Olympische Spiele: Geschäfte im Zeichen der Ringe

Olympische Spiele: Geschäfte im Zeichen der Ringe

Großer Auftrieb in Peking: BASF-Chef Jürgen Hambrecht ist in die Olympiastadt gekommen. Ebenso der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Josef Ackermann. Daimler-Chef Dieter Zetsche hat sich ebenfalls ein paar Tage frei genommen, um bei den deutschen Athleten und Funktionären vorbeizuschauen. Pflichttermin ist die Sportveranstaltung für die Chefs der deutschen Olympiasponsoren Volkswagen und Adidas, Martin Winterkorn und Herbert Hainer.

Um das größte Sportfest der Geschichte angemessen zu feiern, haben sich die deutschen Konzerne einiges einfallen lassen. Volkswagen etwa, das sich sein Olympia-Engagement laut Insidern rund 100 Millionen Euro kosten lässt, hat auf dem Olympiagelände ein 2000 Quadratmeter großes sogenanntes Showcase errichtet: ein weißgetünchter, offener Ausstellungsraum, in dem die Wolfsburger ihre Fahrzeuge präsentieren. Darunter auch ist auch ein Prototyp des Modells „Space up E“, ein elektrogetriebener Kleinwagen, sowie ein Passat CC mit modernster Sicherheitstechnologie. Vier Millionen Besucher werden, erwartet VW, während des zweiwöchigen Sportereignisses in den Showroom kommen.

Volkswagen, mit einem Anteil von 19 Prozent Marktführer bei Pkw in China, erhofft sich von seinem Enagegement einen kräftigen Schub für das Geschäft im Reich der Mitte. Gut 900.000 Autos haben die Deutschen im vergangenen Jahr in China verkauft. „In diesem Jahr werden wir die Schallmauer von einer Million verkauften Pkw durchbrechen“, ruft Winterkorn den Gästen bei der Einweihung des Showrooms auf dem Olympiagelände zu. Die Eröffnungsfeier der Spiele hat bei Winterkorn einen tiefen Eindruck hinterlassen. „Wenn man die Begeisterung der Menschen sieht, wird klar, dass die olympische Idee lebt“, sagt er. „Die Spiele bieten auch die Chance, dass China gesellschaftlich Fortschritte macht.“

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Doch Volkswagen bekam den Zuschlag als Sponsor erst nach äußerst zähen Verhandlungen mit dem Organsiationskomitee der Spiele (Bocog). Die Pekinger Stadtregierung, die bei Bocog das Sagen hat, wollte unbedingt den südkoreanischen Konkurrenten Hyundai, der schon die Fußball WM 2006 gesponsert hatte, als Partner. Grund: Hyundai produziert seine Pkw in der Olympiastadt Peking, VW dagegen in Shanghai, Changchun und Chengdu. „Zeitweise sind wir fast wahnsinnig geworden“, erzählt ein chinesischer VW-Manager, der an den Verhandlungen der Sponsoringverträge mit den Organisatoren beteiligt war. „Wenn ich das vorher gewusst hätte, hätte ich den Job nicht angenommen.“

Doch die Probleme sind bei Winterkorn und seinen Managern vergessen. Die Spiele haben begonnen und nun wird gefeiert. Nicht weit von ihrem Showroom haben die Wolfsburger eine sogenannte Hospitality-Lounge aufgebaut. Bei Häppchen, Wein und Tsingtau-Bier diskutieren die Wolfsburger mit Hunderten geladenen Gästen deutsche Medaillenchancen und bilanzieren die Eröffnungsfeier, Einhelliges Urteil: „Großartig“. Chinas Technologieminister Wan Gang, der jahrelang bei Audi im Vorstand saß, ist gekommen. Auch den Schwimmer und mehrfachen Goldmedaillengewinner Michael Groß hat VW in ihre Lounge locken können. Für den musikalischen Rahmen sorgt Chinas Starpianist Lang Lang.

Vereinzelte Molltöne sind dagegen beim Olympia-Sponsor Adidas zu vernehmen. Denn einige Konkurrenten des deutschen Konzerns verstehen es geschickt, sich bei Olympia in Szene zu setzen, und das obwohl Adidas sich für viel Geld die Exklusivrechte als Sportausstatter gesichert hat. Erst bekamen Tausende Journalisten im Beijing International Media Center (BIMC), einem der beiden Olympia-Pressezentren, ihre Presseunterlagen in Kappa-Rucksäcken ausgehändigt, dazu ein Polo-Shirt mit großem Logo des Adidas-Konkurrenten. Dann mussten die Adidas-Manager mit ansehen, wie der chinesische Turner und mehrfache Goldmedaillengewinner Li Ning bei der Eröffnungsfeier das olympische Feuer entzündete. Li Ning ist Gründer des gleichnamigen Sportartikelherstellers, dem größten chinesischen Konkurrenten des Konzerns im Reich der Mitte. Seine Wirkung hat der Li-Ning-Auftritt im „Vogelnest“ nicht verfehlt. Nach der Eröffnungsfeier machte die Li-Ning-Aktie einen kräftigen Kurssprung.

Adidas versucht die Ereignisse herunterzuspielen. Das BIMC werde von der Stadt Peking, nicht vom olympischen Organisationskomitee Bocog betrieben, erklärt das Unternehmen. Da hätten die Bocog-Offiziellen keinen Einfluss. Schwer zu verstehen, denn der Bocog-Chef ist gleichzeitig Parteisekretär der Stadt Peking. Kappas Auftritt bei den Spielen durch die Hintertür wird offenbar von Bocog geduldet. Den Auftritt von Li Ning beim Entzünden des olympischen Feuers am Freitag nimmt Adidas zähneknirschend hin. „Li Ning ist einer der besten Athleten Chinas“, bemerkt eine Adidas-Vertreterin in Peking, „sein Auftritt hat uns ganz und gar nicht überrascht.“

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