Obama auf Kuba: Große Worte in Havanna

Obama auf Kuba: Große Worte in Havanna

, aktualisiert 22. März 2016, 17:25 Uhr
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„Sí se puede“, sagte der US-Präsident bei einer Rede im Gran Teatro de la Havana. Damit spielte er auf seinen Slogan „Yes we can“ an. Die Zuhörer jubelten.

Quelle:Handelsblatt Online

Der US-Präsident wirbt in Kuba für Wandel. Die Zukunft des Landes „liegt in den Händen der Kubaner“, sagt Obama in einer Rede an das Volk. Doch die Bewohner der Karibikinsel brauchen vor allem eines: Geduld.

HavannaBarack Obama hat eine schwarze Krawatte angelegt, sein Besuch ist historisch, aber der Terror von Brüssel überschattet auch die Visite des US-Präsidenten beim langjährigen Erzfeind Kuba.

Er steht auf der Bühne des „Gran Teatro de la Havana“ , hinter ihm die kubanische und die amerikanische Fahne. Bevor Obama sich in einer sogar im Staatsfernsehen übertragenen Rede an das kubanische Volk wendet, betont er: „Die Welt muss vereint sein.“ Dem Terror die Stirn bieten, Werte nicht aufgeben. Vor der Rede hat er Belgiens Premier Charles Michel am Telefon seine Unterstützung versichert.

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Es gibt lauten Beifall, als er wenig später auf Spanisch sagt, er überbringe einen „Saludo de Paz“, einen Friedensgruß. Er wolle hier die Reste des Kalten Krieges beerdigen. „Sí se puede“, sagt Obama unter großem Jubel auf Spanisch - eine Anspielung auf seinen Slogan „Yes we can“. Die Zeit des Wandel sei gekommen. Und die bedeute: keine US-Einmischung: „Die Zukunft Kubas ist in den Händen der Kubaner.“

Darauf hatte auch Kubas Staatschef Raúl Castro zuvor bei einer Pressekonferenz mit Obama gepocht - eine völlig ungewohnte Übung für Castro, der die Medien staatlich kontrolliert. „Alles was sich ändern sollte, ist exklusive Sache der Kubaner“, so Castro. Dass es eine Zeitenwende gibt, zeigt ein kleines interessantes Detail.

Das kommunistische Zentralorgan „Granma“ veröffentlicht unzensiert einen bemerkenswerten Dialog Castros mit einem Journalisten. Der hatte ihn nach politischen Gefangenen in dem Karibikstaat gefragt. „Geben Sie mir die Liste“, antwortet Castro barsch, mit der rechten Hand gestikulierend. Bekomme er so eine Liste überreicht, werde er sofort alle freilassen. Es gebe aber keine politischen Gefangenen.


Kein rascher Wandel für Dissidenten

Der Sprecher der verbotenen, aber tolerierten kubanischen Kommission für Menschenrechte, Elizardo Sánchez, könnte so eine Liste sofort liefern. „In diesem Moment haben wir mindestens 80 Namen“, sagt er. Viele Gefangene sind einfach wegen anderer vorgeblicher Vergehen wie Spionage oder Vaterlandsverrat verurteilt worden. Die Cuban American National Foundation (CANF) fertigt schnell auch eine Liste an, sie kommt auf 47 Namen. Aufgelistet mit Namen, Haftdauer und Gefängnis.

Auch wenn Obama auf Spanisch von einer „Zukunft der Hoffnung spricht“ und Castro betont, man dürfe Menschenrechte bitte nicht politisieren - die Begegnung auf der Weltbühne (1500 Journalisten sind akkreditiert) zeigt große Differenzen, die alles Tauwetter nicht beiseite wischen kann. Dass für die vielen Dissidenten kein rascher Wandel kommt, zeigen Dutzende Festnahmen.

Was bedeutet Obamas Besuch für die Menschen?

Ein bekannter Ort in Havanna ist das Coppelia, eine der größten Eisdielen Lateinamerikas, von Revolutionsführer Fidel Castro initiiert, jeden Tage mehrere tausend Gäste und lange Schlangen.

Ernesto (28) arbeitet hier als Sicherheitsmann. Sein größter Wunsch? „Mehr Geld, ich habe einen Monatslohn von 10 CUC.“ Das sind umgerechnet 10 US-Dollar. Klar, die Wohnung sei ihm umsonst zugeteilt worden, es gebe viele Subventionen. „Aber ich würde gerne mal was anderes sehen, mal eine Reise unternehmen.“ Wohin? „Die USA wären schön.“ Und im Internet surfen. Es gibt zwar eine wachsende Zahl an Hotspots in Havanna. Aber nur die wenigsten können sich einen Zugang leisten. „Die Stunde kostet 2 CUC, unbezahlbar für mich“, so Ernesto.


Mehr Freiheit in Kubas Wirtschaft

Der wohl nachhaltigste Effekt der Annäherung zwischen den USA und Kuba: Die karibische Insel öffnet sich. Kuba steht mehr unter Beobachtung, das erhöhe den Druck für Reformen , so Obamas Theorie. Castro will in sein Karibik-Paradies mit integriertem Freilichtmuseum (Oldtimer en masse, morbider Altbau-Charme, Revolutionsromantik) deutlich mehr Touristen locken. Es ist ein sehr teures Reiseland, Kubaner zahlen in Pesos, die Ausländer zahlen in CUC (Peso Cubano Convertible), das ist 25 Mal so viel. Sie finanzieren die Revolution. Über drei Millionen Touristen kamen 2015.

Die Logik ist: mehr Touristen = mehr Einnahmen für Castros Staat. Und - so hoffen es die Bürger - mehr Jobs im Tourismussektor, wo ein Trinkgeld schon mal 10 CUC ausmachen kann. Der US-Zimmervermittler Airbnb darf ab April Zimmer auf Kuba an Reisende aus aller Welt vermitteln. Das stärkt die steigende Zahl kleiner Privatunternehmer.

„Kubas Wirtschaft beginnt sich zu ändern“, sagt Obama bei einem Wirtschaftsforum. Er habe mit seiner Familie in einem der neuen Privatrestaurants (Paladar) gespeist. „Das Essen war wirklich gut“.

Aber: Jeder darf in Kuba offiziell nur einen Paladar betreiben. Wie wird es die kommunistische Partei schaffen, die Zügel in der Hand zu halten? Eines ist klar, allein schon wegen der Regelung, dass sich keine Ketten bilden dürfen: Einen McDonalds, für viele Sinnbild des Kapitalismus, wird es in Havanna sicher nicht so schnell geben.

Und das US-Handelsembargo wird vorerst nicht komplett fallen, wegen der Blockade im US-Kongress. Ob die Annäherung zwischen Washington und Havanna weitergeht, hängt vom nächsten US-Präsidenten ab. In der Pressekonferenz wird Castro gefragt, wen er vorziehe - Hillary Clinton oder Donald Trump? Da muss er schmunzeln: „Ich kann nicht in den Vereinigten Staaten wählen“.

Quelle:  Handelsblatt Online
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