Olympische Spiele : Auch Köhler fährt nicht zur Eröffnungsfeier

Olympische Spiele : Auch Köhler fährt nicht zur Eröffnungsfeier

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** ARCHIV ** Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundespraesident Horst Koehler winken am 9. Juni 2006 im Stadion in Muenchen. Die Bundesregierung bleibt der Eroeffnungsfeier der Olympischen Spiele in Peking fern, und auch Bundespraesident Horst Koehler wird nicht zu dem Sportereignis nach China reisen. Einen Boykott der Spiele lehnen die EU-Staaten trotz anhaltender Gewalt in Tibet weiterhin ab. "Ein Nein zu Olympia, um sich das Gewissen zu erleichtern, ist weder eine Hilfe fuer die Menschen in China noch eine Hilfe für die Sportverbaende", sagte Bundesaussenminister Frank-Walter Steinmeier am Freitag, 28. Maerz 2008. (AP Photo/Anja Niedringhaus) --- ** FILE ** German Chancellor Angela Merkel, left, and German President Horst Koehler wave as they take part in the opening ceremony prior to t

Auch Bundespräsident Horst Köhler wird nicht zur Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele nach Peking reisen. Zuvor hatten dies auch Kanzlerin Angela Merkel und Außenminister Frank-Walter Steinmeier mitgeteilt. Der Dalei Lama warf der chinesischen Regierung unterdessen vor, ein einseitiges und falsches Bild von den Unruhen in Tibet veröffentlicht zu haben.

Die Pekinger Führung rief der Dalai Lama zu umsichtigen Handeln auf und betonte erneut, er strebe keine Unabhängigkeit Tibets an. Peking organisierte für Freitag und Samstag eine Reise ausländischer Diplomaten nach Lhasa und rückte nicht von seiner Darstellung ab, die Unruhen am 14. März seien von Separatisten und Anhängern des Dalai Lamas geplant und durchgeführt worden. Eine Diskussion über die Ursachen der Spannungen mit der tibetischen Bevölkerung lehnt die Regierung weiterhin ab. Nach amtlicher Darstellung wurden bei den Unruhen 22 Menschen, nach Informationen der tibetischen Exilregierung in Indien fast 140 getötet.

„Ein Nein zu Olympia, um sich das Gewissen zu erleichtern, ist weder eine Hilfe für die Menschen in China noch eine Hilfe für die Sportverbände“, sagte Steinmeier heute vor Beratungen der EU-Außenminister in Slowenien. „Ich halte dieses für keinen geeigneten Zeitpunkt, um über Olympia-Boykott zu sprechen.“

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Zu Forderungen nach einem Fernbleiben ranghoher Politiker bei der Eröffnungsfeier der Spiele erklärte Steinmeier, weder Bundeskanzlerin Angela Merkel noch Sportminister Wolfgang Schäuble noch er selbst planten eine Teilnahme. „Insofern gibt es auch nichts abzusagen“, sagte der Bundesaußenminister. Schäuble will sich aber rund zehn Tage nach der Eröffnungsfeier Wettkämpfe in Peking anschauen, wie der stellvertretenden Regierungssprecher Thomas Steg in Berlin erklärte.

Steinmeier appellierte an die internationale Gemeinschaft, abzuwarten, „wie die chinesische Regierung in den nächsten Wochen und Monaten die Lage weiter bearbeitet“. Die Austragung der Olympischen Spiele in Peking sei auch eine Chance: „Sportereignisse dieser Art wollen wir in die Welt hinaustragen, um diese Länder durchaus auch in das Zentrum unseres Interesses zu rücken“, sagte der Bundesaußenminister.

Boykott wäre „Streichholz im Pulverfass“

Europäische Wirtschaftsvertreter warnen indes: Ein Boykott der Olympischen Spiele oder der Eröffnungsfeier könnte auf ganzer Linie nach hinten losgehen, für die Menschen in Tibet und viele Unternehmen weltweit. „Das würde den Tibetern nicht helfen, sondern die Situation nur verschärfen“, warnte ein führender europäischer Industrievertreter in Peking, der namentlich nicht genannt werden wollte. „Die Chinesen würden nur sagen, jetzt haben uns die Tibeter auch noch die Spiele kaputt gemacht!“

Auch dürfte sich jedes Land, das aus Protest gegen das chinesische Vorgehen in Tibet zu Boykottmaßnahmen aufruft, heftigen Ärger der Chinesen und „langanhaltende Probleme“ einhandeln. Als Reaktion müsse im Gegenzug sogar ein möglicher Boykott bekannter Waren des jeweiligen Landes durch chinesische Verbraucher in Kauf genommen werden. „Für die 1,3 Milliarden Chinesen wäre es überhaupt nicht nachvollziehbar, wenn die Olympischen Spiele politisiert werden.“ Durch die Zensur in China, die chinakritische Nachrichten sperrt und nur die Regierungslinie zulässt, seien die Chinesen „auf einem ganz anderen Informationsniveau als in einem freien Presseumfeld“. Auch freuten sie sich „wie die Kinder“ auf die ersten Olympischen Spiele in China. Einige politische Stimmen in Europa, die laut einen Boykott der Spiele oder ihrer Eröffnungsfeier forderten, täten dies häufig für ihre eigenen Wähler daheim, ahnten aber nicht, „dass sie dagegen in China mit einem Streichholz in ein Pulverfass laufen.“

Für Olympia-Sponsoren wie Volkswagen oder Adidas kommt ein Rückzug gar nicht infrage. „Es ist Aufgabe der Politik und Diplomatie, Lösungen auf politische Probleme zu finden“, sagte der Volkswagen-Sprecher in Peking, Kai Grüber, in einem ARD-Interview. „Die Olympischen Spiele als Symbol- und Sportveranstaltung, die für Frieden und Freundschaft zwischen den Völkern steht, sind eine gute Möglichkeit, den Dialog zwischen Ländern zu fördern.“ In diesem Sinne sehe der größte europäische Autobauer seine „Partnerschaft mit den Spielen“. Der Marktführer in China stellt für Olympia in Peking zum Beispiel die komplette Fahrzeugflotte. Da schon die Diskussion über einen Boykott der Eröffnungsfeier ein heißes Eisen ist, umgehen andere große Sponsoren die Frage lieber ganz.

Beim großen chinesischen Computerhersteller Lenovo sagte ein Mitarbeiter nur: „Ich denke, niemand in unserem Haus wird auf diese Frage eine Antwort geben.“ Die Sponsoren sind bereits stark unter Druck durch rund 150 exiltibetische Organisationen, die bedeutende Persönlichkeiten zu einem Boykott der Eröffnungsfeier am 8. August aufgerufen haben.

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