Ökonom Bofinger: "Banken beteiligen sich null Prozent an der Griechen-Rettung"

Ökonom Bofinger: "Banken beteiligen sich null Prozent an der Griechen-Rettung"

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Peter Bofinger kritisiert die Gipfel-Beschlüsse

Die Banken sind die Sieger des Euro-Sondergipfels. So interpretiert der Wirtschaftsweie Peter Bofinger den Gipfel-Beschluss. „Mein Eindruck ist: Die Banken steuern null Prozent zur Rettung bei“, so der 56-Jährige gegenüber wiwo.de.

Herr Bofinger, viele führende Ökonomen haben einen harten Schuldenschnitt gefordert, Sie selbst haben eine Entschuldung Griechenlands um 50 Prozent angeregt. Jetzt sind es gut 20 Prozent geworden, die der private Sektor schultert. Wieso wurde erneut nicht auf Sie gehört?

Peter Bofinger: Ich wäre heute schon froh, wenn sich die privaten Gläubiger mit einem Schuldenschnitt von rund 20 Prozent an der Rettung Griechenlands beteiligt hätten. Mein Eindruck ist: Die Banken und Versicherungen steuern null Prozent bei. Sie sind der Sieger der Gipfel-Verhandlungen.

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Das Bundesfinanzministerium rechnet vor, der private Sektor würde bis 2014 bis zu 50 Milliarden Euro beisteuern.

Es trifft zu, dass der private Sektor bereit ist, Anleihen in Höhe von 54 Mrd. Euro, die Ende 2014 fällig werden, in längerfristige Anleihen umzutauschen –  entweder zum gleichen Nennwert mit einer Verzinsung von rund 4,5 % oder zu einem Nennwert von 80 %, dann aber mit einer Verzinsung von 5,9 (15 Jahre Laufzeit) oder 6,42 Prozent (30 Jahre). Allerdings kommt es insgesamt nur zu einer Reduktion des griechischen Schuldenstands um 13,5 Milliarden Euro. Das ergibt sich aus der Annahme, dass von den insgesamt 135 Milliarden die der private Sektor verlängert, für die Hälfte die Option eines Nennwerts von 80 gewählt wird.  

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann sagt, die Einigung würde die Institute „hart treffen“.

Faktisch tauschen die Banken alte griechische Anleihen gegen neue griechische Anleihen, die zwar eine längere Laufzeit aufweisen, aber in etwa die gleiche Rendite bieten wie die alten Anleihen. Zudem bekommen sie dazu noch eine Versicherung für den Rückzahlungsbetrag am Ende der Laufzeit, die vom europäischen Rettungsschirm EFSF abgesichert wird. Die Bankenlobby war beim Gipfel bestens vertreten. Sie haben ihre Interessen sehr gut durchgesetzt, so sehe ich das.

Die Banken hatten schon im Vorfeld eine Bankensteuer verhindert.

Richtig. Der Widerstand war groß gegen die Sonderabgabe, vereinzelt wurden Klagen angedroht. Wobei ich dieses Instrument auch kritisch sehe. Die Bankensteuer wäre mehr ein symbolischer Akt gewesen. Unser Modell eines umfassenden Schuldenschnittes hätte den privaten Sektor deutlich mehr in die Verantwortung genommen.

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