Notenbank: Der monetäre Wahnsinn wird zur Methode

KommentarNotenbank: Der monetäre Wahnsinn wird zur Methode

von Frank Doll

Vertrauen ist das wichtigste Kapital einer Notenbank. Doch das Vertrauen in die Geldpolitik nimmt mit jeder neuen Liquiditätsrunde ab. Eine Garantie für Bankeinlagen ist auch deshalb nur Fiktion.

Das heutige Bankensystem existiert nur so lange, wie die Bankkunden an die Sicherheit ihrer Bankeinlagen glauben. Ein naiver Glaube, der trotz oder gerade wegen aller Banken- und Währungskrisen der vergangenen Jahrzehnte bisher nicht zu erschüttern war. Die Zypern-Krise markiert hier eine Zäsur. Erstmals seit den Dreißigerjahren des vergangenen Jahrhunderts müssen Bankeinlagen für die Verluste einer Bank herhalten. Mit einer neuen EU-Richtlinie wird das in Zukunft im ganzen Euro-Raum zur gängigen Praxis. Von einer Bankeinlage ab 100.000 Euro an ist der Kunde nicht mehr nur Kunde einer Bank, sondern auch deren Gläubiger. EU-Währungskommissar Olli Rehn und Bundesbankpräsident Jens Weidmann sehen darin in nahezu identischem Wortlaut „ein positives Signal, das die Unsicherheit zu reduzieren hilft“. Ein bisschen Spaß muss eben sein!

Der Vertrauensschaden, den diese EU-Richtlinie nach den Ereignissen in Zypern anrichten wird, lässt sich kaum ermessen. Demnächst kann jede europäische Regierung mit dem Segen aus Brüssel ihre Banken mit Kundengeldern rekapitalisieren. Der daraus zu erwartende Run auf die schwächeren Banken wird diese Rekapitalisierung gewiss auch notwendig machen. Eine Kapitalspritze brauchen demnächst aber auch die zyprische Notenbank und die Europäische Zentralbank (EZB). Die EZB hat gerade rund 14 Tonnen Gold der zyprischen Notenbank angefordert, um damit einen Teil ihrer Verluste aus den im Rahmen des ELA-Programms gewährten Hilfskredite an die Pleite gegangenen zyprischen Geschäftsbanken zu decken. Drei Direktoren der zyprischen Notenbank sind daraufhin zurückgetreten.

Anzeige

Wider das staatliche Geldmonopol Das Ende der unabhängigen Notenbanken

Weltweit geraten die Notenbanken immer stärker in den Würgegriff der Regierungen. Die Ära unabhängiger Zentralbanken ist passé. Wer gesundes Geld will, muss auf den freien Markt setzen.

Quelle: dpa/dpaweb

Zypern, so unbedeutend es hinsichtlich seiner Wirtschaftskraft auch sein mag, könnte das moderne Pendant werden zur 1931 zusammengebrochenen österreichischen Credit-Anstalt. Ihr folgten damals weltweit tausende Banken in die Pleite und es kam zur Großen Depression. Schon 2008 wäre es fast soweit gewesen, als eine überwiegend von US-Banken im Immobilienbereich aufgebaute Kreditblase platzte. Die US-Notenbank Fed hatte diese Kreditblase nicht einmal ansatzweise erkannt. Nur die Injektion von schätzungsweise 16 Billionen Dollar in das globale Finanzsystem verhinderte dessen totalen Kollaps. Das grundsätzliche Problem aber wurde damit nicht gelöst.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%