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Opel-Krisentreffen in Brüssel: "Jeder versucht seine Arbeitsplätze zu retten"

von Thomas A. Friedrich

Die EU fordert von Berlin einen europäischen Opel-Rettungsplan, vor allem Belgien fühlt sich als Bauernopfer. Beim Schlichtungstreffen trafen der aktuelle Industriekommissar Verheugen und sein möglicher Nachfolger, Peter Hintze, aufeinander - und kritisierten sich gegenseitig.

Vizepräsident der EU-Kommission, Günther Verheugen Quelle: LAIF
Vizepräsident der EU-Kommission, Günther Verheugen Quelle: LAIF

Das von EU-Industriekommissar Günter Verheugen und EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes einberufene Krisentreffen mit den Industrie- und Wirtschafministern der betroffenen EU-Länder am Freitagnachmittag soll Klarheit über die von Deutschland initiierte Auffanglösung bringen. Die EU-Partnerländer fühlen sich von der Bundesregierung schlecht informiert über die ins Auge gefaßten Rettungspläne. 

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Opelwerk in Antwerpen könnte erstes "Bauernopfer" werden

Die EU-Kommission drängt Berlin, dass keine nationalen Maßnahmen ohne Koordinierung mit anderen Mitgliedstaaten ergriffen werden. "Ein wirtschaftlicher Nationalismus muß vermieden werden", sagte Verheugen am Donnerstagabend vor der Presse.

Er erinnerte daran, dass sich die EU-Staats- und Regierungschefs im März diesen Jahres darauf verständigt hätten, keine industriepolitisch einseitig gefärbte nationalstaatloche Lösungen zur Bewaltigung der aktuellen Wirtschaftskrise ergreifen zu wollen.

Anlaß zu dieser damals schriftlich fixierten Vereinbarung im Frühjahr war der Versuch eines Alleingangs von Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy, zur Rettung französischer Arbeitsplätze bei Renault zu Lasten von Standorten in der Republik Tschechien. In einer gemeinsamen Erklärung hatte Verheugen, Kroes und EU-Sozialkommissar Vladimir Spidla die europäische Verantwortung für EU-Arbeitsplätze angemahnt.

Die bisherigen Verhandlungen der deutschen Bundesregierung um eine Herauslösung der europäischen Opelteile aus dem maroden amerikanischen Automobilkonzerns General Motors (GM), nährte vor allem im Nachbarland Belgien die Befürchtung, dass das Opelwerk in Antwerpen ein erstes "Bauernopfer" der Abspaltung der deutschen Opeltochter nach 80 Jahren GM-Konzernzugehörigkeit werden könnte.

"Eine einzelstaatliche Lösung für ein europäisches Unternehmen passt nicht zur Idee der EU", schrieb Belgiens Regierungschef Herman van Rompuy in einem Brandbrif an Bundeskanzlerin Angela Merkel und EU-Kommissionschef José Manuel Barroso. Vor allem die belgische Regierung fühlte sich von Berlin über eine Brückenfinanzierungslösung zur Rettung von Opel in Europa völlig uninformiert. Auch Barroso kritisierte am Vortag in Richtung Berlin: " Es ist nicht nur ein deutsches, sondern ein europäisches Problem".

"Jeder versucht seine Arbeitsplätze zu retten"

"Die anderen Länder sind stinksauer auf Deutschland, wie ich es in den letzten fünf Jahren noch nicht erlebt habe", faßt ein ranghoher EU-Beamter die aufgeheizte Stimmung vor dem Brüsseler Krisentreffen am diesem Freitag in Sachen Opel-Rettungspläne zusammen. "Deutschland muß die Karten auf den Tisch legen", sagte Verheugen gegenüber wiwo.de. Auf die Frage, ob Deutschland auf Kosten der andern Partner agiere antwortete er vor Beginn des Krisentreffens lapidar: "Jeder versucht seine Arbeitsplätze zu retten". 

Zu Beginn des auf zwei Stunden angesetzten Nachmittagstreffens, sparten die angereisteten EU-Industrieminister nicht mit Kritik am deutschen Verhalten: "Wir fühlen uns von Deutschland schlecht informiert", sagte Patricia Ceysens, flämische Ministerin für Wirtschaft und Unternehmen Belgiens.

Es sei klar, dass in der europäischen Automobilindustrie derzeit Überkapazitäten existierten. Daher bedürfe es europäischer Lösungen und nicht nationaler Alleingänge. Im Opelwerk Antwerpen sind 2000 Arbeiter beschäftigt. Versuche, der belgischen Regierung gleich zu Beginn der US-Autobauerkrise mit einem Besuch in Detroit, Garantien für den Bestand des Produktionsstandortes Antwerpen zu bekommen, waren fehlgeschlagen.

8 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 01.06.2009, 23:54 UhrAnonymer Benutzer: Penrose

    @Meiser
    Mein Kommentar: Hierzulande wird von der Mittelschicht weg nach oben umverteilt. Mit anderen Worten: Die Mittelschicht bröckelt weg, die grossen Vermögen wachsen (immer noch), es bildet sich eine Unterschicht mit verschiedenen Proletariatsausformungen. Das ist politisch gewollt, auch von Links, trotz aller Sozialheuchelei, insbesondere seit dem sich der ehemalige Kanzler Schröder zum Erfüllungsgehilfen der Ackermanns und Siemensbosse machte.

  • 01.06.2009, 23:45 UhrAnonymer Benutzer: Penrose

    Der Artikel zeigt, wie bürgerfern die Politkaste ihre Argumente zusammenzimmert. Es ist klar, dass die Wirtschaft ein lebender Organismus ist, dass Unternehmen entstehen und sterben. Das ist einfach zu verstehen. Komplizierter wird es, wenn man den Lohnabhängigen erklären muss, weshalb er seinen Arbeitsplatz opfern muss, damit ihn ein Kollege in einem anderen europäischen oder aussereuropäischen Land bekommt. Diese Entwicklung hat bereits Ende der sechziger Jahre begonnen, aber die gutbezahlte und überversorgte Politkaste hat bisher keinen Einfallsreichtum bewiesen, um hier praktische Lösungen zu erarbeiten. Erbärmlich!

  • 01.06.2009, 12:11 UhrAnonymer Benutzer: Fehlende Opel Bank

    ich finde es gerecht dass Opel unterstützt wird. bMW,Daimler,Volkswagen haben indirekt über ihre Hausbanken
    Milliarden vom Staat bekommen. ich verstehe unsere Volksvertreter nicht die Opel in die insolvenz reden wollten.
    Auch der DiHT Vertreter sollte sich zurückhalten.

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