Pflegekraft erkrankt: Erstmals Ebola in den USA übertragen

Pflegekraft erkrankt: Erstmals Ebola in den USA übertragen

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Die Pflegekraft behandelte inzwischen verstorbenen Patienten

Der Alptraum ist wahr geworden: In den USA hat sich eine Pflegekraft mit Ebola angesteckt. Kontaktpersonen werden ermittelt, die Behörden geben sich betont sachlich.

In den USA gibt es einen zweiten Ebola-Fall. Betroffen sei eine Pflegekraft, die an der Behandlung des ersten, inzwischen verstorbenen Patienten in einem Krankenhaus in Dallas beteiligt gewesen sei, erklärte das Gesundheitsamt des Bundesstaates Texas am Sonntagmorgen. Nun werde geprüft, wer mit dem zweiten Patienten Kontakt gehabt habe. Die Behörden hätten sich auf eine solche Entwicklung vorbereitet, betonte ein Vertreter des Amtes. "Wir verstärken unser Team in Dallas und arbeiten mit großer Sorgfalt daran, eine weitere Ausbreitung zu verhindern." Der erste Ebola-Patient war am Mittwoch gestorben. Er hatte die Seuche aus Liberia eingeschleppt. Bis dahin waren alle Ebola-Kranken in den USA gezielt zur Behandlung ins Land geholt worden. Die Nachricht vom ersten unkontrolliert eingereisten Infizierten hatte zu deutlichen Kursverlusten an der Wall Street geführt.

Chronologie der aktuellen Ebola-Epidemie

  • Dezember 2013

    Experten nehmen rückblickend an, dass es in der Region Guéckédou in Guinea den ersten Fall dieser Epidemie gibt.

  • 23.-25. März 2014

    In Guinea sind laut einem Radiobericht etwa 60 Menschen an Ebola gestorben, es gibt fast 100 Infizierte. Zwei Tage später wird Ebola auch in Liberia nachgewiesen, mindestens fünf Menschen sind bereits gestorben.

  • 23. Juni

    Am 23. Juni warnen die ersten Experten, dass die Epidemie außer Kontrolle sei.

  • 20. Juli

    In Nigeria bricht ein Regierungsberater Liberias am Flughafen zusammen. Tage später stirbt er, der Test ergibt: er hatte sich mit Ebola infiziert.

  • 7. bis 8. August

    Erstmals wird ein Ebola-Infizierter nach Europa gebracht: Spanien fliegt den Geistlichen Miguel Pajares ein. Er stirbt kurz darauf. Am 8. August stuft die WHO die Epidemie als Internationalen Gesundheitsnotfall ein.

  • 27. bis 29. August

    Erstmals kommt ein Ebola-Patient aus Westafrika nach Deutschland. Er wird in der Uniklinik Hamburg-Eppendorf behandelt. Zwei Tage später erreicht die Seuche mit einem erkrankten Studenten aus Guinea den Senegal. Der Patient gilt inzwischen als geheilt.

  • 30. September

    Eine UN-Sondermission (UNMEER) eröffnet ihr Hauptquartier in Ghana. Im US-Staat Texas wird bei einem Mann aus Liberia Ebola diagnostiziert.

  • 6. Oktober

    In Spanien hat sich eine Krankenschwester mit Ebola infiziert. Damit hat sich erstmals ein Mensch in Europa angesteckt. Die Krankenschwester hatte einen an Ebola erkrankten spanischen Priester betreut, der zur Behandlung aus Sierra Leone nach Madrid gebracht worden war und dort wenige Tage später verstarb.

  • 8. und 9. Oktober

    Der Ebola-Patient Thomas Eric Duncan in Texas stirbt. Der 42-Jährige hatte sich in Liberia infiziert, war aber erst in den USA erkrankt. Einen Tag später trifft ein dritter Ebola-Patient in Deutschland ein. Die Ärzte im Leipziger Klinikum bezeichnen den Zustand des aus dem Sudan stammenden UN-Mitarbeiters als „hochgradig kritisch“.

  • 13. und 14. Oktober

    In Liberia droht ein Streik im Gesundheitswesen die Krise zu verschärfen. Pflegekräfte fordern mehr Geld und Schutz. Am Tag darauf wird bekannt, dass der Leipziger Patient tot ist.

Aus den Angaben der texanischen Behörden vom Sonntag ging zunächst nicht hervor, ob es sich bei dem zweiten Patienten um einen Mann oder eine Frau handelte. Dem Sender CNN zufolge handelt es sich um eine Krankenschwester. Bei der Pflegekraft sei am Freitagabend leichtes Fieber aufgetreten, teilten die Behörden weiter mit. Der Patient sei unter Quarantäne gestellt worden. Die Ergebnisse eines ersten, vorläufigen Ebola-Tests hätten dann am Samstagabend vorgelegen. Die Bundesgesundheitsbehörde CDC versuche nun, das Ergebnis zu bestätigen. Dem Krankenhaus zufolge trug der Mitarbeiter bei der Behandlung des ersten Patienten volle Schutzkleidung. "Wir sind zuversichtlich, dass die getroffenen Sicherheitsmaßnahmen unsere Pflegekräfte schützen", sagte ein Arzt.

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USA, Spanien, Mazedonien: Die Zahl der Ebola-Fälle steigt - und damit die Angst der Menschen, dass die Seuche sich auch hier ausbreiten könnte. Ist die Sorge berechtigt? Nein, meint der Seuchen-Experte Jan Leidel

Quelle: AP

Die USA haben inzwischen verschärfte Kontrollen von Reisenden aus den Ebola-Gebieten in Westafrika angeordnet. Am New Yorker Flughafen JFK erfassten die Behörden am Wochenende erstmals im großen Umfang mit Strahlungsthermometern die Körpertemperatur von Passagieren aus Guinea, Sierra Leone und Liberia. Andere Staaten haben ähnliche Maßnahmen eingeführt. Für Deutschland lehnte der Flughafenverband ADV dieses Thermoscreening ab. Der Aufwand sei extrem hoch, der Nutzen zugleich sehr zweifelhaft, da schon die Einnahme eines einfachen fiebersenkenden Medikaments genüge, um einen erkrankten Passagier für die Temperaturkontrolle unauffällig zu machen.

"Wir haben die Folgen unterschätzt"

Die Weltgesundheitsorganisation gibt die Zahl der Ebola-Toten inzwischen mit 4033 von insgesamt 8399 Fällen an. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier räumte ein, das Ausmaß der Ebola-Seuche in Westafrika sei verkannt worden. Der "Bild am Sonntag" sagte er: "Wir alle haben die katastrophalen Folgen von Ebola unterschätzt. Jetzt beginnt die Aufholjagd. Wir werden die Epidemie besiegen und müssen jetzt entschlossen mit vereinten Kräften handeln."

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Das Deutsche Roten Kreuz (DRK) sucht nach Freiwilligen, um in Westafrika gegen die Seuche zu kämpfen. DRK-Sprecher Dieter Schütz zufolge gingen zunächst 350 Bewerbungen ein. Davon wurden nach einer ersten Durchsicht 117 Personen als grundsätzlich geeignet eingestuft, darunter 43 Ärzte. Insgesamt hätten sich rund 1600 Interessenten gemeldet. Schütz betonte, die Zahl der infragekommenden Personen reiche bei weitem noch nicht aus, um mit der Bundeswehr ein mobiles Krankenhaus in Liberia und ein Behandlungszentrum in Sierra Leone aufzubauen. Gesucht würden Ärzte, Krankenschwestern ebenso wie Hebammen und Physiotherapeuten.

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