Partnerschaftsabkommen mit der EU: Zehntausende Ukrainer demonstrieren für EU-Kurs und gegen Putin

Partnerschaftsabkommen mit der EU: Zehntausende Ukrainer demonstrieren für EU-Kurs und gegen Putin

Bei der größten Kundgebung seit der prowestlichen Revolution in der Ukraine von 2004 haben Zehntausende Menschen für einen EU-Kurs demonstriert - ein unerwartet starker Protest gegen die prorussische Politik des Landes.

Viele Zehntausend Menschen haben in der Ukraine für eine Annäherung ihres Landes an die Europäische Union demonstriert. Bei der größten Massenkundgebung von Regierungsgegnern seit der prowestlichen Orangenen Revolution vor neun Jahren forderte die Opposition am Sonntag Präsident Viktor Janukowitsch auf, ein Partnerschaftsabkommen mit der EU Ende dieser Woche doch noch zu unterschreiben. Die inhaftierte Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko rief ihre Anhänger in einem Brief auf, mit Protesten weiter Druck auf ihren prorussischen Rivalen auszuüben. Im Ringen um die Freilassung der inhaftierten ukrainischen Ex-Ministerpräsidentin Julia Timoschenko hat ihre Tochter Jewgenija an Deutschland um Hilfe appelliert. „Ich denke, dass Deutschland die letzte Chance für meine Mutter ist. Kanzlerin Merkel darf nicht aufgeben. Wenn meine Mutter nicht bald frei kommt, wird sie sterben“, sagte Jewgenija der „Bild“-Zeitung (Montagsausgabe). Die Tochter wirbt dafür, dass das EU-Assoziierungsabkommen in dieser Woche doch noch zustande kommt und fordert, dass Deutschland Druck auf die Ukraine ausüben sollte. „Wir sind soweit gekommen, es muss in den nächsten Tagen gelingen, dass das Abkommen doch noch zustande kommt. Deutschland spielt da eine entscheidende Rolle“, sagte Timoschenko der Zeitung.
Regierungsgegner stellten in der ukrainischen Hauptstadt Zelte für einen Dauerprotest auf. Die Regierungsgegner und Boxweltmeister Vitali Klitschko beteiligte sich mit seiner Partei (Udar) ebenfalls an den Protesten. „Wir werden Druck ausüben auf den Präsidenten, die Regierung, und wir werden alles tun, damit das Assoziierungsabkommen mit der EU unterzeichnet wird“, sagte Klitschko.
Bei einem Zwischenfall habe die Polizei Tränengas gegen aggressive Demonstranten eingesetzt, teilte der Pressedienst der Miliz mit. Demnach hatten Regierungsgegner eine Rauchbombe gezündet und versucht, das Gebäude des Regierungskabinetts zu stürmen. Beobachter schilderten die Lage in Kiew als weitgehend friedlich.
Nach Darstellung der Opposition waren allein in Kiew mehr als 100 000 Menschen auf der Straße für einen EU-Kurs ihres Landes. Die Polizei sprach lediglich von 20 000 Teilnehmern. So viele Menschen habe auch eine Gegenkundgebung prorussischer Kräfte zusammengebracht, teilten die Behörden mit.
Die EU wollte das historische Assoziierungsabkommen über eine engere Zusammenarbeit und freien Handel mit der Ex-Sowjetrepublik eigentlich an diesem Freitag auf dem Gipfel zur Östlichen Partnerschaft in der litauischen Hauptstadt Vilnius unterschreiben. Die ukrainische Regierung hatte sich dann allerdings überraschend eine Pause verordnet, um mit Russland zu verhandeln.

Weitere Artikel

Russland wirft der EU geopolitische Machtspiele vor und hatte der Ukraine mit Strafmaßnahmen gedroht, sollte sie das Abkommen unterzeichnen. Bundeskanzlerin Angela Merkel bot Kremlchef Wladimir Putin danach Gespräche über die Ukraine an. Sie betonte auch, dass das Abkommen nicht gegen Russland gerichtet sei.
Die in Haft erkrankte Oppositionsführerin Timoschenko forderte zuletzt eine Unterzeichnung des Abkommens - unabhängig davon, ob sie - wie von Merkel und der EU gefordert - zur Behandlung nach Deutschland entlassen werde. „Das Abkommen ist unser Fahrplan für ein normales Leben. Das ist unser Quantensprung heraus aus einer zutiefst wilden Diktatur in ein zivilisiertes Leben“, hieß es in ihrem Schreiben vom Sonntag.
Wenige Tage vor dem Gipfel in Vilnius schrieb der EU-Erweiterungskommissar Stefan Füle in einem Twitter-Eintrag am Sonntag, dass die europäischen Türen für das Land offenstünden. Ziel sei eine Modernisierung der Ukraine. Die Führung in Kiew hatte allerdings erklärt, dass eine Partnerschaft nicht zulasten einer anderen - in dem Fall mit Russland - gehen dürfe.

Anzeige
Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%