Porträt: Liberaler Jurist Medwedew

Porträt: Liberaler Jurist Medwedew

Bild vergrößern

Dmitri Medwedew, neuer Präsident von Russland

Wladimir Putins Kandidat für den Spitzenposten in Russland hat auf dem ersten Blick wenig gemein mit den starken Männern, die zuletzt im Kreml herrschten. Doch Russlands neuer Präsident Dmitri Medwedew gibt sich alle Mühe, nicht nur als Liberaler wahrgenommen zu werden.

Bei seinen Reisen gemeinsam mit dem Staatschef machte er zuletzt durch kompromisslose Äußerungen etwa zur Korruption deutlich, dass er von seinem langjährigen Partner Putin gelernt hat.

Die beiden Männer kennen sich aus St. Petersburger Zeiten, wo Medwedew Jura studierte und Putin als KGB-Agent die juristische Fakultät der Universität überwachte. Bald danach begann die enge Zusammenarbeit der beiden Politiker.

Anzeige

Steile Karriere unter Putin

Putin wurde Mitarbeiter des St. Petersburger Bürgermeisters und holte Medwedew in die Verwaltung. Später folgte Medwedew Putin in den Kreml, wo er unter anderem den Wahlkampf für Putin organisierte. Eine steile Karriere nahm ihren Lauf:

Als Erster stellvertretender Ministerpräsident war Medwedew ab 2005 unter anderem für die vom Präsidenten angekündigten Sozialprogramme verantwortlich. Seine Aufgabe bestand darin, die Einnahmen aus Öl- und Gasverkäufen in eine bessere medizinische Versorgung der Bevölkerung zu investieren.

Spätestens seit seiner Ernennung zum Aufsichtsratsvorsitzenden des Gasmonopolisten Gazprom ist sein Profil als wirtschaftsfreundlicher Politiker geprägt. Dabei hat er vor allem die Interessen der russischen Unternehmen im Blick: Medwedew gilt als Ideengeber hinter dem erzwungenen Verkauf der Mehrheit an dem riesigen Flüssiggasprojekt Sachalin 2 von Royal Dutch Shell.

Medwedews Pläne als Präsident

Nur zögerlich äußert sich Medwedew zu seinen Plänen als Präsident Russlands. Im Mittelpunkt sollen Freiheit und eine unabhängige Justiz stehen. Zugleich deutete er eine Abkehr vom Konfrontationskurs Putins an, indem er die Partnerschaft mit den USA betonte und zu Kooperation aufrief. Daneben forderte er die Unternehmen seines Landes auf, im Ausland einzukaufen.

Zugute dürfte ihm kommen, dass die russische Wirtschaft dank der hohen Preise für Öl und Gas boomt und bereits das zehnte Jahr in Folge wächst. Vielleicht auch, um die Stimmen der Arbeiter zu bekommen, wirbt Medwedew mit seiner bürgerlichen Herkunft.

Sein Vater war Professor, seine Mutter Lektorin an der Universität. Zu seinen Vorfahren zählen Landarbeiter oder Schmiede, hieß es in einer Anzeige, die als Interview gestaltet ist. Zu Sowjetzeiten habe er nur davon träumen können, auf dem Schwarzmarkt Platten von Deep Purple und Jeans von Lewis oder Wrangler kaufen zu können: „Für mich waren 200 Rubel eine astronomische Summe.“

Eigenständige Politik Medwedews ist fraglich

Inwieweit Medwedew als Präsident seine eigene Strategie verfolgen will, ist offen. Er kündigte an, sich mit seiner Politik an Putins Vorgaben zu orientieren. Zudem soll Putin den Posten als Ministerpräsident erhalten, was ihm Einfluss sichert. Allerdings kommt der 42-jährige Medwedew aus einer anderen Generation als Putin.

Zudem hat er als einer der wenigen im Kreml keinen KGB-Hintergrund. Der promovierte Jurist könnte also, sobald er im Amt ist, durchaus mit seinem Vorgänger brechen und seine eigene Strategie verfolgen - nicht anders hat es Putin getan, als er 1999 von Boris Jelzin ebenfalls wegen seiner Loyalität ausgewählt wurde.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%