Ökonom Mao Yushi: "Das passt nicht zusammen"

Ökonom Mao Yushi: "Das passt nicht zusammen"

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Wohnungen in Peking. Die Immoblienpreise steigen immer weiter

von Matthias Kamp

Der Ökonom Mao Yushi hält einen Crash der Immobilienpreise für unausweichlich. Doch Chinas wahre Probleme seien politischer Natur.

Professor Mao, Chinas Wirtschaft steht unter Volldampf, die Immobilienpreise steigen immer weiter. Kommt es demnächst zu einem Crash?

Mao: Niemand kann genau sagen, wann, aber der Crash wird kommen. Das Gefährlichste für die chinesische Wirtschaft ist zurzeit der Preisanstieg bei Häusern und Wohnungen.

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Die Regierung versucht, den Markt abzukühlen. Wirkt das nicht?

Mao: Es ist zu viel Liquidität im Umlauf. Die Leute wissen nicht, wohin mit dem Geld, und kaufen Immobilien. Deshalb muss die Regierung den Finanzmarkt öffnen und den Menschen Möglichkeiten bieten, im In- und Ausland anderweitig zu investieren.

Zuletzt lag die Inflation bei 4,9 Prozent. Werden es bald weniger?

Mao: Auf absehbare Zeit nicht. Die -Zinsen für Einlagen mit Laufzeiten von einem Jahr liegen bei etwa drei Prozent, der Anstieg der Verbraucherpreise lag zuletzt bei mehr als vier Prozent. Dazu kommt der hohe Ölpreis, der unter anderem zu höheren Lebensmittelpreisen führt. Die Inflationsrate wird bald wieder bei fünf bis sechs Prozent liegen. Die Zentralbank muss darum die Zinsen weiter anheben. Außerdem muss die Regierung den Yuan stärker aufwerten lassen.

Weniger Exporte, mehr privater Konsum lautet der neue Kurs der Regierung. Gelingt das?

Mao: Nicht besonders. Sehen Sie sich doch mal die neuen Bestimmungen für Peking an. Die Möglichkeit, eine Wohnung zu kaufen, haben die Behörden drastisch eingeschränkt. Wer ein Auto zulassen will, muss an einer Verlosung teilnehmen. Das passt alles nicht zusammen.

Der Nationale Volkskongress wird in diesen Tagen den neuen Fünfjahresplan verabschieden. Was ist die größte Herausforderung?

Mao: Chinas größte Probleme liegen doch gar nicht in der Wirtschaft. China hat Probleme in der Politik. Bei vernünftigen politischen Rahmenbedingungen würde Chinas Wirtschaft auch gesund wachsen. Die Entwicklungen in Nordafrika halten China den Spiegel vor: Unsere Regierung missachtet die Menschenrechte.

Sind Demonstrationen und Unruhen wie in Nordafrika in China denkbar?

Mao: Früher oder später, ja. Wer in China ins Internet schaut, sieht, wie groß die Konflikte zwischen der Regierung und dem Volk sind. Als ich zur Verleihung des Friedensnobelpreises an Liu Xiaobo im Dezember nach Singapur reisen wollte, hat die Polizei mich festgehalten. Dafür gab es keinen Grund.

Was schlagen Sie vor?

Mao: Pressefreiheit wäre einer der wichtigsten Schritte, und wir brauchen unabhängige Gerichte. Dann müsste sich China Schritt für Schritt auf allgemeine Wahlen zubewegen. Das ist aber ein langer Prozess.

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