Polen: Posen: Reiseziel für Klimaschützer

Polen: Posen: Reiseziel für Klimaschützer

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Die Altstadt von Posen

Alte Baudenkmäler, neue Konferenzsäle und schicke Shoppingmalls – die polnische Stadt Posen will sich während der UN-Klimakonferenz als Reiseziel empfehlen.

Bamberka in ihrem bauschigen Rock wird sich vor neugierigen Blicken nicht retten können, wenn Scharen von Delegierten aus aller Welt sie umringen. Das kupferne Abbild einer Bamberger Einwanderin aus dem 18. Jahrhundert auf dem Alten Markt ist Posens Wahrzeichen, ihre Besichtigung gilt als Muss für alle Besucher – also auch für die Teilnehmer der Klimawandel-Konferenz der Vereinten Nationen (UN). Rund 8000 Klimaschützer aus 190 Ländern erwartet die polnische Stadt in den ersten beiden Dezemberwochen.

Wenn Teilnehmer wie Umweltminister Sigmar Gabriel, UN-Generalsekretär Ban Ki Moon oder der Friedensnobelpreisträger Al Gore wieder nach Hause fahren, sollen sie auch schwärmen vom eigens für sie aufgelegten Kulturprogramm mit Museums- und Theaternächten, mit Konzerten der Posener Philharmoniker oder Jazzlegende Herbie Hancock. Die Veranstaltungen stehen auch Besuchern offen, „die nicht der Konferenz, sondern einfach nur Posens wegen kommen“, verspricht Tomasz Kayser, der stellvertretende Bürgermeister der 600 000-Einwohner-Stadt.

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Bisher überstrahlt von bekannteren Reisezielen wie Krakau und Danzig, ist das drei Autostunden von Berlin entfernt gelegene Posen der Newcomer im polnischen Städtetourismus. Die Besucherzahlen steigen – auch, weil Posen sich zum führenden Messe- und Konferenzstandort des Landes entwickelt. Keine andere Stadt in Polen bietet genug moderne, mit allen technischen Raffinessen ausgestattete Konferenzsäle, um eine Großveranstaltung wie die UN-Klimakonferenz auszurichten.

Der polnischen Hauptstadt Warschau, die von deutschen Truppen im Zweiten Weltkrieg schlimmer verwüstet wurde, fehlt zudem Posens städtebaulicher, von Renaissance, Barock und Jugendstil beseelter Charme. Der offenbart sich vor allem im 1555 von dem italienischen Baumeister Giovanni Battista di Quadro vollendeten Renaissance-Rathaus mit seinem schlanken Hauptturm und seiner dreistöckigen Arkaden-Fassade.

Täglich um Punkt zwölf Uhr schlagen über der Rathausuhr zwei mechanische Ziegenböcke zwölfmal ihre goldenen Hörner aneinander. Polnische Schulkinder auf Posen-Visite, die das drollige Duell mit gereckten Hälsen verfolgen, zählen so strebsam mit, als gäbe es dafür gute Noten.

Klerikale Glanzbauten hat die Stadt ebenfalls viele zu bieten – etwa die hochbarocke, in strahlendem Weiß und leuchtendem Rosarot restaurierte Stadtpfarrkirche mit ihrem prächtigen italienischen Hochaltar und der gotische Dom Sankt Peter und Paul nahe dem Fluss Warthe.

Seit alter Zeit ausschließlich von Geistlichen bewohnt, gilt die sogenannte Dominsel als Wiege des polnischen Katholizismus, gar als Geburtsort Polens selbst: Im 10. Jahrhundert war der Ort Mittelpunkt des ersten polnischen Bistums.

Wie eng Posens Geschichte mit dem Nachbarland Deutschland verflochten ist, zeigt die Stadt an vielen Stellen. Jene Bamberka auf dem Alten Markt erinnert an Zeiten, in denen Deutsche als friedliche Bauern und Handwerker nach Posen kamen. Eine typische Siedlung ist der Bamberger Hof (Zagroda Bamberska), ein Fachwerk-Ensemble im Stadtteil Jezyce, das heute ein stilvoll rustikales Hotel gleichen Namens beherbergt. Viele Posener Familiennamen wie etwa Mut, Petz und Kaiser verraten noch heute die Bamberger Herkunft ihrer Träger.

Wuchtig geraten ist das kaiserliche Schloss, ein Andenken an den in Posen wenig beliebten Wilhelm II. Er bestimmte die Stadt zu seiner Residenz und ließ sich zu dem heute für Kunstausstellungen genutzten Herrschaftsbau auch gleich den eigenen „Kaiserbahnhof“ stellen. Beide Bauwerke sind erhalten, das Schloss, das man besichtigen kann, in gutem Zustand.

Zur Erholung lädt die touristisch erfrischend unverdorbene Altstadt ein, deren Kellner noch nicht die Höhe des Trinkgelds diktieren wie in Prag. Dass Posen zur Erneuerung fähig ist, zeigt die Alte Brauerei („Stary Browar“): Der weitläufige, detailversessen restaurierte historische Industriebau gilt unter europäischen Einzelhandelsexperten als Meilenstein in der Entwicklung innovativer Einkaufszentren.

Die Mäzenin Grazynie Kulczyk, Ehefrau des Posener Milliardärs Jan Kulczyk, erfüllte sich mit der Alten Brauerei ihren Traum von der Einheit von Kunst und Kommerz. Neben zahllosen Boutiquen, Büros, Bars und Restaurants beherbergt der durch lange Fensterfronten und Oberlichter aufgehellte, backsteinrote Komplex mitten in der Stadt jede Menge Kunst.

Riesenköpfige Skulpturen des hoch gehandelten japanischen Künstlers Takeshi Murakami, Ausstellungsräume mit Werken Posener Kunststudenten und Vorführsäle für experimentellen Film, modernen Tanz und Theater. Bald soll das Gelände um Posens erstes Boutique-Hotel ergänzt werden.

Als eine der reichsten Städte des Landes bringt der Universitäts- und Wirtschaftsstandort Posen auch die Kaufkraft auf, die eine solche Edel-Mall zum Leben braucht.

Und in ein paar Jahren könnte auch ein architektonischer Superlativ von Posens Bürgerstolz künden: Das Poznan Forum, ein futuristischer Wolkenkratzer, soll mit 285 Metern Polens höchstes Gebäude werden.

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