Ochi!: Warum die Griechen so gerne „Nein“ sagen

Ochi!: Warum die Griechen so gerne „Nein“ sagen

, aktualisiert 03. November 2011, 16:43 Uhr
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Proteste am diesjährigen "Ochi"-Tag.

von Andreas NiesmannQuelle:Handelsblatt Online

Nüchtern betrachtet gibt es kaum einen Grund, warum die Griechen die Rettung ihres Staats vor der Insolvenz ablehnen sollten. Trotzdem ist ein Nein der Griechen nicht unwahrscheinlich. Das hat auch historische Gründe.

DüsseldorfMit den Finanzmärkten werden sie locker fertig, die eigenen Parlamente, geschenkt, aber es gibt eine Sache, die Angela Merkel und Nicolas Sarkozy mehr fürchten als alles andere: die Starrköpfigkeit der unbeugsamen Griechen. Genau deshalb haben die selbsternannten Euro-Retter vor dem G-20-Gipfel die Daumenschrauben angezogen und das von der griechischen Regierung angekündigte Referendum zur Abstimmung über den Verbleib des Landes in der Euro-Zone erklärt.

Aber was macht das griechische Volk so unberechenbar? Warum sollten die Griechen ein 100-Milliarden-Euro-Geschenk – und nichts anderes ist der Schuldenschnitt – ablehnen? Die Sparprogramme verlangen dem Volk viel ab, klar, aber wäre die Alternative besser? Können die Griechen wirklich wollen, dass ihr Land dauerhaft von der wirtschaftlichen Bildfläche verschwindet?

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Die Antwort: Sie können. Eben weil es so schön irrational ist, könnte es so machen Hellenen reizen, seinem Frust über die radikale Sparkur Luft zu machen und bei einem Referendum mit Nein zu stimmen. „Wir lassen uns von Euch nicht vorschreiben, wie wir zu leben haben“, wäre die Botschaft, die die Griechen damit an Europa senden würden. „Wenn wir schon untergehen, dann bestimmen wir wenigstens selbst, wann und wie.“


„Wir lassen uns nicht vom Ausland bevormunden.“

„Nein“ ist in Griechenland ein positiv besetzter Begriff, es gibt sogar einen  Nationalfeiertag, der „Ochi-Tag“ heißt – „Tag des Neins“. Seinen Ursprung hat der Feiertag in dem „Nein“, das der griechische Diktator Ioannis Metaxas 1940 seinem italienischen Konterpart Benito Mussolini entgegenschleuderte. Dieser hatte ihn zuvor per Ultimatum und unter Kriegsdrohung aufgefordert, die neutrale Haltung im Zweiten Weltkrieg aufzugeben und der Errichtung italienischer Stützpunkte auf griechischem Boden zuzustimmen. Zwar führte Metaxas’ Nein zum Angriff Italiens auf Griechenland, doch war damit eine Geisteshaltung geboren die bis heute fortbesteht. „Wir lassen uns nicht vom Ausland bevormunden, auch wenn es unangenehm wird“ – so lässt sie sich am ehesten zusammenfassen.

Es ist noch nicht einmal ein Woche vorbei, seit Griechenland den „Ochi-Tag“ zum letzten Mal gefeiert hat. In diesem Jahr war es kein Freudenfest, sondern ein Tag an dem sich der Zorn auf die Politik in wüsten Beschimpfungen und Diffamierungen entlud. Die Stimmung war so geladen, dass Staatspräsident Karolos Papoulias erstmals nicht die traditionelle Feiertagsparade abnehmen konnte.

Merkel und Sarkozy werden auch diese Bilder vor Augen gehabt haben, als sie den griechischem Premier Giorgos Papandreou dazu gedrängt haben, die Abstimmung über die Rettung Griechenlands mit einer Abstimmung über den Verbleib in der Euro-Zone zu verknüpfen.

Sie wissen: Die starrköpfigen Griechen sind unberechenbar.

 

Quelle:  Handelsblatt Online
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