Nordkorea: Warum Diktatoren mit dem Säbel rasseln

Nordkorea: Warum Diktatoren mit dem Säbel rasseln

von Florian Willershausen

Nordkorea droht der Weltmacht USA mit einem Atomschlag und erklärt Südkorea den Krieg. Ist das nicht völliger Wahnsinn? Nein. Wie viele Diktatoren vor ihm nutzt der junge Kim Jong Un die martialische Außenpolitik, um sich Legitimität im Innern zu verschaffen – und die ist nötig, wenn er sein Land in eine Zukunft führen will.

Rational betrachtet, scheint auf Nordkoreas Kim Jong Un nur eine Diagnose zuzutreffen: Der dicke Diktator mit Doppelkinn und Miesepeter-Gesicht muss verrückt geworden sein. Jedenfalls lässt sich nach westlicher Logik nicht erklären, wie der frisch gebackene Staatschef eines kleinen und verarmten Landes solch ein Vabanque-Spiel betreibt: Kim Jong Un kündigt den Waffenstillstand mit dem doppelt so viele Einwohner zählenden Südkorea, sein Schein-Parlament genehmigt einen atomaren Schlag für den Fall amerikanischer „Provokationen“, zwischendurch wirft er westliche Botschafter aus dem Land, darunter auch den deutschen. Der Wahnsinn kennt keine Grenzen mehr.

Dennoch bleiben die Adressaten der vermeintlichen Aggression erstaunlich cool: Von Hamsterkäufen und Panik ist aus Südkoreas Hauptstadt Seoul nichts zu hören, die Supermacht USA hält sich mit verbalen wie militärischen Drohgebärden auffällig zurück. Man kennt das Spiel von den Vorgängern des 30-Jährigen. Vor allem sein dauergrinsender Opa Kim Il-sung hatte die ideologischen Gegner immer mal wieder provoziert – und sich dann den verbalen Frieden mit Wirtschaftshilfe gut bezahlen lassen. Diesmal indes ist die Lage eine andere.

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Wer die Motive des jungen Kim Jong Un ergründen will, muss sich in die Handlungslogik von Autokraten und Diktatoren hineinversetzen, was einem in Europa ganz recht schwer fällt. Dabei zeigten sich in der DDR-Geschichte und mehr noch im postsowjetischen Raum durchaus ähnliche Mechanismen: Frisch gebackene Autokraten, die über Klüngel statt Können an die Macht gekommen sind, neigen zu Selbstinszenierung und Symbolpolitik: Ins Innere soll eine Aura der Stärke wirken und die brüchige Macht konsolidieren helfen; die Außenwirkung ist sekundär.

Nordkorea Der verzweifelte Kim

Nordkorea befindet sich in einem katastrophalen Zustand. Der versprochene Wirtschaftsaufschwung unter Kim Jong Un lässt auf sich warten. Der Diktator ist verzweifelt. Führt er sein Land nun in den Krieg?

Kim Jong Un verschärft im Streit mit Südkorea den Ton. Quelle: AP/dpa

Ein Krieg ist hierbei besonders hilfreich. Wladimir Putin hat derer gleich zwei geführt, als er im August 1999 zunächst als Premierminister und wenige Wochen später als Präsident im krisengeschüttelten Russland übernahm. Militärisch kämpfte er gegen islamistische Separatisten in Tschetschenien, mit politischen Drohungen und steuerpolizeilichen Attacken drängte er die Oligarchen aus den Moskauer Machtzentren zurück. Im Kontrast zur politisch chaotischen Jelzin-Zeit, die mit dem ökonomischen Niedergang Russlands einherging, steht Putin bis heute vor der „einfachen“ Bevölkerung als souveräner Führer da, der sein Land mit harter Hand durchregiert.

Neben entschlossenem Auftreten spielt auch die eindeutige Symbolpolitik eine Rolle bei der Konsolidierung der Macht im Innern. Als Zahnarzt Gurbanguly Berdymuchammedow, bis dahin Leibarzt des verstorbenen Präsidenten, Anfang 2007 neuer Staatschef im isolierten Ölland Turkmenistan wurde, ließ er sein Land erst einmal ausmisten: Die goldene Statue seines überlebensgroßen Vorgängers, das sich im Lichte der Sonne drehte, wurde auf Geheiß des neuen Präsidenten vom Sockel entfernt. Seither inszeniert sich der Alleinherrscher als Volkstribun anstelle des Alten, sein Antlitz bedeckt haushoch diverse Gebäudefassaden im Land.

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