
Larry Lang hatte umfangreiche Vorsichtsmaßnahmen getroffen. Bevor der renommierte Finanzprofessor kürzlich seine Vorlesung vor Studenten im nordchinesischen Shenyang begann, untersagte er Video- und Audioaufnahmen im Hörsaal. Auch Journalisten ließ Lang, der an der University of Hongkong lehrt, bei seinem Vortrag nicht zu. Keines seiner Worte sollte nach außen dringen.
Dann legte Lang los. China stecke in einer tiefen Wirtschaftskrise, das Land stehe praktisch vor der Pleite. Jede der 31 Provinzen sei ein Griechenland, erklärte der Finanzexperte den verblüfften Nachwuchsakademikern.
Lang, ein gefragter Berater und Talkshowgast, rechnete vor: Die Schulden der Regierung und Staatsunternehmen beliefen sich auf zusammen 5,68 Billionen Dollar. Das entspricht rund 90 Prozent der Wirtschaftsleistung – deutlich mehr als die von der Regierung ausgegebenen 20 bis 30 Prozent.
Überkapazitäten und wegbrechende Exporte
Damit läge die öffentliche Verschuldung Chinas über der des Krisenlandes Spanien. Auch die Zahlen zur Inflation seien geschönt, sagte Lang. Statt bei unter 5 Prozent liege die Teuerung bei 16 Prozent.
Doch damit nicht genug. Die Industrie kämpfe mit Überkapazitäten, warnte Lang. Diese machten sich besonders jetzt bemerkbar, da die Nachfrage aus dem krisengeschüttelten Europa wegbreche. Der private Konsum, so der Finanzprofessor, sei viel zu schwach, um die Einbußen im Export aufzufangen.
Bild: dpaChinas Führung bekommt die Inflation nicht in den Griff. Im Juni stiegen die Verbraucherpreise im Vergleich zum Vorjahr um elf Prozent.
Einzelne Güter verteuerten sich um über 50 Prozent, so etwa Schweinefleisch. Im Juli 2010 zahlten die Chinesen für 500 Gramm Schweineschnitzel 7,95 Yuan. Umgerechnet: 0,87 Euro. Innerhalb eines Jahres stieg der Preis um 50,3 Prozent auf 11,95 Yuan. Sprich: Aktuell müssen Chinesen für 500 Gramm Schweinefleisch 1,31 Euro zahlen. In Deutschland…
Texte: Matthias Kamp/ Tim Rahmann
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Bild: dpa…müssen aktuell rund 4,59 Euro für die Schnitzel gleichen Gewichtes auf den Tisch gelegt werden. Im Juli 2010 waren es noch 4,39 Euro. In den vergangenen zwölf Monaten wurden Schweineschnitzel damit um 4,4 Prozent teurer. Hätten wir chinesische Verhältnisse, sprich eine Inflationsrate von 50,3 Prozent bei Schweinefleisch, würden 500 Gramm Schweineschnitzel aktuell satte 6,60 Euro kosten.
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Bild: dpaAuch Sprit ist in den vergangenen zwölf Monaten in China und in Deutschland deutlich teurer geworden. Innerhalb eines Jahres stieg der Preis für einen Liter Normalbenzin in dem asiatischen Land um 16,5 Prozent. Von 6,74 Yuan (0,74 Euro) auf 7,85 Yuan (0,86 Euro). Zwischen Hamburg und München…
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Bild: dpa…kostete ein Liter Super im Juli 2010 im Durchschnitt 1,41 Euro. Heute sind es 1,57 Euro. Der Preis stieg damit um 11,3 Prozent, rund fünf Prozent weniger als in China. Hätte Deutschland eine ähnliche Inflationsrate wie das Riesenreich würde der Liter Super aktuell weit über 1,60 Euro liegen, nämlich bei 1,64 Euro.
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Bild: rtrNeben Schweinefleisch sind auch andere Lebensmittel im Riesenreich deutlich im Preis gestiegen. So verlangten die Einzelhändler für 500 Gramm Reis im Juli 2010 2,04 Yuan, gerade einmal 0,22 Euro. Aktuell ist der Preis auf 2,30 Yuan (0,25 Euro) gestiegen. Das ist eine Preissteigerung von 12,7 Prozent. In Deutschland ist Reis deutlich teurer. Foto: rtr
Bild: dapd500 Gramm Reis kosten in den heimischen Supermärkten im Durchschnitt 1,25 Euro. Vor einem Jahr waren für die gleiche Menge noch 1,21 Euro fällig. Damit stieg der Preis in den vergangenen zwölf Monaten um 3,1 Prozent. Eine Inflationsrate von 12,7 Prozent, wie sie in China zu beklagen ist, würde den Reis-Preis bei uns auf 1,36 Euro steigen lassen. Dramatischer wäre es, wenn die Mieten…
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Bild: rtr… in Deutschland ähnlich stark steigen würden wie in China. Für eine 60-Quadratmeter große Wohnung in der Innenstadt von Peking müssen Chinesen heute 3800 Yuan zahlen. Das sind umgerechnet rund 417 Euro. Vor einem Jahr lag der Preis noch bei 3000 Yuan oder 328 Euro. Mieten sind innerhalb eines Jahres um 26,7 Prozent gestiegen. In der Rheinmetropole Düsseldorf… Foto: rtr
Bild: AP…stiegen die Mietpreise im Durchschnitt im gleichen Zeitraum nur um 1,2 Prozent. Für eine Innenstadtwohnung mit 60 Quadratmetern mussten 2010 im Durchschnitt 503 Euro gezahlt werden. Heute liegt der Durchschnittspreis bei 509 Euro. Gäbe es in Düsseldorf chinesische Verhältnisse, würde der Mietpreis bei 637,30 Euro liegen. Das wären pro Monat satte 128,30 Euro mehr.
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Bild: dpaLetztes Beispiel: Für zehn Eier müssen Verbraucher in China heute im Durchschnitt 4,29 Yuan (0,47 Euro) zahlen. Vor einem Jahr lag der Durchschnittspreis noch bei 41 Cent oder 3,76 Yuan. Die Inflation trieb den Preis um 14,1 Prozent in die Höhe. In Deutschland…
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Bild: dpa…kosten zehn Eier aktuell im Durchschnitt 1,60 Euro. Zwölf Monate zuvor waren es drei Prozent weniger, 1,55 Euro kosteten im Juli 2010 zehn Eier. Bei einer Inflationsrate von 14,1 Prozent würde ein Karton Eier im Durchschnitt heute 1,77 Euro kosten.
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Chinas Führung bekommt die Inflation nicht in den Griff. Im Juni stiegen die Verbraucherpreise im Vergleich zum Vorjahr um elf Prozent.
Einzelne Güter verteuerten sich um über 50 Prozent, so etwa Schweinefleisch. Im Juli 2010 zahlten die Chinesen für 500 Gramm Schweineschnitzel 7,95 Yuan. Umgerechnet: 0,87 Euro. Innerhalb eines Jahres stieg der Preis um 50,3 Prozent auf 11,95 Yuan. Sprich: Aktuell müssen Chinesen für 500 Gramm Schweinefleisch 1,31 Euro zahlen. In Deutschland…
Texte: Matthias Kamp/ Tim Rahmann
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Chinas offiziell verkündete Wachstumsrate von neun Prozent beruhe in Wahrheit zu rund zwei Dritteln auf der gigantischen Immobilienblase.
Lang ist die jüngste Stimme in einem Chor, der immer dringlicher vor einer ernsten Krise im Land der scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten warnt. „China befindet sich auf dem Weg in die Hölle“, erklärte Hedgefondsmanager James Chanos schon vor einem Jahr mit Blick auf die immer neuen, oft staatlich verordneten Investitionen in Luxuswohnungen, Einkaufszentren und Flughäfen.
Victor Shih, Chinaexperte und Ökonom an der Northwestern University Illinois, beobachtet seit einiger Zeit eine wachsende Kapitalflucht. Tatsächlich brachte eine aktuelle Umfrage unter 1000 chinesischen Dollar-Millionären ein bedrückendes Ergebnis: Mehr als die Hälfte der Reichen bereite derzeit den Umzug ins Ausland vor.
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