OECD-Forscher Christian Kastrop: „Abschottung ist keine Lösung für weltweite Probleme“

OECD-Forscher Christian Kastrop: „Abschottung ist keine Lösung für weltweite Probleme“

, aktualisiert 28. Dezember 2016, 06:15 Uhr
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„Mit mehr Protektionismus verlieren am Ende alle.“

von Donata RiedelQuelle:Handelsblatt Online

Der Ökonom Christian Kastrop leitet die Abteilung für wirtschaftspolitische Studien der OECD. Der Forscher fordert die Regierungen der G20-Länder auf, Handelshemmnisse abzubauen und warnt vor Protektionismus.

Herr Kastrop, eine Abnahme bei der Handelsliberalisierung haben OECD und WTO bereits seit dem Jahr 2000 festgestellt. Was war der Auslöser?
In den 1990er-Jahren hatte es eine stetige Zunahme bei der Öffnung von Märkten durch neue Handelsabkommen gegeben. Zur Jahrtausendwende war wohl schlicht ein Höhepunkt erreicht, der dann ja auch erst einmal für ein paar Jahre Bestand hatte.

Seit der Finanzkrise verzeichnen Sie eine Zunahme protektionistischer Maßnahmen in den G20-Ländern. Das steht im Gegensatz zu den Versprechen der Organisation. Wie kam es dazu?
Die G20 hat sich immer auch um diese Frage bemüht, auch wenn hier in erster Linie die WTO in der Pflicht ist. Es ist auch so, dass der freie Welthandel nach der Finanzkrise nicht das zentrale Thema der G20 war, sondern zunächst einmal die neue Finanzarchitektur und die Stabilisierung der Wirtschaft über gute Wirtschafts- und Finanzpolitik. Aufgrund der aktuellen Entwicklungen wird sie sich sicher stärker für einen freien und fairen Welthandel einsetzen und dem steigenden Protektionismus entschieden entgegentreten.

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Was sollte die G20 unter deutschem Vorsitz jetzt tun, damit der Freihandel nicht schleichend untergeht?
Deutschland hat hier eine gute Grundlage, der Welthandel sollte im Einklang mit ordnungspolitischen Grundsätzen stehen. Die G20 sollte unbedingt weiterhin für offene ‧Gesellschaften und die Globalisierung eintreten und sich anschauen, welche Handelshemmnisse, etwa in den Dienstleistungsbranchen, gezielt abgebaut werden könnten. Zusätzlich sollte sie internationale Standards für fairen Handel entwickeln. Gleichzeitig müssen die Nationalstaaten ihre Strukturpolitik so ausrichten, dass die Vorteile der Globalisierung auch sichtbar werden und es möglichst wenige Globalisierungsverlierer gibt.

Stellt der Rückgang beim Handelswachstum nur eine Normalisierung dar, weil China seine Wirtschaft stärker auf den Binnenmarkt ausrichtet?
Das ist sicher ein Effekt. Das Umsteuern in China hat dort zu einem Rückgang des Handels mit dem Ausland geführt. Außerdem beobachten wir einen Rückgang der globalen Wertschöpfungsketten, die 2007 ihren Höhepunkt verzeichneten. Wenn große Schwellenländer sich in Richtung Industriestaaten entwickeln, ist es vermutlich normal, dass Wertschöpfungsketten auch einmal abnehmen. Die G20 sollte aber aufpassen: Abschottung ist keine Lösung für weltweite Probleme. Im Gegenteil: Die Untersuchungen der OECD zeigen es ganz eindeutig: Wenn der Protektionismus immer mehr zunimmt, verlieren am Ende alle.

Quelle:  Handelsblatt Online
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