_

Pöbel-Attacke beim EU-Gipfel: „Du hast verpasst, den Mund zu halten“

von Nils Rüdel und dpa Quelle: Handelsblatt Online

Gipfel der Peinlichkeiten: Weil Ergebnisse Mangelware sind, sinkt die Stimmung. Vorläufiger Tiefpunkt: Frankreichs Präsident Sarkozy maßregelt seinen britischen Kollegen Cameron.

Die Bildkombo zeigt (l-r) Quelle: dpa
Die Bildkombo zeigt (l-r) Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy (Archivfoto vom 04.10.2011) und den britischen Premierminister David Cameron (05.10.2011). Im Streit um die richtige Strategie zur Rettung der Eurozone ist es zwischen Sarkozy und Cameron zu einem ruppigen Wortwechsel gekommen. «Sie haben eine gute Chance verpasst, den Mund zu halten», schnauzte Sarkozy beim EU-Gipfel am Sonntag (24.10.2011) in Brüssel Cameron an, berichtete die britische Agentur PA am Montag (24.10.2011). Fotos: EPA/GUILLAUME HORCAJUELO/LINDSEY PARNABY (zu dpa 0263 vom 24.10.2011) (c) dpa - Bildfunk Quelle: dpa

Ein Gipfeltreffen mit Staats- und Regierungschefs produziert stets eine Menge schöner Bilder. Ein Händeschütteln hier, eine Umarmung da, lächeln um die Wette. Dass es hinter den Kulissen aber manchmal heftig zur Sache geht, bleibt meist im Verborgenen.

Anzeige

Der heftige Zusammenstoß zwischen Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy und Großbritanniens Premierminister David Cameron beim Treffen der 27 EU-Chefs am Sonntag aber nicht. Er schaffte es in die Öffentlichkeit.

„Du hast eine gute Gelegenheit verpasst, den Mund zu halten“, soll ein genervter Sarkozy den Briten angeblafft haben, wie die Zeitung „Guardian“ und die Nachrichtenagentur Bloomberg übereinstimmend berichteten. „Wir haben es satt, dass du uns kritisierst und sagst, was wir tun sollen“, redete sich der Franzose in Rage. „Du sagst, du hasst den Euro, und jetzt willst du dich in unsere Treffen einmischen“.

Kritik und Belehrungen

Sarkozy hatte es offenbar satt, dass Cameron und sein Schatzkanzler George Osborne die Euro-Länder wiederholt wegen ihres Krisenmanagements kritisiert und belehrt hatten.

Hintergrund der Eskalation am Sonntag: Cameron war nicht einverstanden mit dem Plan, dass beim Gipfel am kommenden Mittwoch zur Zukunft des Euro nur die 17 Länder der Gemeinschaftswährung entscheiden sollten. Der Brite forderte, dass alle 27 EU-Staaten abstimmen, also auch das Nicht-Euro-Land Großbritannien.

Doch Sarkozy ließ Cameron abblitzen. Wenn die Briten dabei sein wollen, hätten sie eben den Euro einführen sollen, sagte der Franzose. 

Wortgefecht verlängert Sitzung

Das Wortgefecht zwischen den beiden Regierungschefs, die noch vor ein paar Wochen in Eintracht  in Libyens Hauptstadt Tripolis den Sieg der Rebellen gefeiert hatten, soll das EU-Treffen um ganze zwei Stunden verlängert haben.

„Wir müssen die Interessen jener Länder wahren, die außerhalb des Euro stehen wollen“, sagte Cameron später vor der Presse. Schließlich seien sie direkt von der Euro-Krise betroffen. „Diese Krise lehrt, dass eine stärkere Integration bei Finanzen und Wirtschaft in der Euro-Zone unausweichlich ist“, so der Premier. „Aber das darf nicht auf Großbritanniens Kosten geschehen“.

25 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 25.10.2011, 12:07 UhrAnonymer Benutzer: Gela Szen

    Szakosi und Cameron schenken sich nichts. Sie vertreten knallkart die interessen ihrer Länder. Dagegen ist absolut nichts zu sagen; dafür sind sie gewählt. Das gilt auch für die Regierungen der übrigen EU-Mitgliedsländer, leider nur nicht für Deutschland. Wir wählen keine Volksvertreter sondern Volksverräter.

  • 25.10.2011, 11:36 UhrAnonymer Benutzer: Heiner

    Frankreich ist eben auch am Rande des bankrotts

  • 25.10.2011, 11:34 UhrAnonymer Benutzer: Gela Szen

    Szarkosi und Cameron schenken sich nichts; sie vertreten knallhart die interessen ihrer Länder. Dagegen ist absolut nichts einzuwenden, dafür sind sie gewählt. Dass wir Deutsche neidisch sind auf alle anderen EU-Regierungen, ist klar. Wir haben als einziges Land in der Regierung keinen einzigen Politiker, schon gar nicht in der Opposition, der bereit und in der Lage ist, deutsche interessen zu vertreten.
    Andere Länder wählen ihre Volksvertreter, wir wählen unsere Volksverräter!

Alle Kommentare lesen
weitere Fotostrecken

Blogs

Alternativen gesucht
Alternativen gesucht

Der Euro wird mit jedem Tag mehr zum Verhängnis für Europa, wirtschaftlich wie politisch. Wann endlich werden...

Das Aktuelle Heft

Wirtschaftswoche

WirtschaftsWoche 21 vom 21.05.2012

iTunes Vorschau - WirtschaftsWoche
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.