Präsidentenwahl: Warteschlangen trotz Bombenterror in Afghanistan

ThemaNaher Osten

Präsidentenwahl: Warteschlangen trotz Bombenterror in Afghanistan

Bild vergrößern

Ein Afghane zeigt seinen zur Wählerregistrierung blau gefärbten Finger nach der Stimmabgabe zur Präsidentschaftswahl in der Stadt in Kundus

Die Präsidentschaftswahl in Afghanistan war von Gewalt überschattet. Drei Menschen starben bei Bombenanschlägen. Dennoch bildeten sich lange Schlangen vor den Wahllokalen.

Am Samstag explodierte in einer mit Wählern gefüllten Schule in der Provinz Logar eine Bombe und verletzte zwei Männer, einen davon lebensgefährlich. Dies teilte ein Sprecher der örtlichen Regierung mit. Bei einem Bombenanschlag in der Nähe eines Wahllokals in der südlichen Kleinstadt Kalat wurden den Behörden zufolge zwei Polizisten getötet und zwei weitere verletzt. Polizeiangaben zufolge wurde in einem anderen Landesteil ein potenzieller Attentäter verhaftet. Ein Anschlag verfehlte zudem sein Ziel. Ansonsten blieb die Lage relativ ruhig.

Wegen Raketenangriffen und Gefechten mit Schusswaffen blieben 211 Wahllokale geschlossen, wie die Unabhängige Wahlkommission erklärte. Insgesamt konnten wegen Sicherheitsbedenken demnach 959 Wahllokale nicht genutzt werden. Geöffnet wurden dagegen 6212 Wahllokale. Vor einigen bildeten sich lange Schlangen.

Anzeige

Es wird damit gerechnet, dass die Wahl weniger chaotisch als 2009 abläuft. Damals trauten sich viele Menschen wegen der Gewalt nicht zur Wahl. Hinzu kamen Vorwürfe, dass Votum sei massiv zugunsten Karsais verfälscht worden. Der Chef der Wahlkommission, Jusuf Nuristani, bestätigte auch, dass in einigen Orten die Stimmzettel ausgegangen seien. Die Behörden kümmerten sich um eine Lösung. Zudem wurde die Öffnungszeit um eine Stunde auf 17.00 Uhr (Ortszeit, 14.30 Uhr MESZ) verlängert, damit alle wartenden Wahlberechtigten noch drankommen konnten.

Die Bürger des Landes bestimmen einen Nachfolger für Staatschef Hamid Karsai, der nach zwei Amtszeiten nicht mehr antreten darf. Die radikal-islamischen Taliban haben angekündigt, die Abstimmung mit Gewalt zu torpedieren. Es wird nicht mit einem schnellen Ergebnis gerechnet. Als Favoriten gelten die früheren Minister Abdullah Abdullah, Aschraf Ghani und Salmai Rassul.

Drohendes Chaos Westen blickt naiv auf Afghanistan-Wahl

Die Wahlen in Afghanistan sollen suggerieren, dass das Engagement des Westens irgendwie richtig war. Das ist Selbstbetrug! Mangels Perspektiven wird das Land ins Chaos schlittern.

Quelle: dpa

Für Afghanistan ist es der erste demokratische Machtwechsel in der Geschichte des Landes. Experten gehen davon aus, dass in der ersten Runde kein Kandidat eine Mehrheit von über 50 Prozent bekommt und damit eine Stichwahl am 28. Mai nötig wird. Das Endergebnis der ersten Runde soll am 7. Mai verkündet werden. Wegen der schwierigen Machtverhältnisse könnte es nach Einschätzung von Diplomaten aber bis Oktober dauern, ehe der neue Präsident sein Amt antritt. Nach zwölf Jahren dürfte Karsai aber auch künftig noch großen Einfluss haben, weil viele Politiker loyal zu ihm sind.

Die Taliban hatten bereits im Vorfeld versucht, die Abstimmung mit Anschlägen zu verhindern. Dies zeigt, wie prekär die Lage auch 13 Jahre nach dem Einmarsch der US-geführten Truppen und dem Sturz der Taliban noch ist. Erst am Freitag war bei einem Angriff im Osten des Landes die renommierte deutsche Kriegsfotografin Anja Niedringhaus getötet worden.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%