Ökonomen-Konferenz: Streit um Währungen

Ökonomen-Konferenz: Streit um Währungen

von Malte Fischer

Auf der Jahrestagung der American Economic Association streiten  führende Ökonomen über die Zukunft des Weltwährungssystems und den geldpolitischen Kurs der Notenbanken. Eine Reform halten viele für nötig - doch kommen wird sie nicht, sind sich alle einig.

Eigentlich ist das Jahrestreffen der American Economic Association als  intensiver Gedankenaustausch unter Wissenschaftlern  in ruhiger Atmosphäre gedacht. Doch diesmal machte die Occupy-Wall-Street-Bewegung den Vertretern der Ökonomenzunft, die sich am vergangenen Wochenende zu ihrer viertägigen Tagung in Chicago traf, einen Strich durch die Rechnung. 

Lautstark protestierten die Occupy-Anhänger vor dem Tagungshotel gegen die vermutete Verquickung der Wissenschaftler mit den Wall-Street-Bankern, deren Treiben sie in den Augen der Demonstranten mit ihren Modellen stützten. Dass die Wissenschaftler in ihren Konferenzräumen fernab vom Lärm der Occupy-Bewegung dann aber durchaus kritisch mit der Politik von Banken und Notenbanken ins Gericht gingen, scherte die Demonstranten draußen wenig. 

Anzeige

Tatsächlich stand das weltweit wichtigste Treffen in der Ökonomenzunft   – wie bereits im Vorjahr –  ganz im Zeichen der Banken- und Schuldenkrise, die Amerika und Europa weiterhin in Atem hält.

Akuter Reformbedarf im Weltwährungssystem

Die jüngste Eskalation der Euro-Krise hat unter den Ökonomen die Überzeugung reifen lassen, dass das globale Währungssystem reformiert werden muss. Das allerdings dürfte leichter gesagt sein als getan. Barry Eichengreen, Wirtschaftshistoriker  von der Universität Berkeley, machte  deutlich, dass das globale Währungssystem unter dem gleichen Problem wie die Euro-Zone leidet: Dem Mangel an Anpassungsmöglichkeiten durch freie Wechselkurse. 

Viele Länder in Asien und Lateinamerika haben ihre Währungen an den US-Dollar gebunden – und sich dadurch wie die Euroländer der Möglichkeit beraubt, Ungleichgewichte in den Handelsbilanzen durch Wechselkursanpassungen zu entschärfen. Nach Ansicht von Eichengreen ist die Lösung der Euro-Krise daher die Voraussetzung dafür, dass auch die globalen Währungsprobleme gelöst werden.  Für die Währungsunion sieht der Berkeley-Ökonom nur noch die Alternative, entweder die Integration intensiv voran zu treiben oder zu nationalen Währungen zurück zu kehren. Die Zeit des Durchwurstelns sei vorbei. 

Scharfe Kritik an der super-expansiven Geldpolitik der Notenbanken in den führenden Industrieländern übte der Währungsexperte Ronald McKinnon von der Stanford Universität. Bis zum Sommer  des vergangenen Jahres, so McKinnon, hätten vor allem die US-Notenbank Fed und die Bank von Japan Spekulanten gerade zu eingeladen,  sich Billigkredite zum Nullzins zu besorgen und das Geld dann in Schwellenländern anzulegen, wo ihnen deutlich höhere Zinsen geboten wurden. Devisenmarktprofis nennen solche Spekulationsgeschäfte "Carry Trades".

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%