Porträt: Olympia-Helfer: Arbeiten für Chinas Ehre

Porträt: Olympia-Helfer: Arbeiten für Chinas Ehre

Gut 100.000 Freiwillige, verteilt über ganz Peking, sollen zum reibungslosen Ablauf der Spiele beitragen. Einer von ihnen ist Guo Beiming. Normalerweise säße der 20-jährige Pekinger jetzt am Schreibtisch und würde Englisch büffeln, denn Guo hat große Pläne. „Nach meinem Uni-Abschluss in zwei Jahren will ich am liebsten bei einem TV-Sender arbeiten. Guo studiert Wirtschaftsenglisch.

Doch für zweieinalb Monate hat der Student Hörsaal und Studierzimmer gegen einen kleinen blauen Kiosk in der Pekinger Innestadt eingetauscht. Dort steht er nun jeden Tag bei sengender Hitze und dichtem Smog und zeigt Olympia-Touristen den Weg zur nächsten U-Bahnstation oder erklärt ihnen, wie sie am schnellsten zur Verbotenen Stadt kommen. Stadtpläne, Reiseführer und CD-Roms stapeln sich auf dem Tisch des Stands. Hunderte solcher Kiosks mit jeweils fünf bis zehn freiwilligen Helfern haben die Olympiaorganisatoren in ganz Peking aufstellen lassen. Gearbeitet wird in drei Schichten je drei oder vier Stunden. Die meisten der Freiwilligen sind Studenten.

Als Guos Universität im vergangenen Jahr ankündigte, sie suche Freiwillige für die Olympischen Spiele, hat er nicht lange gezögert. „Das passiert einmal im Leben, dass unsere Stadt die Spiele bekommt“, sagt der Pekinger, „da will ich mittendrin dabei sein.“ Bei der Bewerbung musste Guo eine ganze Reihe Fragen zu Sehenswürdigkeiten der chinesischen Hauptsatdt beantworten. Nachdem er bestanden hatte, ging das Training los. In fünf Blöcken je vier Stunden musste der Student neben Stadtgeschichte, Geografie und Englisch auch Erste-Hilfe-Maßnahmen wie Herzmassage und Mund-zu-Mund-Beatmung lernen. Doch auch den korrekten Umgang mit ausländsichen Journalsiten haben die Trainer den jungen Freiwilligen offenbar beigebracht. Vier Helfer an zwei verschiedenen Kiosks geben unabhängig voneinander dieselbe Antwort, als ich frage, warum sie den Job machten.

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„Es ist eine große Ehre für China, die Spiele ausrichten zu dürfen und eine große Ehre für mich, dabei helfen zu dürfen“, lauten fast wortgleich die einstudierten Phrasen. Bei einem Kiosk blickt ständig ein in der Nähe stehender Polizist das Mädchen an, das ich frage. An einem anderen will mich die 27-jährige Standleiterin Chen Peng direkt wieder wegschicken.

„Schicken Sie uns Ihre Fragen und alle persönlichen Angaben“, sagt sie, „die schicken wir dann an unseren Gruppenleiter und melden uns.“ Dann beginnt eine längere Diskussion. Ob es einfache oder komplizierte Fragen seien, will Chen wissen. „Einfache“, sage ich. „Nein, es ist trotzdem besser, wenn ich erst mit unserem Gruppenleiter spreche und ihm die Fragen durchgebe“, sagt sie. Als ich nicht locker lasse, beginnt sie zögernd zu antworten. Es sei natürlich eine große Ehre und sie freue sich, Besuchern dabei helfen zu können, die Spiele zu genießen. Bedingung für das kurze Gespräch ist, dass ich ein Formular mit meinem Namen und Telefonnummer ausfülle.

Student Guo hat unterdessen ordentlich zu tun. Ein Tourist aus San Francisco will wissen, wo es ein internationales Hotel gibt, in dem er eine „International Herald Tribune“ kaufen kann. Ausländsiche Zeitungen dürfen in China nicht frei verkauft werden. „Hier kriegt man ja nur die ‚China Daily’“, sagt der Amerikaner, „und die hat eine sehr eingeschränkte Sichtweise.“

„China Daily“ ist Chinas staatliche englischsprachige Zeitung. Der ältere Herr mit weißem Statson und hellem Hemd ist für zehn Tage durch China gereist, jetzt will er sich in Peking die Wettkämpfe ansehen. Es sind bereits seine achten Spiele, bei denen er live dabei ist. Trotz Guos passablem Englisch gibt es einige Probleme mit der Verständigung. Schließlich kommen seine Kolleginnen zur Hilfe. Am Ende gelingt es den Freiwilligen dem Amerikaner den Weg zum fünf Gehminuten entfernten Kun Lun Hotel zu erklären. Guo strahlt – es sei ihm eine Ehre gewesen, helfen zu können.

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