Obama 2.0: Der neue Cheerleader der Nation

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US-Präsident Barack Obama

Kolumne von Angela Hennersdorf

US-Präsident Barack Obama gefällt sich in seiner neuen Rolle als Cheerleader der Nation. Seine Kritiker bleiben skeptisch - vor allem die mächtige Wirtschaftslobby.

Am Abend zum Super Bowl, dem größten amerikanischen Sportereignis des Jahres, traf US-Präsident Barack Obama ausgerechnet auf einen seiner schärfsten Kritiker: Bill O’Reilly vom konservativen Sender Fox News.

Der Präsident gibt traditionell dem Sender, der das Duell überträgt, ein Interview. Diesmal war es Fox,  und also saß Obama am vergangenen Sonntagabend mit O’Reilly zusammen.

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Doch das von allen mit Spannung erwartete Wortgefecht zwischen dem konservativen Medienmann und Obama blieb aus. Der sonst so aggressive Fragesteller O’Reilly war harmlos, egal ob zum Thema Gesundheitsreform oder zur Rolle der USA in Ägypten.

Bisweilen plauderten die beiden gar freundschaftlich miteinander - vor allem über Football. Der Präsident gab preis, er habe Hollywoodstar Jennifer Lopez eingeladen, mit seiner Familie vor dem Fernseher zu sitzen, und ein deftiges Super-Bowl-Menü zu genießen. Auch deutschen Kartoffelsalat gab’s.

Obama beschwört die Wirtschaft endlich zu investieren

Offenbar fällt es in diesen Tagen selbst sonst so hart gesottenen Obama-Feinden wie O’Reilly schwer, der Charme-Offensive des US-Präsidenten zu entgehen. Schon in seiner Ansprache an die Nation vor gut einer Woche ist es Obama gelungen, seinen alten „Yes, we can“-Slogan wiederzubeleben. Ein positiver Ruck ging durchs Land – bei Freund und Feind.

Obama gefällt sich in seiner neuen Rolle als Cheerleader der Nation. Und er bemüht sich emsig, auch die mächtige amerikanische Wirtschaftslobby für sich zu gewinnen. „Ich bin nicht euer Feind“, sagte er in einer lang erwarteten Rede vor der US-Handelskammer am Montag in Washington. Die Unternehmer hätten die Pflicht, doch bitteschön gemeinsam mit ihm das Land zu retten. „Investiert endlich, und zwar in Amerika, nicht im Ausland“, forderte er Amerikas Unternehmer auf. Schließlich trügen die Unternehmer für die Erholung der heimischen Wirtschaft ebenso Verantwortung wie die Regierung.

Amerikanische Unternehmen hätten rund zwei Milliarden Dollar (rund 1,47 Milliarden Euro) für Investitionen auf der hohen Kante. Damit könnten sie Arbeitsplätze in den USA schaffen und so die Konjunktur ankurbeln. Hohe Bonuszahlungen an Manager oder das Geld in Projekte im Ausland zu stecken, das sei jetzt nicht der richtige Weg. Gewinne sollten sich anders als zuletzt in höheren Löhnen und einem besseren Lebensstandard für die amerikanische Bevölkerung niederschlagen, so der US-Präsident.

Wird Obama jetzt endlich zum Kapitalisten?

Ob es ihm damit gelingt, sein bisher eher frostiges Verhältnis zur Geschäftswelt zu verbessern?

Dort ist eher Skepsis angesagt: „Wird Obama jetzt endlich zum Kapitalisten oder ist das nur ein Täuschungsmanöver?“ heißt es aus der Wirtschaft und dem konservativen politischen Lager.

Immerhin hat sich der US-Präsident in den vergangenen Wochen offener für die Interessen der Wirtschaft gegeben und mehr Unternehmer in sein Beraterteam im Weißen Haus geholt, unter anderen Jeff Immelt, Chef des US-Konzerns General Electric.

Und der Präsident versprach, durch Investitionen in Infrastruktur, Bildung und einer effektiveren Verwaltung die Wettbewerbsbedingungen für die Wirtschaft zu verbessern. Unnötige Regulierungen wolle er abschaffen und Unternehmenssteuern vor allem für kleinere und mittlere Unternehmen senken. Nun muss er diesen Worten auch Taten folgen lassen. Viel zu sehen ist davon derzeit noch nicht.

Tatsächlich übertreffen in den USA derzeit so viele Unternehmen die Umsatzprognosen der Analysten wie seit langem nicht mehr. Zu den Unternehmen, die für das vierte Quartal einen höheren Umsatz als erwartet berichten, gehören etwa Carterpillar und United Parcel Service, zwei Konzerne, die als Konjunkturbarometer gelten.

Doch die Arbeitslosenzahl bleibt unverändert hoch. Zwar sank die Arbeitslosenquote in den USA im vergangenen Monat um 0,9 Prozent auf 9 Prozent und damit auf den niedrigsten Stand seit April 2009, aber im Januar schafften die Unternehmen nur 36000 neue Jobs, wie das Arbeitsministerium in Washington mitteilte. Experten hatten mit 145000 Stellen gerechnet.

Für Amerika bedeutet das – ohne Jobs keine Erholung. Und für Obama heißt das, seine neue Rolle als Cheerleader der Nation hat gerade erst begonnen. Beschwörend einwirken wird er wohl deshalb als nächstes auf die US-Notenbank Fed, um von ihr weitere konjunkturelle Unterstützung zu erhalten. 

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