Präsidentenwahl: Haiti sucht den Weg aus der Krise

Präsidentenwahl: Haiti sucht den Weg aus der Krise

, aktualisiert 19. November 2016, 16:58 Uhr
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Wer in Haiti regieren will, braucht viele Talente.

Quelle:Handelsblatt Online

Haiti leidet unter bitterer Armut, politischer Instabilität, Gewalt und Korruption. Am Sonntag wählt der Karibikstaat einen neuen Präsidenten – mal wieder. Die Herausforderungen an den Staatschef sind gewaltig.

Aufbauhelfer, Schlichter, Krisenmanager – wer Haiti regieren will, braucht viele Talente. Der Karibikstaat leidet unter bitterer Armut, politischer Instabilität, Gewalt und Korruption. Erst vor gut einem Monat zog Hurrikan „Matthew“ über das Land hinweg. Hunderte Menschen kamen ums Leben, Zehntausende verloren ihr Hab und Gut. Im Katastrophengebiet sind die Menschen auf internationale Hilfe angewiesen, es grassiert die Cholera.

Am Sonntag (20. November) wählen die Haitianer einen neuen Präsidenten – wieder einmal. Die Wahl vom vergangenen Jahr wurde wegen Manipulationsvorwürfen annulliert, obwohl Beobachter der Europäische Union und der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) sie für grundsätzlich frei und fair hielten. Sie vermuteten, dass die Opposition durch ihre Proteste das für sie ungünstige Ergebnis kippen wollte.

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„Es ist essenziell, nun an dem Zeitplan festzuhalten, das Störfeuer jener zu ignorieren, die sich an den Urnen nicht durchsetzen können, und Haiti einen gewählten Präsidenten zu geben“, sagt der Direktor des Haiti Democracy Project, James Morrell.

Die Neuwahl wurde mehrfach verschoben, zuletzt wegen des Hurrikans „Matthew“. Jetzt braucht Haiti dringend politische Stabilität. Seit der frühere Staatschef Michel Martelly im Februar ohne gewählten Nachfolger aus dem Amt schied, regiert Übergangspräsident Jocelerme Privert das Land.

„Wenn das Land politisch blockiert bleibt, werden die dringendsten Bedürfnisse der Menschen weiterhin vernachlässigt“, sagt Astrid Hasfura von dem Analyseunternehmen Global Risk Insights. Haiti ist das ärmste Land der westlichen Hemisphäre. Drei Viertel der Bevölkerung leben von weniger als zwei Dollar am Tag.

Seit dem verheerenden Erdbeben 2010 mit mehr als 220.000 Todesopfern hängt Haiti am Tropf der Entwicklungshilfe. Die internationale Gemeinschaft pumpte Milliarden in das Land, Haiti verwandelte sich in eine NGO-Republik, verwaltet von Nichtregierungsorganisationen und den Vereinten Nationen (UN).

Allerdings wurde viel Geld verschwendet, Dutzende Hilfsorganisationen und UN-Agenturen arbeiteten unkoordiniert nebeneinander her, der Großteil der Mittel lief an der Regierung vorbei. „So wurde der Staat geschwächt, den wir eigentlich unterstützen wollten“, schrieb der UN-Wiederaufbaubeauftragte Bill Clinton in einem Bericht.


Gute Chancen hat der „Bananen-Mann“

Wie die Präsidentenwahl ausgehen wird, ist völlig unklar. Die jüngsten Umfragen widersprechen sich deutlich, an Methodik und Unparteilichkeit der verschiedenen Meinungsforschungsinstitute gibt es erhebliche Zweifel.

Insgesamt bewerben sich 27 Kandidaten um das höchste Staatsamt. Sollte in der ersten Runde kein Kandidat die absolute Mehrheit erreichen, findet im Januar kommenden Jahres eine Stichwahl statt.

Gute Chancen auf den Sieg dürfte Jovenel Moïse haben, der schon bei der später annullierten Wahl im vergangenen Jahr das beste Ergebnis erzielte. Der Wunschkandidat des ehemaligen Staatschefs Martelly ist ein erfolgreicher Agrarunternehmer – seine Anhänger nennen ihn den „Bananen-Mann“. Seine Firma Agritrans exportiert seit kurzem nach Europa, einer ihrer Hauptabnehmer ist das Hamburger Unternehmen Port International GmbH. Er will als Präsident die Wirtschaft ankurbeln und Jobs schaffen.

Zweitplatzierter bei der vorangegangenen Wahl war der erfahrene Politiker Jude Célestin von der Partei Lapeh. Er kandidierte bereits 2010 für das Präsidentenamt, stieg nach Wahlfälschungsvorwürfen aber in der Stichwahl aus. Er kann auf die Unterstützung von mindestens vier Parteien zählen. Célestin arbeitete für den früheren Präsidenten René Préval und will im Falle eines Wahlsiegs die staatlichen Institutionen stärken und die Korruption bekämpfen.

Eine Umfrage sieht auch Maryse Narcisse vorn, die Kandidatin der Partei Fanmi Lavalas von Ex-Präsident Jean-Bertrand Aristide. Die Ärztin versteht sich als Vertreterin der Armen und will Demokratie, Rechtsstaat und soziale Inklusion stärken. Der ehemalige Senator und frühere Bürgermeister Moïse Jean Charles möchte Haiti wirtschaftlich unabhängig machen und eine Bildungsoffensive starten.

Wirkliche ideologische Unterschiede zwischen den politischen Gruppen sind nur schwer auszumachen, es handelt sich eher um Wahlvereine für einzelne Politiker. „Sie repräsentieren eigentlich niemanden außer sich selbst“, sagt Haiti-Experte Morrell.

Quelle:  Handelsblatt Online
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