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Plagiate: Wie sich Unternehmen gegen Produktpiraten wehren können

von Ulrich Hanke

Der Motorsägenhersteller Stihl wehrt sich erfolgreich gegen Produktpiraten. Wie der Mittelständler in China vorgeht, was andere Unternehmen von ihm lernen können. Eine Fallstudie.

Für den Motorsägenhersteller Quelle: dpa/dpaweb
Für den Motorsägenhersteller Stihl gehören Produktpiraten aus China zum unternehmerischen Alltag Quelle: dpa/dpaweb

Kein Tourist weit und breit – auf dem Jiuxing-Markt im Westen von Shanghai sind Chinesen unter sich. Hier finden sie alles, was ein Handwerker, Händler oder Betrieb benötigt. Zhang Xiaoming, kurzes kariertes Hemd, helle Hose und sportliche Figur, kennt den Basar wie seine Westentasche. Regelmäßig stöbert er in einigen der 6000 Läden. Er ist dabei aber nicht auf Schnäppchenjagd, sondern auf „Basisrecherche“, wie er das nennt.

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Zhang ist Privatdetektiv und auf der Suche nach Plagiaten, seine Kunden sind Unternehmen, die sich gegen Produktpiraten wehren. Deshalb heißt Zhang in Wirklichkeit auch nicht Zhang – um sich nicht zu gefährden, will er unbekannt bleiben und seinen Namen nicht in der Zeitung lesen. Der frühere Polizist arbeitet mit der Kanzlei Rouse aus Shanghai zusammen, wie 60 andere Privatdetektive, die sich Consultants nennen. Ermitteln dürfen in China nur der Staat oder Privatpersonen, aber keine Unternehmen.

An diesem Morgen ist Zhang im Auftrag des schwäbischen Herstellers Stihl auf der Suche nach gefälschten Motorsägen. Auf einigen Märkten in anderen Städten hat er schon etliche Stihl-Produkte entdeckt. Hier ist er nicht erfolgreich, er findet nur ein paar gefälschte Steinsägen des japanischen Herstellers Hitachi.

Produktpiraten gehören zum unternehmerischen Alltag

Kein Grund für Stihl, die Hände in den Schoß zu legen. Für die Schwaben gehört der Kampf gegen die chinesischen Produktpiraten zum unternehmerischen Alltag. Zu bekannt ist die Marke in aller Welt, zu hoch die Marge für Nachahmer. Mit Detektiven und Rechtsanwälten, Anzeigen und Schadensersatzklagen versucht Stihl, den Piraten das Fälscherhandwerk zu legen.

Der Schaden für die deutsche Wirtschaft durch gefälschte Produkte ist enorm: 30 Milliarden Euro jährlich, so der Aktionskreis gegen Produkt- und Markenpira (APM). Rund 90 Prozent aller Fälschungen erreichen laut APM den Konsumenten.

Dabei sind es nicht die verkauften Fälschungen auf den chinesischen Basaren, die Stihl in erster Linie schaden. Das sind bislang nur geringe Stückzahlen. China ist für den Sägenhersteller nur ein kleiner Markt, zu teuer sind die Profigeräte – und auch deren Fälschungen – für den chinesischen Normalkunden. Stihl produziert in der Volksrepublik fast nur für den Export – und so tun es auch die Fälscher. „Das Problem sind die vielen Plagiate, die die illegalen Hersteller ins Ausland verschiffen“, sagt Zhang. Deshalb gibt er sich auf dem Jiuxing-Markt nur als interessierter Kunde aus und nicht als Detektiv: Ihm ist nicht an den paar Fälschungen gelegen, sondern an den Hintermännern.

Mit allen Tricks

Die ersten Stihl-Kopien tauchten Mitte der Achtzigerjahre in Südostasien auf und stammten zunächst aus Italien, später auch aus China. Damals ahmten die Fälscher nur Verschleißteile einer Profisäge nach. Zehn Jahre später waren es schon ganze Maschinen. 2001 entdeckten die Schwaben auf einer Baumesse in den USA erstmals die Fälschung eines aktuellen Modells. Bis dahin hatten die Chinesen nur ältere Produkte kopiert.

Die Täter produzieren nicht nur in illegalen Hinterhofwerkstätten. Auf der Kanton-Messe in Guangzhou entdeckten die Schwaben nachgeahmte Sägen, die die Firma Swool unter eigenem Namen auf den Markt brachte. Swool ist ein Elektrogerätehersteller mit Sitz in der Provinz Zhejiang im Südosten Chinas, beschäftigt nach eigenen Angaben etwa 50 Mitarbeiter und setzt zwischen 10 und 15 Millionen US-Dollar im Jahr um. Im Internet betreibt Swool eine englischsprachige Homepage, um Kunden im Ausland für seine Produkte zu werben.

Detektiv mimt den interessierten Kunden

Stihl ließ den Stand der Fälscher nicht wie sonst üblich räumen. Um an die Hinterleute heranzukommen, setzten die Schwaben einen Kollegen von Zhang auf die Piraten an. Der Detektiv gab sich als interessierter Kunde aus, der für osteuropäische Auftraggeber günstige Sägen sucht, und traf sich mit einem der beiden Fälscherbosse in einem Hotel. Der war sich seiner Sache so sicher, dass er dem Ermittler sogar stolz die Fabrik zeigte, wo sie die Imitate produzierten. Daraufhin erstattete Stihl Anzeige, und die lokalen Behörden führten eine Razzia in der -Firma durch. Dabei stellten sie 300 Ersatzteile, fünf komplette Elektrosägen, zehn Verpackungen und 1200 Etiketten sicher.

Trotz des Verfahrens fälschten die Angeklagten munter weiter, so unbeeindruckt waren sie. Für die Kopie der Stihl-Säge erhielt Swool 2006 sogar den Negativpreis Plagiarius, ließ sich davon aber nicht abschrecken. Die Fälscher waren sogar so dreist, den Tankdeckel der Motorsäge MS 380, für den Stihl ein Patent besitzt, eins zu eins zu kopieren. Das kam Stihl im weiteren Prozessverlauf zugute. „Ohne eingetragene Rechte haben die Hersteller hier null Chance“, erklärt Elliot Papageorgiou von der Kanzlei Rouse, die Stihl in China vertritt.

1 KommentarAlle Kommentare lesen
  • 01.10.2009, 12:21 UhrAnonymer Benutzer: Kurt

    Mein Mitleid mit den betroffenen Firmen hält sich in sehr engen Grenzen. Denn in den meisten Fällen sind diese ja zuerst mal nach China gegangen um dort billiger produzieren zu können. Sicher nicht aus reiner Menschenfreundlichkeit. Die Chinesen ihrerseits haben ziemlich schnell herausgefunden, dass es für sie noch lukrativer ist, wenn sie diese Dinge selbst bauen und sich noch die lästigen Entwicklungskosten sparen können. Die Kopiervorlage wurde den Chinesen also meist von den Firmen selbst geliefert. Aus Gier nach noch mehr Rendite und anderen niedrigen Motiven.

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