Paris-Orly: Sonderermittlung nach Flughafen-Angriff eingeleitet

Paris-Orly: Sonderermittlung nach Flughafen-Angriff eingeleitet

, aktualisiert 19. März 2017, 08:49 Uhr
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Der Flughafen wurde während des Polizeieinsatzes vorübergehend evakuiert, rund 3000 Menschen mussten das Gelände nach Angaben der Polizei verlassen.

Quelle:Handelsblatt Online

Ein vorbestrafter 39-Jähriger hatte am Samstag am Pariser Flughafen Orly eine Polizistin als Geisel genommen und wurde erschossen. Nun sucht eine Anti-Terror-Einheit nach dem Motiv für die Tat.

ParisNach einem vereitelten mutmaßlichen Terroranschlag am Pariser Flughafen Orly haben Spezialermittlungen einer Anti-Terror-Einheit zum möglichen Motiv des 39-Jährigen begonnen. Sie würden zeigen, ob Ziyed Ben Belgacem konkrete, terroristische Anschlagspläne gehabt habe, sagte der französische Präsident François Hollande am Samstag. Eine Verbindung zur Präsidentschaftswahl im April und Mai schloss er aus. Frankreich kämpfe seit Jahren gegen extremistische Bedrohungen, sagte Hollande.

Am Samstag hatten zwei Soldaten am Flughafen von Orly einen 39-Jährigen erschossen, der ihrer Kameradin die Waffe entrissen und sie als Geisel genommen hatte. Nach Angaben des Pariser Anti-Terror-Staatsanwalts François Molins rief der Mann bevor er ums Leben kam, er wolle im Namen Allahs sterben. Bei ihm seien auch ein Koran und ein Benzinkanister gefunden worden, sagte Molins.

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Videoaufnahmen zeigten, dass der Angreifer sehr bestimmt gewesen sei - bestimmt, die Tat zu verüben. „Alles deutet darauf hin, dass er das militärische Sturmgewehr nehmen wollte, um Leute zu erschießen“, so Molins.

Frankreich hat seit diversen Anschlägen in den vergangenen zwei Jahren mit insgesamt 235 Toten den Ausnahmezustand verhängt. Trotz eines Verkehrschaos hätten die Sicherheitspläne funktioniert, betonten die Behörden mit Blick auf die Tat am Samstag.

Wie die Soldaten berichteten, rief der Angreifer, dass sie ihre Waffen ablegen und ihre Hände auf den Kopf legen sollten. „Ich bin hier, um für Allah zu sterben. Was immer geschieht, es wird Tote geben“, soll er zudem gesagt haben.

Am Ende kam aber nur der Mann selbst ums Leben. Die beiden Soldaten hätten acht Schüsse auf ihn abgegeben und ihn so getötet, sagte Molins. Die Soldatin blieb unverletzt, stand aber unter Schock.

Der französische Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian erklärte, die Schüsse der Kameraden seien richtig gewesen. Sie hätten das Feuer eröffnet, um die Soldatin und alle Personen in der Umgebung zu schützen.


Vater des Angreifers aus dem Gewahrsam entlassen

Im Zuge der Ermittlungen wurden der Vater sowie der Bruder des Attentäters befragt. Beide sagten gegenüber der Polizei aus, der 39-Jährige habe sie am Samstagmorgen – Minuten nach einer ersten Schießerei bei einer Verkehrskontrolle - angerufen und bekannt, „einen Fehler“ gemacht zu haben. Auch ein Cousin des Mannes habe sich gemeldet, weil er die Nacht zuvor mit ihm in einer Bar verbracht habe, so Molins. Bei einer Hausdurchsuchung wurden dem Staatsanwalt zufolge zudem Kokain und eine Machete sichergestellt.

Der Vater des Angreifers wurde mittlerweile aus dem Polizeigewahrsam entlassen worden, berichtete die Nachrichtenagentur AFP am Sonntag unter Berufung auf Justizkreise. Der Bruder und ein Cousin des 39-Jährigen würden hingegen immer noch festgehalten.

Ersten Erkenntnissen nach stand der Mann nicht auf einer offiziellen Liste von Personen, die als Gefahr für die öffentliche Sicherheit betrachtet werden. Er sei aber während eines früheren Gefängnisaufenthalts als mutmaßlicher Radikaler eingestuft worden, so Molins. Er hatte auch Vorstrafen wegen Raub und Drogendelikten.

Vor dem Zwischenfall im Flughafen war er bei einer Verkehrskontrolle in der Stadt Stains nordöstlich von Paris aufgehalten worden und hatte mit Schrotkugeln auf Polizisten gefeuert. Ein Beamter wurde im Gesicht verletzt. Nach Polizeiangaben wurde der Mann angehalten, weil er zu schnell fuhr. Innenminister Bruno Le Roux sagte, er habe anschließend eine Frau mit seiner Waffe bedroht und ihr Auto in seine Gewalt gebracht. Dieses wurde später in der Nähe von Orly entdeckt.

Der Flughafen wurde während des Polizeieinsatzes vorübergehend evakuiert, rund 3000 Menschen mussten das Gelände nach Angaben der Polizei verlassen. Hunderte saßen stundenlang in gelandeten Flugzeugen fest, bevor die Polizei Entwarnung gab. 15 weitere Flüge wurden wegen des Zwischenfalls auf den Flughafen Charles de Gaulle umgeleitet, wie Behördenpräsident Augustin de Romanet weiter sagte.

Orly ist nach Charles de Gaulle der zweitgrößte der Pariser Flughäfen. Ein ähnlicher Vorfall hatte sich im Februar am Louvre ereignet. Seinerzeit hatte ein Ägypter Soldaten angegriffen, die das Museum bewachten. Er wurde niedergeschossen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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