen die Experten im Ausland darauf, ob Kim den Parteitag nutzen wird, um Nordkoreas immer stärkere außenpolitische Isolierung zu überwinden. Nach dem das Land Anfang des Jahres zum vierten Mal eine Atombombe und darüber hinaus einen Raketentest durchgeführt hatte, stimmte sogar Nordkoreas Schutzmacht China strikten Sanktionen zu, um Nordkorea wieder zu Verhandlungen über eine Beendigung des Atomprogramms zu zwingen.

Experten erwarten, dass diese Sanktionen Nordkorea sehr hart treffen könnten, wenn China sie wirklich strikt umsetzt. Denn erstmals könnte auch den kommerziellen Handel zwischen China und Nordkorea stark gedrosselt werden. Und Nordkorea hängt inzwischen fast vollständig vom Handel mit China ab, seit Südkorea nach dem jüngsten Atombombentest südkoreanischen Firmen den Zugang zur nordkoreanischen Sonderzone Kaesong gesperrt hat.

Große Hoffnung auf eine Kurswende in der Atompolitik gibt es allerdings selbst bei Kims Genossen in China nicht. „Es ist nicht realistisch zu erwarten, dass der Norden abrupte Änderungen durchführt“, kommentierte die Global Post, eine Zeitung der Kommunistischen Partei Chinas.

Allerdings weisen die chinesischen Kommentatoren ihre koreanischen Kameraden daraufhin, dass sich die beiden Ziele wirtschaftlicher Entwicklung und atomarer Aufrüstung zunehmend widersprechen. Das Atomwaffenprogramm habe mehr negative Auswirkungen auf Nordkoreas Sicherheit gehabt, als die Nordkoreaner zu Beginn ihrer Aufrüstung gedacht haben werden, so der Kommentar.

Die Chinesen hoffen daher darauf, dass es auf dem Parteitag eine „pragmatische Analyse“ der Situation geben wird. Man werde vielleicht auf dem Parteitag sehen, wie die Führung den Widerspruch zwischen beiden Zielen auflösen will.

Anfang kommender Woche werden die Experten dann beginnen, aus der Ferne ihr Fazit zu ziehen. Es wird wahrscheinlich weiterhin großen Raum für Interpretationen geben. Denn Nordkorea bleibt weiterhin eines der verschlossensten Regime der Welt. Und im Vorfeld des Parteitags wurde bereits spekuliert, dass Nordkorea zur Feier des Parteitags einen weiteren Atombombentest durchführen könnte.

Quelle:  Handelsblatt Online
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