Nordkorea: US-Student zu 15 Jahren Arbeitslager verurteilt

Nordkorea: US-Student zu 15 Jahren Arbeitslager verurteilt

, aktualisiert 16. März 2016, 14:14 Uhr
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Der Us-Student war den nordkoreanischen Angaben zufolge mit einem Touristenvisum eingereist, um die „Fundamente der Einheit“ des Landes zu erschüttern.

Quelle:Handelsblatt Online

In Nordkorea werden immer wieder Ausländer verhaftet. Ein US-Student wurde nun zu 15 Jahren Arbeitslager verurteilt. Der 21-Jährige hatte sich nach nordkoreanischen Angaben zum Diebstahl von Propagandamaterial bekannt.

SeoulEin wegen „feindlicher Aktivitäten“ in Nordkorea festgenommener US-Student ist zu 15 Jahren Arbeitslager verurteilt worden. Dies habe der Oberste Gerichtshof Nordkoreas entschieden, meldete die Nachrichtenagentur KCNA am Mittwoch aus Pjöngjang. Der 21-jährige Otto Frederick Warmbier von der Universität Virginia hatte sich nach nordkoreanischen Angaben zum Diebstahl von Propagandamaterial bekannt.

Laut nordkoreanischen Staatsmedien gab Warmbier zu, ein Banner mit einer politischen Botschaft aus einem Mitarbeiterbereich seines Hotels in Pjöngjang entwendet zu haben. Demnach hatte ihn die Mutter eines Freunds, Mitglied der Methodistischen Kirche in Ohio, um „eine Trophäe“ gebeten. Sie habe ihm ein Auto im Wert von 10.000 Dollar (gut 9000 Euro) oder für den Fall seiner Festnahme 200.000 Dollar für seine Familie versprochen.

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In einem vom US-Fernsehsender CNN verbreiteten Video sprach Warmbier bei einer Pressekonferenz Ende Februar vor in- und ausländischen Journalisten in Pjöngjang unter Tränen vom „schlimmsten Fehler meines Lebens“.

Der junge Mann war den nordkoreanischen Angaben zufolge mit einem Touristenvisum eingereist, um die „Fundamente der Einheit“ des Landes zu erschüttern. Dabei habe der Student 2unter der Anleitung der US-Regierung“ gehandelt. Bei der geplanten Ausreise nach Peking Anfang Januar wurde er festgenommen.

Warmbier ist einer von insgesamt drei in Nordkorea festgehaltenen Nordamerikanern. Im Dezember war ein 60-jähriger kanadischer Priester in Nordkorea wegen Vorwürfen der Aufwiegelung zu lebenslanger Haft mit Zwangsarbeit verurteilt worden.

Wie die Zeitung „New York Times“ berichtete, traf der US-Diplomat Bill Richardson kurz vor dem Urteil am Dienstag zwei nordkoreanische UN-Diplomaten in einem New Yorker Hotel. Er habe um die Freilassung des jungen Mannes aus humanitären Gründen gebeten, und die Nordkoreaner hätten zugesagt, diese Bitte zu übermitteln, sagte der ehemalige Gouverneur von New Mexico dem Blatt.


US-Bürger als Faustpfand in Verhandlungen

Auch die US-Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) verlangte Warmbiers Freilassung aus humanitären Gründen. Pjöngjang solle anerkennen, dass es sich bei dem von dem Studenten „selbst zugegebenen Fehler“ um ein eher geringfügiges Vergehen, nicht viel mehr als eine Art „Universitätsstreich“ gehandelt habe, erklärte der stellvertretende HRW-Asien-Direktor Phil Robertson.

In Nordkorea wurden in den vergangenen Jahren wiederholt Ausländer festgenommen, zu langjährigen Haftstrafen verurteilt und dann nach Gegenleistungen ausländischer Regierungen freigelassen. Häufig versucht Pjöngjang, die Gefangenen als Faustpfand in Verhandlungen einzusetzen. Richardson war in der Vergangenheit mehrfach in Nordkorea, um über die Freilassung anderer US-Bürger zu verhandeln.

Im November 2014 war der aus Südkorea stammende US-Bürger Kenneth Bae freigekommen, der im April 2013 zu 15 Jahren Arbeitslager verurteilt worden war. Bevor Bae und sein Landsmann Matthew Miller freikamen, war US-Geheimdienstkoordinator James Clapper nach Nordkorea gereist.

Das jüngste Urteil erfolgte vor dem Hintergrund wachsender Spannungen zwischen den USA und Nordkorea. Pjöngjang hatte im Januar seinen vierten Atomwaffentest und einen Monat später den Start einer Langstreckenrakete bekanntgegeben. Beides verstieß gegen UN-Resolutionen, weshalb der UN-Sicherheitsrat – einschließlich China und Russland – die bislang schärfsten Strafmaßnahmen gegen die Demokratische Volksrepublik Korea verhängte.

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un warf der US-Regierung vergangene Woche vor, eine Aggression gegen sein Land vorzubereiten und schloss einen „präventiven Atomangriff“ Pjöngjangs nicht aus. Er reagierte damit auch auf ein militärisches Großmanöver der USA und Südkoreas, das derzeit für eine weitere Zuspitzung der politischen Lage in Ostasien sorgt. Auch China kritisierte die Militärübung, an der 300.000 Soldaten aus Südkorea und 17.000 aus den USA teilnehmen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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