Notenbankpräsident dreht Geldhähne auf: Wohlstandsillusion soll Obamas Wiederwahl sichern

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Notenbankpräsident dreht Geldhähne auf: Wohlstandsillusion soll Obamas Wiederwahl sichern

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Starker Kritik ausgesetzt. Die Politik der US-Notenbank weicht zunehmend von ihrem Mandat ab.

von Frank Doll

Vor der Präsidentschaftswahl dreht US-Notenbankpräsident Ben Bernanke die Geldhähne wieder voll auf. Über steigende Vermögenspreise, vor allem bei Aktien und Immobilien, will er eine Wohlstandsillusion schaffen und so US-Präsident Barack Obama zu einer zweiten Amtszeit verhelfen. Denn dann würden auch Bernakes Chancen auf eine dritte Amtszeit steigen.

Die amerikanische Zentralbank Federal Reserve (Fed) muss nicht nur für stabile Preise, sondern auch für eine ausreichende Anzahl von Arbeitsplätzen sorgen. So lautet ihr Mandat. Doch Gelddrucken schafft keine neuen Arbeitsplätze. So stieg die US-Bevölkerung seit 2000 um 32 Millionen auf 314 Millionen Einwohner, aber die Anzahl der Erwerbstätigen verharrt seither bei 133 Millionen. Diese Fakten aber interessieren US-Notenbankchef Ben Bernanke offenbar wenig. Und so macht er munter weiter und bringt in einer neuen Runde quantitativer Lockerungsübungen den nächsten Schwall frisch gedruckter Dollar-Blüten für den Ankauf von Anleihen in Umlauf. Bernanke glaubt immer noch, damit ließe sich die amerikanische Wirtschaft stimulieren und neue Arbeitsplätze schaffen.

Die Börsen jubeln, aber nicht wegen der Aussicht auf Wirtschaftswachstum und neue Arbeitsplätze in Amerika, sondern weil sie immer jubeln, wenn Geld aus der Notenpresse die Vermögenspreise nach oben drucken. Finanzleute verdienen nämlich umso mehr, wenn die Kurse steigen. Deshalb ist Bernanke für sie „ein Engel, von Gott geschickt.“ (Marc Faber)

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FAQ US-Vorwahlen

  • Wer bestimmt den Spitzenkandidaten?

    Den Spitzenkandidaten einer Partei bestimmt deren Basis während der Parteitage. Diese "national conventions" gibt es seit 1832. Dort kommen Tausende Delegierte zusammen, die bei den Vorwahlen in den einzelnen Bundesstaaten ernannt wurden und sich verpflichtet haben, für einen bestimmten Kandidaten zu stimmen.

  • Wie viele Delegierte vertreten die US-Staaten?

    Insgesamt 2286 Delegierte vertreten 50 US-Bundesstaaten - inklusive Washington, Puerto Rico, Guam, Amerikanisch Samoa, Virgin Islands und die Nördlichen Marianen.

  • Welche Wahlverfahren gibt es?

    Es gibt zwei Wege, einen Kandidaten zu wählen: Caucus und Primary. Bei der Primary gehen die Wähler in ein Wahllokal und wählen ihren Kandidaten. Bei der offenen Primary können alle Wähler für jeden beliebigen Kandidaten stimmen. Bei der geschlossenen Vorwahl wählen die eingetragenen Parteimitglieder strikt nach Parteizugehörigkeit.

    Bei der Caucus wählen eingetragene Parteimitglieder - schriftlich oder offen - jeweils ihren Kandidaten. Dem voran gehen Debatten und Reden, das Verfahren ist recht zeitaufwändig.

  • Wie viele Vorwahlen gibt es?

    Die Präsidentschaftskandidaten können in 56 Vorwahlen um die Stimmen der Delegierten buhlen. Los geht es am 03. Januar in Iowa, der letzte Vorwahlkampf findet am 26. Juni in Utah statt.

  • Wie viel Stimmen braucht Obamas Gegenkandidat?

    Damit die Republikaner einen Gegenkandidaten für Barack Obama ins Rennen schicken können, muss er bei den Vorwahlen 1144 Delegiertenstimmen bekommen haben.

Bis gestern war lediglich noch offen, welche Anleihen die Fed in einer neuen Runde quantitativer Lockerung kaufen würde und welche Summen eingesetzt werden. Die Fed entschied sich für den Ankauf von Hypothekenpapieren und will jeden Monat Hypothekenanleihen im Volumen von 40 Milliarden Dollar kaufen, und zwar zeitlich unlimitiert. Ziel sei es, den schwachen Immobilienmarkt zu stützen. Doch das ist natürlich Blödsinn, weil dieser Markt nach der Bereinigung längst auf Erholungskurs ist. Abzulesen ist das am Branchenindex der US-Hausbauwerte. Der hat sich nämlich binnen Jahresfrist glatt verdoppelt. Die Stimmung der US-Hausbauer ist außerdem so gut wie seit fünf Jahren nicht mehr. Normalerweise folgen die Baugenehmigungen und der tatsächlich gebauten Häuser diesem Trend. Außerdem liegen die US-Hypothekenzinsen mit etwa drei Prozent für zehn Jahre bereits auf einem historisch niedrigen Niveau.

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Tatsächlich geht es darum, die Vermögenspreise mit allen Mitteln nach oben zu drucken. Denn in einer überschuldeten Wirtschaft wie der amerikanischen ist es problematisch, wenn die Vermögenspreise fallen. Dann sind die Kredite nicht mehr gedeckt und verwandeln sich schnell in faule Kredite wie eben nach dem Platzen der Immobilienblase.

Über steigende Vermögenspreise, vor allem bei Aktien und Immobilien, lässt sich außerdem kurz vor der US-Präsidentschaftswahl im Wahlvolk eine gewisse Wohlstandsillusion schaffen. Das verbessert die Chancen des amtierenden Präsidenten auf eine zweite Amtszeit und damit auch Bernankes Chancen auf eine dritte Amtszeit als Fed-Chef.

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