Olympische Spiele in China : Sponsoren wollen von Boykott nichts wissen

Olympische Spiele in China : Sponsoren wollen von Boykott nichts wissen

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Olympia-Flotte von Volkswagen: in keinem anderen Land der Welt verkaufen die Wolfsburger mehr Autos als in China

Die Olympiasponsoren setzen große Hoffnungen in den chinesischen Markt. Von einem Boykott der Spiele in Peking wollen sie nichts wissen.

Zur exakten Summe schweigen die Olympiaorganisatoren. Doch Experten schätzen, dass bis heute deutlich mehr als eine Milliarde Dollar an Sponsorengeldern beim Organisationskomitee für die Olympischen Spiele in Peking (Bocog) eingegangen sind. „Bei diesen Spielen wird es wieder einen Sponsoren-Rekord geben“, prognostiziert Holger Preuss, Sportökonom an der Universität Mainz.

Ob internationale Sponsoren wie McDonald’s, Coca-Cola oder General Electric, die weltweit mit den Ringen werben dürfen oder nationale Partner wie Adidas und Volkswagen, die nur in China mit dem Olympia-Logo auftreten dürfen: Sie alle setzen auf das große Geschäft mit den fünf Ringen, gerade in dem mit 1,3 Milliarden Einwohnern größten Markt der Welt. Eine Politisierung der Olympischen Spiele oder gar ein Boykott ist für sie ein Albtraum. Denn so richtig macht sich die mit viel Geld erkaufte Werbebotschaft nur im Umfeld unbeschwerter und fröhlicher Wettkämpfe bezahlt – und die Hoffnung darauf hat mit der harschen Reaktion der chinesischen Regierung auf die Unruhen in Tibet und anderen Teilen des Landes einen starken Dämpfer erhalten.

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Setzen sich die negativen Nachrichten aus dem Reich der Mitte fort, könnte dies auch das Image der Unternehmen in Mitleidenschaft ziehen, die mit ihren Sponsorengeldern das Imageprojekt Olympische Spiele des autoritären kommunistischen Regimes unterstützen. Doch mehr noch fürchten die Unternehmen einen Boykott.

Ein solcher Schritt sei kontraproduktiv und man halte trotz allem am Engagement bei den Olympischen Spielen fest, heißt es bei Adidas. Als offizieller Sponsor der Olympischen Spiele hat sich der Sportartikelhersteller aus dem fränkischen Herzogenaurach mit dem Großereignis auf Gedeih und Verderb verbunden – und stecken damit im Dilemma: Geraten die Olympischen Spiele in Peking in den Ruch eines blutigen Spektakels könnte das weltweit sichtbar hässliche Flecken auf dem Image der Sportsfreunde hinterlassen. Das weiß auch Adidas-Vorstandschef Herbert Hainer.

Doch eine Alternative hat er nicht. Denn für Experten ist es eine Illusion zu glauben, ein Sportartikelhersteller könne Einfluss nehmen auf die Politik der kommunistischen Machthaber in Peking. Aber auf deren Wohlwollen ist Adidas in mehrfacher Hinsicht angewiesen: Gut die Hälfte der Sportschuhe, die Adidas weltweit verkauft, stammt aus einer der mehr als 250 chinesischen Fabriken. Adidas kann nicht einfach die Sachen packen und aus dem Land verschwinden.

Hinzu kommt, dass im weltweiten Rennen mit Nike um den ersten Rang unter der weltgrößten Sportkonzernen beide Unternehmen den chinesischen Markt zum Hoffnungsträger erklärt haben: Mehr als eine Milliarde Dollar Umsatz wollen sowohl Adidas als auch Nike bis 2010 im Reich der Mitte machen. Adidas eröffnet dazu in hohem Tempo ein Geschäft nach dem anderen, insgesamt sollen es gut 7000 werden; im Mai wollen die Franken in Peking ihren weltweit größten Sportladen eröffnen. Sich in dieser Situation mit den Machthabern anzulegen, würde die ehrgeizigen Wachstumspläne erheblich torpedieren.

So hat Adidas mehr als 100 Millionen Dollar lockergemacht. Mehrere Tausend Offizielle, Wettkampfrichter und freiwillige Helfer des Weltereignisses werden ab August in Drei-Streifen-Kluft ihrer Arbeit nachgehen. Zusätzlich stattet der Konzern als Sponsor traditionell zahlreiche Nationalteams der Olympia-Teilnehmerländer aus.

Auch Volkswagen lässt sich sein Engagement im Peking einiges kosten. Mit bis zu 150 Millionen Dollar an Sach-, Geld- und Serviceleistungen, weiß ein deutscher Branchenkenner in Peking, sponsert VW die Spiele. „Ich glaube fest daran, dass die Welt durch Dialog, Diskussion und Integration besser wird und nicht durch einen Boykott“, versichert auch Pan Qing, Direktor für das Olympiamarketing bei Volkswagen in China.

Wenn das olympische Feuer am 4. Mai chinesischen Boden erreicht, werden ausschließlich Autos des VW-Konzerns die Flamme und ihre Träger 97 Tage lang quer durch alle Teile Chinas begleiten bis sie am 8. August im Nationalstadion in Peking eintreffen. Insgesamt 1000 Fahrzeuge der Konzernmarken VW, Audi und Skoda stellen die Wolfsburger für den Fackellauf zur Verfügung. Während der Spiele im August wird VW auch die Beförderung von Athleten, Funktionären und ausländischen Staatsgästen übernehmen. Hierfür stellen die Deutschen eine Flotte von gut 5000 Fahrzeugen zur Verfügung. „Wir wollen mit dem Sponsoring unsere Marktführerschaft in China sichern“, erklärt Pan. Derzeit liegt der VW-Konzern, der 1984 als erster ausländischer Autohersteller in China an den Start ging, mit einem Marktanteil von 18 Prozent und gut 900.000 verkauften Pkw im vergangenen Jahr auf Rang eins unter den 80 in- und ausländischen Autoherstellern. In keinem Land der Welt verkauft VW mehr Autos. Im April wird das Unternehmen außerdem zwei eigens für den chinesischen Markt entwickelte Pkw-Modelle vorstellen. Auch deren Markteinführung soll mithilfe der Olympischen Spiele beschleunigt werden.

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