Präsidentenbibliothek im Jackson Park: Obamas Vermächtnis

Präsidentenbibliothek im Jackson Park: Obamas Vermächtnis

, aktualisiert 27. August 2017, 17:06 Uhr
Quelle:Handelsblatt Online

Barack Obama arbeitet am Bau seiner Präsidentenbibliothek. Das Millionenprojekt des früheren US-Präsidenten soll Tausende Jobs schaffen. Während Anwohner sich viel davon erhoffen, bleiben andere wiederum skeptisch.

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In diesem Park entsteht die Bibliothek des früheren US-Präsidenten und seiner Frau. Die Bauarbeiten am Museum und der Bücherei sollen 2018 beginnen, 2021 wird das Zentrum eröffnet.

ChicagoDie Skyline Chicagos glänzt am Horizont. Im Jackson Park grüßen sich Einwohner beim Morgenspaziergang entlang des Lake Michigan. Doch schon in wenigen Jahren wird die Gegend nicht wiederzuerkennen sein.

In diesem Park entsteht die Bibliothek des früheren US-Präsidenten Barack Obama und seiner Frau Michelle. Die Bauarbeiten am Museum und der Bücherei sollen 2018 beginnen, 2021 wird das Zentrum komplett eröffnet Eine Sprecherin der dafür verantwortlichen Stiftung sagt der Deutschen Presse-Agentur: „Mehr als nur ein Gebäude oder ein Museum wird es ein Wohn- und Arbeitszentrum werden. Wir wollen das Konzept des aktiven Bürgers im 21. Jahrhundert mitgestalten.“

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Homer Curry wohnt ein paar Straßenblocks von dem Park entfernt. „Das Obama-Museum wird positive Veränderungen für unsere Gemeinde bringen“, sagt der 65-Jährige. Der Afroamerikaner ist in der Gegend aufgewachsen. „Ich kann mich noch erinnern, dass die Gegend voller Geschäfte und belebt war, als ich ein kleiner Junge war, doch nun gibt es oft Schießereien und Bandenkriminalität“, erzählt Curry, der im Ruhestand ist. „Der Süden braucht den Fortschritt. Die Preise für Immobilien werden dank des Zentrums steigen und es werden Jobs geschaffen. Es geht wieder aufwärts.“

Der Süden Chicagos ist berüchtigt für eine der höchsten Kriminalitätsraten landesweit. Im Jahr 2016 wurden in der Stadt 764 Menschen ermordet – laut des University of Chicago Crime Lab ein Anstieg von 58 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Der Staat Illinois hat außerdem mit 14,2 Prozent die höchste Arbeitslosenrate unter Afroamerikanern. Die Obamas sehen das Zentrum deshalb als Transformationsprojekt für die Gemeinde, die eine besondere Bedeutung für sie hat. Michelle Obama ist im Süden aufgewachsen, das Paar hat hier geheiratet. Barack Obama hat zwölf Jahre lang an der University of Chicago unterrichtet und begann dort seine politische Karriere.


In den USA gibt es 13 Präsidentenbibliotheken

Amerikanische Präsidenten bauen traditionell nach ihrer Amtszeit eine Bibliothek, die häufig vor allem als Museum und Archiv ihrer politischen Laufbahn dient. In den USA gibt es 13 solcher Büchereien, wie die John F. Kennedy Bibliothek in Boston, die für Bill Clinton in Arkansas und für George W. Bush in Dallas. Bei der Vorstellung des Designs im Mai in Chicago sagte Obama, dass solche Bibliotheken allerdings oft als „Denkmal der Vergangenheit und als Egotrip“ gesehen werden. Doch das soll sich nun ändern.

Die Obama-Stiftung wird die Bibliothek besitzen und – im Gegensatz zu ihren Vorgängern – wird sie nicht von der National Archives and Records Administration (NARA) verwaltet. Außerdem wird es die erste komplett digitale Präsidentenbibliothek in den USA werden. In einem Museum sollen außerdem Michelles Kleider und Erinnerungsstücke von den zwei Wahlkampagnen ausgestellt werden. Und in Klassenzimmern und Labors sollen Kurse stattfinden.

Obama will Musiker wie Bruce Springsteen und Chance the Rapper zu interaktiven Diskussionen rund um Musik einladen, Regisseure wie Steven Spielberg und Spike Lee sollen Workshops für die nächste Generation der Filmemacher anbieten. „Konzerte, Vorträge, Lernen, wie man am Computer arbeitet, wie man Filme kreiert oder Musik produziert, und wie man Brücken zwischen verschiedenen Gemeinden baut – all das wird dazu beitragen, das Ganze zum Leben zu erwecken und zu etwas Besonderem zu machen“, sagte der Ex-Präsident im Mai.

Die Obama-Stiftung schätzt, dass durch die Bauarbeiten knapp 5.000 neue Jobs geschaffen werden. Die Sprecherin erklärt, dass es noch keine exakte Schätzung der Kosten gibt, doch Experten rechnen damit, dass das Projekt mindestens 600 Millionen Dollar (rund 535 Millionen Euro) kosten wird. Rund 700.000 Besucher werden jährlich erwartet.

Doch nicht alle sind überzeugt, dass das Zentrum ausschließlich positive Entwicklungen mit sich bringen wird. Die Schließung der Verbindungsstraße zur Stadt, Cornell Drive, ist im Gespräch, wovon viele Anwohner nicht begeistert sind.

Emeri Garrett ist skeptisch. „Die Bauarbeiten sollen vier Jahre lang dauern. Ich hoffe, dass mein Zuhause nicht zu einer riesigen Baustelle wird und dass es unser Leben hier negativ beeinträchtigt.“ Der 19-Jährige ist in Süd-Chicago aufgewachsen und studiert Rechnungswesen. „Das Leben wird sicher teurer werden, wenn durch das Zentrum bald Menschenmassen hierhin strömen. Aber Obama hat uns Afroamerikanern Hoffnung und Zuversicht gegeben und sein Zentrum wird sicherlich weiter dazu beitragen.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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