Ölpreis: Saudis fallen als Krisen-Puffer aus

Ölpreis: Saudis fallen als Krisen-Puffer aus

, aktualisiert 10. Juni 2015, 12:22 Uhr
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Ölpumpen sind auf einem Ölfeld in den USA zu sehen.

von Frank Doll

Die Opec lässt der Ölhahn bis zum Anschlag geöffnet und in den USA hat die Produktion noch nicht auf die tieferen Ölpreise reagiert. Trotz des weltweiten Überangebots aber hat sich der Ölpreis nach seinem Absturz im Januar kräftig erholt. ein neuer Aufwärtstrend ist gar wahrscheinlich. Die Suche nach Gründen.

Auf ihren jüngsten Treffen am vergangenen Freitag in Wien beließ die Opec ihr offizielles Produktionsziel bei 30 Millionen Barrel pro Tag. Das war erwartet worden. Tatsächlich produziert die Kartellmitglieder ohnehin deutlich über diesem Zielwert. Nach einer Umfrage des Börsendienstes Bloomberg sei die Opec-Produktion im Mai gar um 0,67 auf 31,58 Millionen Barrel pro Tag gestiegen. Das wären fast 2,4 Millionen Barrel über dem Bedarf an Opec-Öl. Diesen beziffert die Internationale Energieagentur (IEA) mit 29,2 Millionen Barrel.

Saudi-Arabien, das Marktanteile gewinnen will, produziert nahezu am Anschlag, zuletzt 10,3 Millionen Barrel pro Tag. Der Preisverfall 2014 hat zwar in den USA für einen starken Rückgang der aktiven Ölbohrtürme gesorgt, doch reagiert hat die US-Ölproduktion noch nicht entsprechend. Sie ist zuletzt gar weiter gestiegen. Trotzdem hat sich der Ölpreis kräftig erholt von seinem Tiefstand im Januar.

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Denkbar, dass der Ölmarkt bereits einen stärkeren Rückgang des Überangebots vorweggenommen hat. Die globale Ölindustrie will ihre Kapitalinvestitionen 2015 immerhin um 100 Milliarden Dollar auf 600 Milliarden Dollar kürzen. Auch dürfte China die tieferen Preise zum Auffüllen seiner strategischen Reserven nutzen. Im Reich der Mitte gehen von Juni an neue Speicher mit einer Kapazität von 150 Millionen Barrel in Betrieb.

Vielleicht ist es aber auch die Sorge, dass die Saudis in einer Krise als ausgleichender Produzent (Swing Producer) jetzt ausfallen – ihr Hahn ist ja voll aufgedreht. Zumal Saudi-Arabien im März erstmals als Kriegspartei im Mittleren Osten in Erscheinung getreten ist, als der damals erst seit zwei Monate amtierende saudische König Salman Kampfjets aufsteigen ließ, die im Jemen Stellungen schiitischer Huthi-Milizen bombardierten. Die Luftangriffe damals sorgten für einen Sprung beim Ölpreis. Brent-Öl verteuerte sich binnen Stunden um gut acht Prozent.

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Noch geht der Welt das Öl nicht aus. Nur muss es auch dort ankommen, wo es verbraucht wird. Damit Öl vom Persischen Golf die Weltmärkte erreicht, muss es per Tanker durch Meerengen transportiert werden. So gehen gut 35 Prozent der rund 48 Millionen Barrel, die pro Tag auf den Weltmeeren bewegt werden, durch die Straße von Hormuz, die den Persischen Golf mit dem Indischen Ozean verbindet. Nach China oder Japan gelangt das meiste Öl durch die Straße von Malakka, insgesamt gut 15 Millionen Barrel pro Tag.

Der Jemen ist kein bedeutendes Ölförderland, aber seine geografische Lage ist ebenfalls sensibel. Die 26 Kilometer breite Meerenge Bab el-Mandeb ("Tor der Tränen") verbindet das Rote Meer mit dem Golf von Aden. Dieses Nadelöhr passieren täglich rund 3,8 Millionen Barrel Rohöl, die dann weiter per Tankschiff durch den Suezkanal oder via Sumed-Pipeline zur ägyptischen Hafenstadt Alexandria das Mittelmeer erreichen.

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