OECD-Studie: Deutschland als Vorbild bei der Einwanderung

OECD-Studie: Deutschland als Vorbild bei der Einwanderung

, aktualisiert 29. Juni 2017, 16:08 Uhr
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Nachholbedarf sieht die OECD vor allem bei der Integration der Familien.

von Barbara GillmannQuelle:Handelsblatt Online

Früher schauten alle nur nach Skandinavien und Kanada – heute beobachten viele Länder genau, wie Deutschland mit Zuwanderern umgeht. Ziemlich gut, lobt die OECD. Und gibt gleichzeitig Entwarnung in Sachen Migration.

BerlinDie Industrieländerorganisation OECD gibt Entwarnung: Der Zenit bei der Zuwanderung ist wohl überschritten. Das gelte „sowohl mit Blick auf die Flüchtlinge, als auch beim Zuzug von Menschen aus anderen EU-Staaten“, sagte der OECD-Migrationsexperte Thomas Liebig bei der Vorstellung des Migrationsausblicks in Berlin.

In alle 35 OECD-Länder sind  2015 insgesamt 4,7 Millionen Menschen zugewandert – ein so hoher Wert wurde zuletzt 2007 erreicht. Die Schätzung für 2016 beträgt sogar fünf Millionen, genaue Zahlen gibt es noch nicht. In Deutschland gab es 2015 insgesamt 686.000 Zuwanderer. Doch knapp zwei Drittel davon waren solche aus anderen EU-Ländern, die kaum auffallen. Diese Gruppe der EU-Binnenwanderer, die zu uns kommen, hat sich in nur fünf Jahren von 134.000 auf 427.000 fast vervierfacht.

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Oder anders ausgedrückt: 2015/16 haben rund 1,2 Milllio0nen Menschen in Deutschland Asyl beantragt. Davon werden wohl rund 700.000 anerkannt werden, schätzt die OECD. Zum Vergleich: Allein zwischen 2012 und 2015 kamen rund 1,5 Millionen Zuwanderer aus der EU dauerhaft, also länger als ein Jahr, nach Deutschland. Studenten sind hier nicht einmal mitgezählt. Die Arbeitsmigranten, die aus Nicht-EU-Ländern nach Deutschland kommen, sind dagegen ein kleines Häuflein: Ihre Zahl betrug 2016 gerade mal 27.000.

Insgesamt habe sich Deutschland so in wenigen Jahren als Einwanderungsland etabliert – und sei neben Schweden „sogar zum Vorbild geworden“, so Liebig. Während früher stets Länder wie Skandinavien, Kanada oder Australien zur Orientierung dienten, verfolgten heute Industrienationen weltweit, wie Deutschland agiere.

So sei die Arbeitslosigkeit der Migranten in Deutschland stark gesunken – doppelt so stark wie bei den Einheimischen. Heute liege sie erstmals unter dem Niveau der Migranten in Kanada.  Weit voraus sei Deutschland anderen Ländern mittlerweile bei der Erfassung der Kompetenzen von Migranten. Allerdings passiere das bisher nur in regionalen  Modellprojekten _ aus diesem müssen nun schnell ein bundesweites, abgestimmtes Verfahren werden.   

Migration ist zwar ein nationales Politikfeld, man könne aber viel voneinander lernen, um erfolgreicher zu werden und negative Stimmungen gegen Migranten abzubauen, sagte auch OECD-Generalsekretär Angel Gurría in Paris. „Denn häufig werden die Vorteile von Migration für das aufnehmende Land unterschätzt.“

Die meisten deutschen Unternehmen, die bisher Flüchtlinge angestellt haben, haben gute Erfahrungen gemacht, berichtete Liebig von einer gemeinsamen Untersuchung mit dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag. Und wer mit einer Person zufrieden war, die zunächst oft nur aus humanitären Gründen im Betrieb aufgenommen wurde, stelle in der Folge oft mehrere ein. Es könne auch gut sein, dass die Flüchtlinge langsam aber sicher EU-Ausländer ersetzen: „Wenn etwa der Bäcker im Viertel meint, er klönen es statt mit einem Spanier auch mal mit einem Syrer versuchen.“ Letztere stellten schon jetzt ein Fünftel der Arbeitssuchenden.

Nachholbedarf sieht die OECD vor allem bei der Integration der Familien. Während etwa Kanada immer die gesamte Familie als Arbeitsmigranten einstufe, gelte das in Deutschland oft nur für den ersten Antragsteller, also meist die Männer. Entsprechend kämen auch vorrangig sie in den Genuss von Integrationskursen. Wenn aber Angehörige, vor allem Frauen, erst nach mehreren Jahren Sprach- und andere Kurse besuchten, sei die Chance auf eine erfolgreiche Integration bedeutend geringer.

Zu mehr Lässigkeit rät die OECD beim Thema Zuwanderungsgesetz, das aktuell im deutschen Wahlkampf diskutiert wird. Erfahrene Einwanderungsländer wie Kanada „ändern ihre Regeln – je nach Entwicklung - häufig und drehen an verschiedenen Schrauben“, berichtete Liebig. Das sei auch nicht schädlich sondern oft sogar besser, als viele Jahre über ein ausgeklügeltes Modell zu debattieren, dass dann doch nicht dauerhaft passe.    

Quelle:  Handelsblatt Online
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