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Parallelwährung: Aus eins mach zwei

von Jan Mallien Quelle: Handelsblatt Online

Dass Griechenland in der Euro-Zone wieder auf die Beine kommt, ist unsicher. Doch ein Euro-Austritt birgt hohe Risiken. Ökonomen sehen eine Alternative: Der Euro bleibt, die Drachme kommt trotzdem. Kann das gutgehen?

Aus eins mach zwei: Ökonomen und Unternehmer schlagen eine Parallelwährung für Griechenland vor.
Aus eins mach zwei: Ökonomen und Unternehmer schlagen eine Parallelwährung für Griechenland vor.

DüsseldorfSeit zwei Jahren sind die Euro-Retter im Dauereinsatz. Mit immer neuen Milliardenhilfen versuchen sie die Euro-Krise in den Griff zu kriegen. Doch die Erfolge sind bisher ausgeblieben: Den Krisenländern geht es nicht besser, sondern immer schlechter. Wie sie wieder auf die Beine kommen sollen, ist nicht absehbar.

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Eine Gruppe von Ökonomen und Wirtschaftsvertretern fordert deshalb die Verantwortlichen zu Alternativen zur bisherigen Krisenpolitik auf - und liefert dafür einen Vorschlag gleich mit. „Für eine ökonomisch überzeugende und politisch durchsetzbare Alternative sehen wir die Einrichtung einer Parallelwährung an“, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung. Unterzeichnet haben sie unter anderem der frühere Deutsche Bank-Chefvolkswirt Thomas Mayer, die Wirtschaftsprofessoren Roland Vaubel (Uni Mannheim) und Bernd Lucke (Uni Hamburg) sowie der Präsident des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft (BVMW), Mario Ohoven. "Wir sehen die Parallelwährung als eine Alternative, um die Wettbewerbsfähigkeit der Krisenländer zu stützen und die Kapitalflucht zu lindern", sagt Ohoven.

Auch Ifo-Chef Hans-Werner Sinn, der selbst nicht zu den Unterzeichnern der Erklärung gehört, hat ähnliches vorgeschlagen. „Was wir brauchen ist ein Mittelweg zwischen dem Dollar-System innerhalb der USA und dem Festkurssystem à la Bretton Woods,“ schreibt er in einem Beitrag seines Instituts. „Dieser Mittelweg könnte eine „offene Währungsunion“ mit assoziierten Mitgliedern sein, die früher Vollmitglied waren, nun temporär eine eigene Währung führen und die Option haben, später wieder voll mitzumachen.“

Länder wie Griechenland und Portugal sind seit dem Euro-Start in Sachen internationaler Wettbewerbsfähigkeit deutlich zurückgefallen. Die Lohnstückkosten in Griechenland, die als Gradmesser für die internationale Wettbewerbsfähigkeit gelten, sind zum Beispiel um 25 Prozent stärker gestiegen, als in Deutschland.

Bevor es den Euro gab, konnten die Griechen das durch die Abwertung ihrer Währung auffangen: Nahm der Außenwert ihrer Landeswährung Drachme ab, wurden griechische Produkte im Ausland billiger. Dieser Weg ist innerhalb der Euro-Zone derzeit versperrt – wer wettbewerbsfähiger werden will, muss seine Preise und Löhne senken. Diese so genannte interne Abwertung ist extrem schmerzhaft. Immer mehr Experten verlieren den Glauben daran, dass Krisenländer wie Griechenland innerhalb des Euro-Raums wieder auf die Beine kommen. Andererseits birgt ein Euro-Austritt unkalkulierbare Risiken. Mario Ohoven beschreibt das Dilemma so:„90 Prozent unserer Mitgliedsunternehmen wollen den Euro behalten. Aber 60 Prozent glauben nicht, dass alle Länder im Euro bleiben können." Eine Zwickmühle, die mit einer Parallelwährung überwunden werden könnte, so die Ökonomen um Mayer.


Ein Modell mit Tücken

Für Griechenland könnte das Modell so aussehen: Alle laufenden Zahlungen wie Löhne und Renten werden in die neue Währung umgestellt, deren Wechselkurs frei gegenüber dem Euro schwankt. Die neue Währung dürfte stark abwerten. Ähnlich wie zum Beispiel in einigen Ferienorten Großbritanniens, könnten die Kunden beim normalen Zahlungsverkehr in Restaurants und Supermärkten wählen, ob sie in der neuen Währung oder zum aktuellen Wechselkurs in Euro zahlen.

Die Spareinlagen und Bargeldbestände blieben hingegen in Euro erhalten - wer sie in die neue Währung tauschen möchte, kann dies zum aktuellen Wechselkurs tun. Dies soll verhindern, dass es zu einem Bank run kommt, der auch Sparer in anderen Krisenländern wie Portugal und Spanien alarmieren könnte und zu einer weiteren Eskalation der Krise führen würde.

Der Preis dafür wäre, dass die griechischen Banken noch stärker gestützt werden müssten, argumentiert Mayer. Die Euro-Staaten müssten die griechische Finanzbranche stützen und den Schuldendienst des Landes sichern. Dafür aber würden die bisher im Hilfspaket vorgesehenen 50 Milliarden Euro für die Rekapitalisierung der griechischen Banken nicht ausreichen. Bei Einführung der Parallelwährung könnten Inländer ihre in Euro notierenden Schulden nur noch in der neuen Weichwährung bedienen. Deshalb müssten die griechischen Banken einen noch größeren Teil ihrer Kredite abschreiben.

Die Modelle für eine Parallelwährung unterscheiden sich darin, wie radikal sie vorgehen. So plädiert der Mannheimer Ökonom Roland Vaubel anders als Mayer dafür, alle Finanzhilfen für Griechenland zu stoppen. Griechenland solle eine Parallelwährung einführen und seine Einwohner zwingen, alle bestehenden Verträge auf die neue Währung umzustellen.

Umstritten ist auch, ob der Staat die neue Währung zum gesetzlichen Zahlungsmittel erklären muss. Bernd Lucke ist davon überzeugt – sonst würde sich das neue Geld nicht durchsetzen.

Seit Mitte vergangener Woche prüft die Troika aus EU, EZB und IWF in Athen die Umsetzung der Spar- und Reformvorgaben. Ihr für September geplanter Prüfbericht dürfte wenig schmeichelhaft ausfallen. Dies könnte der Debatte um Alternativen zur bisherigen Rettungspolitik neue Nahrung geben.

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