Ökonomie: Nobelpreisträgerin Ostrom fordert Sanktionen in der Finanzwirtschaft

Ökonomie: Nobelpreisträgerin Ostrom fordert Sanktionen in der Finanzwirtschaft

Elinor Ostrom, die gerade als erste Frau den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften erhalten hat, hält „unbürokratische Kontrolle“ bei „zu großen Unternehmen“ für „unverzichtbar“.

In der Finanzwirtschaft, so Ostrom gegenüber der WirtschaftsWoche, müssten „bessere Kontrollsysteme gefunden werden, die zudem sicherstellen, dass Sanktionen greifen, wenn jemand ein Versprechen oder eine Verpflichtung nicht erfüllt.“ Die Forderung nach einem freien Markt ist laut Ostrom kein „Allheilmittel“: „Beim Austausch privater Güter auf Märkten mit guter Information und fairen Verhandlungen liefert der freie Markt wunderbare Ergebnisse. Aber der Finanzmarkt ist kein Gemüsemarkt. Wir sollten nicht die naive Vorstellung haben, da gibt es immer eine Angebots- und eine Nachfragekurve, und das wird immer funktionieren.“ Für die Forschung in der Ökonomie fordert Ostrom: „Wir müssen interdisziplinäre Grenzen überschreiten, Brücken bauen, andere Fachrichtungen respektieren. Für die Ökonomie ist vor allem ein besseres Verständnis der wichtiger werdenden Verhaltensforschung nötig.“

Mit Blick auf den anstehenden Klimagipfel in Kopenhagen im Dezember sagte Ostrom, die an der Indiana Universität in Bloomington Politikwissenschaften lehrt, die Verhandlungsposition von US-Präsident Barack Obama sei schwierig: „Aber beim Ausstoß der Emissionen holen insbesondere Indien und China kräftig auf, und auch die Europäer hatten ihren Anteil. Jetzt müssen erstmal alle Beteiligten Emissionen kürzen, dann müssen wir in einem zweiten Schritt zu Vereinbarungen gelangen, dass nicht alles von westlichen Ländern allein bewältigt werden kann. Wenn wir aber nicht ernsthaft mitmachen, werden auch Länder wie China und Indien keinen Grund dafür sehen, sich einzuschränken. Es geht also auch hier um gegenseitiges Vertrauen.“ Über den hohen Benzinpreis im vergangenen Jahr sei sie „wirklich sehr glücklich“ gewesen, betont Ostrom im WirtschaftsWoche-Interview. Dennoch sage sie nicht, dass Besteuerung der einzige Weg sei, „es ist wahrscheinlich nicht einmal der beste“: Stattdessen schlägt Ostrom vor, „dort zu investieren, wo ihr den Leuten helfen können, ihr Verhalten entsprechend zu ändern“ – zum Beispiel in Radwege. Ostrom ist zuversichtlich, dass es zu einer Einigung in Kopenhagen kommen wird: „ Die Chance ist da. Es gibt sogar eine signifikante Wahrscheinlichkeit, dass es eine Vereinbarung gibt. Ich drücke alle Daumen dafür.“

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