Österreich wählt Bundespräsidenten: Prominente wollen Rechten verhindern

Österreich wählt Bundespräsidenten: Prominente wollen Rechten verhindern

, aktualisiert 20. Mai 2016, 13:44 Uhr
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Nahezu alle bekannten Gesichter aus Theater, Fernsehen und Literatur wollen am Sonntag gegen den polarisierenden FPÖ-Politiker Norbert Hofer stimmen.

Quelle:Handelsblatt Online

Kaum eine Präsidentschaftswahl hat in Österreich so polarisiert: Ein ehemaliger Grünen-Chef tritt gegen einen Kandidaten der FPÖ an. Aus Sorge vor einem Rechtsruck ist für viele Promis die Wahl klar.

WienAm Sonntag wählen die Österreicher ihren neuen Bundespräsidenten. Es wird eine richtungsentscheidende Wahl: Erstmals duellieren sich am 22. Mai ein ehemaliger Grünen-Chef und ein Kandidat der rechten FPÖ. Die Entscheidung lässt Österreichs Promis nicht kalt. Die Lagerbildung ist eindeutig: Praktisch alle bekannten Gesichter aus Theater, Fernsehen und Literatur stehen hinter dem links-liberalen Wirtschaftsprofessor Alexander Van der Bellen.

Die Schauspielerinnen Ursula Strauss, Maresa Hörbiger und ihre Schwester Elisabeth Orth sowie „Der Bergdoktor“ Hans Sigl und „Tatort“-Kommissare Harald Krassnitzer und Adele Neuhauser treten für ihn ein. Südtirols Extrembergsteiger Reinhold Messner und der künftige Intendant der Salzburger Festspiele, Markus Hinterhäuser, wählen ebenfalls den gebürtigen Wiener. Praktisch die gesamte Kabarettisten-Szene des Landes will ebenfalls ein Kreuz bei „VdB“ setzen - von Josef Hader bis Michael Niavarani.

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Im ersten Wahlgang gewann der rechte FPÖ-Kandidat Norbert Hofer mit großem Vorsprung. 35,1 Prozent aller Stimmen konnte er für sich gewinnen. Hofer gilt als das „freundliche Gesicht“ der umstrittenen Partei, die in allen Umfragen auf Platz eins liegt. Hofer ist aber maßgeblich für das als fremdenfeindlich geltende Programm der FPÖ zuständig. Van der Bellen wurde von 21,3 Prozent der Wähler unterstützt. Der gebürtige Wiener punktet vor allem mit seinem ruhigen und sachlichen Auftreten. Inhaltlich vertritt er in den meisten Punkten das genaue Gegenteil seines Kontrahenten.

Hart getroffen von dem Ergebnis der ersten Runde zeigte sich der Münchner Schauspieler Elyas M'Barek: „Hab nen österreichischen Pass zu verschenken. Will den nicht mehr“, schrieb der Sohn einer Österreicherin und eines Tunesiers auf Twitter. Der Intendant des Münchner Residenztheaters, Martin Ku?ej, erklärte zum Erfolg der Rechtspopulisten in seiner Heimat: „Ich finde das alles höchst irritierend, was da passiert.“ Wenn die Entwicklung so weitergehe, dann „Gnade uns Gott“.

Kinderbuchautorin Christine Nöstlinger will den Kandidaten der einwanderungskritischen FPÖ samt seinem „irren Amtsverständnis“ verhindern. Oscar-Preisträger Christoph Waltz sagte: „Österreich kann es sich nicht leisten, nur nach innen zu schauen.“ Der Künstler André Heller sieht schwierige Zeiten für Politik und Gesellschaft auf Österreich zukommen: „Daher muss zumindest an der Spitze des Staates eine unopportunistische, unmanipulierbare, welterfahrene Ausnahmepersönlichkeit stehen.“

An der öffentlichen Ablehnung vieler Promis und Intellektueller scheint Hofer sich nicht zu stören: „Van der Bellen hat die Hautevolee und ich die Menschen“, warf Hofer seinem Kontrahenten bei einer TV-Diskussion vor. Er wolle ein Ansprechpartner für die einfachen, hart arbeitenden Menschen sein, nicht für die High Society.

Zu den prominenten Unterstützern Hofers gehört Stratosphären-Springer Felix Baumgartner: Nur Hofer sei in der Lage, die Alpenrepublik im Ausland gut zu vertreten. „Wir sollten einem jüngeren Kandidaten eine Chance geben. Einem, der politisch nicht ausgebrannt ist“, so Baumgartner bei Facebook.

Auch Cathy Lugner setzt nach dem Misserfolg ihres Mannes Richard „Mörtel“ Lugner auf Hofer. „Mir kommt das Mittagessen hoch, wenn ich den VdB höre“, schrieb sie bei Facebook. Für Bauunternehmer Lugner hatten bei seinem zweiten Versuch, Bundespräsident zu werden, nur 2,3 Prozent votiert.

Der österreichische Autor Thomas Glavinic („Das größere Wunder“) ist einer der wenigen Intellektuellen des Landes, der die FPÖ-Erfolge eher gelassen sieht. Wer im Fall eines Freiheitlichen in der Hofburg von der Notwendigkeit des Auswanderns spreche, liege nicht richtig. „Ich glaube, das ist eher Wichtigtuerei. Ich find's absurd“, sagte der 44-Jährige dem Sender ORF.

Wer die Wähler der FPÖ ständig als „Ewig-Gestrige“ und „Nazis“ beschimpfe, treibe sie nur immer weiter in die Arme der Rechten. Egal, wer Bundespräsident werde, er werde dem Kontinent nicht so schaden können wie der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan, meint Glavinic. „Der ist wirklich ein Problem.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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