Post aus Harvard: USA haben die Wahl zwischen Vollbeschäftigung und Inflation

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kolumnePost aus Harvard: USA haben die Wahl zwischen Vollbeschäftigung und Inflation

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Flagge der USA.

Kolumne von Martin S. Feldstein

Die Löhne in den USA steigen, Experten erwarten schon Vollbeschäftigung. Das ist voreilig - und hat Folgen für die Politik: Eine expansive Geld- und Fiskalpolitik treibt nun vor allem die Preise in die Höhe.

Für viele Beschäftigte in den USA ist die Lage rosig: Aufgrund der hohen Nachfrage nach Arbeitskräften steigen die Löhne in zunehmendem Tempo – weil die Arbeitgeber mehr zahlen müssen, um Mitarbeiter zu gewinnen und zu halten. Im Mai lagen die durchschnittlichen Stundenlöhne um 2,3 Prozent höher als im Vorjahresmonat. Seit Anfang dieses Jahres hat sich die Lohndynamik weiter erhöht – ein klares Indiz für Vollbeschäftigung. Von 2012 bis 2013 war die durchschnittliche Vergütung pro Stunde lediglich um 1,1 Prozent gestiegen,  im ersten Quartal 2015 waren es bereits 3,3 Prozent.

Ein beschleunigtes Lohnwachstum impliziert, dass die Wirtschaft einen Punkt erreicht hat, an dem die aufgrund lockerer Geldpolitik oder expansiver Haushaltspolitik höhere Nachfrage für keinen anhaltenden Anstieg von Produktion und Beschäftigung mehr sorgt.  Diese Nachfrage schlägt sich stattdessen in Form höherer Löhne und Preise nieder.

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Freilich bestehen auch andere Definitionen der Vollbeschäftigung. Kritiker würden sagen: In den Vereinigten Staaten herrscht mitnichten Vollbeschäftigung, weil sich immer noch 8,7 Millionen Menschen – etwa sechs Prozent der Beschäftigten – auf Arbeitssuche befinden. Weitere Millionen Menschen würden gerne arbeiten, sehen sich aber nicht aktiv um Arbeit um, weil sie der Ansicht sind, dass es für sie keine freien Stellen gibt. Und nochmal  6,7 Millionen Menschen sind teilzeitbeschäftigt, würden ihre wöchentliche Arbeitszeit jedoch gerne aufstocken.

Wissenswertes über die USA

  • Wenige Millionenstädte

    Obwohl die USA über 307 Millionen Einwohner haben, gibt es relativ wenige Millionenstädte. Es sind gerade einmal neun: New York (8,17 Millionen Einwohner), Los Angeles (3,79 Millionen), Chicago (2,95 Millionen), Houston (2,09 Millionen), Philadelphia (1,52 Millionen), Phoenix (1,45 Millionen), San Antonio (1,32 Millionen), San Diego (1,30 Millionen) und Dallas (1,19 Millionen).

  • 50 oder 51 Staaten?

    Wie viele Bundesstaaten haben die USA? Die richtige Antwort lautet: 50. Oftmals wird fälschlicherweise auch Washington, D.C. als Bundesstaat genannt. Die Abkürzung D.C. steht für „District of Columbia“. Der Distrikt gehört zu keinem Bundesstaat, sondern ist dem Kongress der Vereinigten Staaten direkt unterstellt.

  • Beliebte deutsche Wörter

    Es gibt eine ganze Reihe von deutschen Wörtern, die ins amerikanische Englisch eingedrungen sind. Darunter die bekannten Vokabeln Oktoberfest, Autobahn, Blitzkrieg, angst und kindergarten. Aber auch: wunderkind, waldsterben und doppelganger.

  • Deutsch als Amtssprache?

    Seit 200 Jahren hält sich hartnäckig eine Legende, die besagt, dass Deutsch um ein Haar die offizielle Landessprache der USA geworden wäre. Wahr ist, dass knapp jeder dritte Bürger im US-Ostküstenstaat Pennsylvania zu Beginn des 19. Jahrhunderts deutsche Wurzeln hatte. US-weit lag der Bevölkerungsanteil der Deutschen bei nicht einmal zehn Prozent. Und: Eine Abstimmung über die Amtssprache der USA hat niemals stattgefunden, auch nicht auf regionaler Ebene.

  • Skurrile Gesetze

    In den USA gibt es Unmengen von unsinnigen Gesetzen. Eine Auswahl gefällig? Alabama verbietet das Fahren eines Fahrzeugs mit verbundenen Augen, während man in Florida auf Parkplätzen kein Ständchen singen darf – wenn man nur Badeshorts anhat. Die Stadt Gary in Indiana stellt sich dem Mundgeruch. Nach einem ausgiebigen Knoblauchverzehr ist es vier Stunden lang untersagt, ins Kino oder Theater zu gehen, oder auch nur die Straßenbahn zu benutzen. In der Weltstadt New York ist es verboten, sich den Daumen in die Nase zu stecken und dabei mit den Fingern zu wackeln.

Es gibt jedoch Strategien, die Anreize verändern und  Hindernisse eliminieren, die zu einer verbesserten Beschäftigung und höheren Realeinkommen führen, ohne einen Anstieg der  Lohn- und Preisinflation zu bewirken. Schauen wir uns beispielsweise die hohe Arbeitslosigkeit unter Männern im Alter von 25 bis 54 Jahren an - einer Gruppe, die zu alt ist, um sich in einer Ausbildung zu befinden und zu jung, um in Rente zu gehen. Über 15 Prozent der Männer in dieser Altersgruppe sind arbeitslos. Von denjenigen, die über weniger als einen High-School-Abschluss verfügen, sind 35 Prozent ohne Beschäftigung. Mit Programmen, die marktrelevante Bildung und Ausbildung anbieten, sollte es möglich sein, die Beschäftigungslage in dieser Gruppe zu verbessern.

Oder man denke an die Beschäftigungssituation von Männern und Frauen über 65 Jahre. Diese Gruppe hat Anspruch auf Leistungen der Social Security (Renten) und Medicare (Krankenversicherung). Die Erfahrung zeigt, dass die Entscheidung zwischen Pensionierung oder einer Reduktion der Arbeitsstunden vom Lohn beeinflusst wird, den die Angehörigen dieser Gruppe erhält sowie den darauf erhobenen Steuern. Der von Arbeitnehmern zu zahlende Lohnsteuersatz beträgt 6,65 Prozent (der Arbeitgeber-Anteil ist gleich hoch), wobei die Lohnsteuer zusätzlich zur individuellen Einkommensteuer anfällt.  Aufgrund der komplexen Regelungen erhält der lohnsteuerpflichtige ältere Arbeitnehmer überdies weniger Zusatzleistungen der Social Security. Die Folge: Viele ältere Arbeitnehmer arbeiten weniger als sie es eigentlich wünschen.

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Oder man denke an die amerikanischen Mindestlohn-Gesetze. Die Erhöhung der Mindestlöhne reduziert die Bereitschaft der Arbeitgeber, gering qualifizierte Arbeitskräfte anzustellen. Dies ließe sich durch Berücksichtigung des Stundenäquivalents der Transferleistungen bei der Berechnung des Mindestlohns ausgleichen. Nehmen wir an, ein Arbeitsloser erhält im Jahr 8000 Dollar an Transferleistungen (etwa  in Form von Lebensmittelmarken, Wohnbeihilfe und Steuergutschriften auf die Einkommensteuer) und das monetäre Äquivalent dazu läge bei vier Dollar pro Stunde. Würde der Arbeitgeber nur die Differenz zum Mindestlohn zahlen müssen, würden seine Kosten sinken und die Chancen des Arbeitslosen steigen, eine Anstellung zu finden.

Ich könnte die Liste noch weiterführen. Im Grunde geht es darum, dass sich Beschäftigung verbessern und Arbeitslosigkeit verringern lässt, indem man Hindernisse für die Arbeitsplatzschaffung beseitigt und die Grenzsteuersätze senkt. Eine Stärkung der Nachfrage durch eine Verlängerung der lockeren Geldpolitik oder die Ausweitung der Staatsausgaben führt hingegen eher zu mehr Inflation als zu mehr Beschäftigung.  Derzeit wird die Relation zwischen Löhnen und Preisen noch durch den drastischen Rückgang des Öl- und Benzinpreises im Vergleich zum Vorjahr und den starken Dollar ausgeglichen. Doch die Auswirkungen dieser Faktoren auf das allgemeine Preisniveau schwinden – und bald geht es mit der Inflation nach oben.

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