Opec: Der Ölpreis und die Gefahr für Weltwirtschaft

Opec: Der Ölpreis und die Gefahr für Weltwirtschaft

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Der saudische Ölminister Naimi (links) fürchtet einen hohen Ölpreis

Eigentlich ist alles ganz einfach. Die zwölf Opec-Staaten schicken ihre Minister heute zur Ratssitzung nach Wien.

Die stellen dann fest, dass auch ein Ölpreis von rund 60 Dollar aus Sicht des Produzentenkartells völlig unbefriedigend ist. Daraufhin beschließen sie eine Drosselung der Produktion, damit der Preis weiter steigt.

Inmitten einer weltwirtschaftlichen Krise gibt es aber auch ganz andere Überlegungen unter den Opec-Produzenten. „Nicht die Förderländer bestimmen den Ölpreis, sondern die Weltkonjunktur“, schrieb vorige Woche das regierungsnahe „Jornal de Angola“. Wahrscheinlich war das vom wichtigsten angolanischen Ölpolitiker inspiriert: José Maria Botelho des Vasconcelos, neuer Präsident der Opec und derzeit bemüht, die Scharfmacher im Kartell auszubremsen. Gewiss, Botelho betont, das Ziel seien immer noch 75 Dollar für das Barrel, fast ein Drittel mehr als heute. Aber die globale Wirtschaftskrise, sagt der Angolaner, „ist keine gute Voraussetzung, um das Gefüge wieder auszubalancieren“.

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Botelho und hinter ihm vor allem die Opec-Großmacht Saudi-Arabien üben sich in – relativer – Bescheidenheit: Gewiss, Ölpreise unter 40 Dollar wie im vergangenen Winter soll es nicht mehr geben. Aber mehr als 75 Dollar, ungefähr die Hälfte des Rekordstandes vor einem Jahr, wären auch nicht gut, verkündet der saudische Ölminister Ali Naimi seit Monaten.

Araber fürchten zu hohen Ölpreis

Denn auch die Araber fürchten, sie könnten darunter leiden, wenn ein zu hoher Ölpreis die sich anbahnende Erholung der Weltwirtschaft bremst. Saudi-Arabiens Entwicklungsprojekte außerhalb der Ölwirtschaft, der Bau von futuristischen neuen Wirtschaftsstädten im Wüstensand, die Errichtung von Universitäten und Schulen für die wachsende Bevölkerung – aus all dem könnte nichts werden, wenn die Weltwirtschaft in der Rezession verharrt.

Unter den Opec-Staaten haben die Saudis aber nur die Golfmonarchien – Katar, Kuwait und die Vereinigten Emirate – sicher hinter sich. Hier wäre „der Zusammenbruch einheimischer Banken und Baugesellschaften schlimmer als ein anhaltend niedriger Ölpreis“, sagt Daniel Yergin, Chef des US-Thinktanks Cambridge Energy Research Associates. Der Londoner Branchendienst „Petroleum Economist“ sieht darum einen eindeutigen Riss in der Opec: Bei einem Ölpreis unter 60 oder 50 Dollar drohe „in den reicheren Ländern allenfalls das Ende des frivolen Luxuskonsums, in den armen Ländern der Bankrott“.

Drosselung der Opec-Quoten steht bevor

Entwicklung des Ölpreises seit 2008

Entwicklung des Ölpreises seit 2008 (Klicken Sie auf die Grafik für eine erweiterte Ansicht)

Vor allem in Nigeria, Angola oder auch dem Iran, aber auch in Venezuela und Ecuador führen niedrige Erlöse aus dem Erdöl-Geschäft ganz unmittelbar zu Problemen. So braucht der Iran zur Erlangung eines ausgeglichenen Staatshaushalts nach eigenen Angaben einen Ölpreis von 90 Dollar, Venezuela 60 Dollar. In Wirklichkeit sind die Zahlen höher, weil in beiden Ländern die Kapazität der heruntergewirtschafteten Förderanlagen sinkt: Eine Drosselung der Opec-Quoten wäre darum für die Politiker in Teheran und Caracas kein wirklicher Verzicht. Außerdem haben die Präsidenten Mahmoud Ahmadinedschad und Hugo Chávez überhaupt kein Interesse an einer Stabilisierung der Weltwirtschaft.

Also sieht alles nach einer weiteren Drosselung der Opec-Quoten aus, der zweiten in weniger als einem halben Jahr. Im Dezember hatten die Kartellminister ihre Förderquote um insgesamt 2,2 Millionen Barrel pro Tag auf jetzt gut 28,8 Millionen gesenkt. Die Falken unter den Opec-Ministern werden den Anstieg des Weltmarktpreises seitdem auf diesen Beschluss zurückführen. Die Gemäßigten werden diese aus Sicht der Verbraucher in den Industrieländern fast schon wieder bedenkliche Preiserholung auf die gleichzeitig wieder erwachten globalen Konjunkturhoffnungen zurückführen: Tatsächlich ist der Ölpreis seit Mitte März fast im Gleichklang mit den großen Börsenindizes in den Industriestaaten gestiegen.

Das aber kann nicht lange gut gehen. Auch wenn niedrige Ölpreise allein der Weltkonjunktur nichts nützen, wirken hohe Preise schädlich, sagt der US-Experte Yergin: „Unsere Autoindustrie in Detroit ist nicht wegen der Lehman-Brothers-Pleite in die Krise geraten, sondern weil das Tanken zu teuer geworden ist.“

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