Post aus Harvard: Der Aufschwung in den USA bricht ein

kolumnePost aus Harvard: Der Aufschwung in den USA bricht ein

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Martin Feldstein ist Professor an der Harvard-Universität. Der renommierte US-Ökonom schreibt jeden Monat exklusiv für WirtschaftsWoche und wiwo.de

Kolumne von Martin S. Feldstein

Der Aufschwung in den USA war nur von kurzer Dauer. Das Land kann seine Fiskal- und Geldpolitik nicht mehr durchhalten, die Lage am Arbeitsmarkt spitzt sich zu. Strukturelle Reformen sind erst nach der Präsidentschaftswahl 2012 möglich, sagt Harvard-Ökonom Martin Feldstein.

Das Wachstum in den USA hat sich zuletzt drastisch verlangsamt, und die Wahrscheinlichkeit eines neuerlichen Wirtschaftsabschwungs steigt mit jeder neuen Datenrunde. Dies ist eine gravierende Änderung gegenüber der wirtschaftlichen Situation zum Jahresende – und stellt eine Rückkehr zu jenem sehr schwachen Wachstum dar, wie wir es seit Beginn der Erholung im Sommer 2009 erleben.

Das Wirtschaftswachstum während der ersten drei Monate 2010 war nicht nur schwach, sondern wurde zudem durch eine Auffüllung der Lagerbestände statt durch echten Absatz geprägt. Das vierte Quartal 2010 brachte dann eine vorbergehende Wende: Die Konsumausgaben stiegen mit einer Jahresrate von 4,0 Prozent - genug, um das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) vom dritten zum vierten Quartal um 3,1 Prozent ansteigen zu lassen. Die Wirtschaft schien ihrer Abhängigkeit vom Lagerzyklus entkommen zu sein.

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Konsumerholung blieb aus

Diese günstige Entwicklung führte dazu, dass Konjunkturbeobachter für 2011 ein anhaltend starkes Wachstum vorhersagten. Die Hoffnung war, dass steigende Produktion, Beschäftigung und Einkommen zu weiteren Zunahmen bei den Konsumausgaben und einem selbsttragenden Aufschwung führen. Eine auf ein Jahr beschränkte Senkung der Lohnsteuer um zwei Prozentpunkte sollte diese günstige Entwicklung absichern.

Leider ist die prognostizierte Erholung bei den Konsumausgaben ausgeblieben. Der Anstieg der Lebensmittel- und Energiepreise fiel höher aus als der Zuwachs bei den Nominallöhnen, was im Januar zu einem Rückgang des durchschnittlichen Wochenverdienstes führte, während der fortdauernde Rückgang der Eigenheimpreise das Vermögen vieler Haushalte reduzierte. Der private Verbrauch stieg daher im Januar real lediglich um rund 1,0 Prozent. Dieses Muster steigender Preise und sinkender Realeinkommen setzte sich im Februar und März fort. Es überrascht daher nicht, dass die Umfragewerte zur Verbraucherstimmung fielen und die Konsumausgaben stagnierten.

Der Cashflow der Unternehmen geht zurück

Die fallenden Häuserpreise drückten zudem auf den Absatz neuer wie bestehender Häuser. Dies wiederum verursachte einen dramatischen Rückgang der Anzahl der Baugenehmigungen und der Bautätigkeit. Dieser Rückgang dürfte weiter anhalten, da inzwischen bei fast 30 Prozent aller hypothekenbelasteten Häuser der Wert unter der ausstehenden Hypothekenschuld liegt. Dies schafft starke Anreize zur Zahlungseinstellung, da in den USA Hypotheken de facto regresslose Kredite sind: Der Gläubiger kann, wenn der Kreditnehmer nicht zahlt, das Objekt pfänden, aber keine sonstigen Vermögenswerte oder einen Teil vom Erwerbseinkommen. Infolgedessen befinden sich inzwischen 10 Prozent aller Hypotheken im Verzug oder sind verfallen, was zu einem Überhang an Immobilien führt, die bei fallenden Preisen verkauft werden müssen.

Die Unternehmen haben negativ auf die schwache Haushaltsnachfrage reagiert: Die vom Institute of Supply Management ermittelten Indizes sind sowohl für das produzierende Gewerbe als auch für Dienstleistungsunternehmen im Abwärtssog. Obwohl die großen Firmen weiter erhebliche Barmittel in ihren Bilanzen ausweisen, ist ihr Cashflow aus dem laufenden Geschäft im ersten Quartal zurückgegangen. Jüngste Zahlen zu den Bestellungen bei Anlagegütern signalisieren einen Rückgang bei den Unternehmensinvestitionen.

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