Präsidentschaftswahlen: Politik bremst Indiens Wachstum

Präsidentschaftswahlen: Politik bremst Indiens Wachstum

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Der Präsidentschaftskandidat Pranab Mukherjee, 76 Jahre, gehört zur Elite der regierenden Kongresspartei und gilt als Wahlfavorit

von Klaus Methfessel

Indien wählt heute einen neuen Präsidenten – aber keine neue Politik. Dabei stockt der Reformprozess, die Konjunktur erlahmt und ausländische Investoren sind verunsichert.

Wenn heute die 4900 Wahlmänner – und -frauen den neuen Präsidenten Indiens wählen, werden manche sorgenvoll gen Himmel blicken. Nicht dass sie mit überirdischen Erscheinungen rechnen, die die Wahl beeinflussen könnten.

Denn dass der 76-jährige Pranab Mukherjee gewählt wird, daran besteht kein Zweifel. Er gehört zur Elite der regierenden Kongresspartei, Ende Juni trat er von seinem Amt als  Finanzminister zurück, um sich auf die Präsidentschaftswahl vorzubereiten. Er gilt als Favorit. Die Amtsinhaberin Prathiba Patil verzichtete auf eine zweite Amtsperiode, sein einziger ernstzunehmender  Gegenkandidat Agitok Sangma, der von der Opposition unterstützt wird, hat nur Außenseiterchancen. 

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Was den Abgeordneten am Himmel Sorge bereitet, sind nicht die Wahlen, sondern die Wolken, genauer gesagt: der Monsun. Der Südwest-Monsun, der zwischen Juni und September das Land mit tropischen Regengüssen überzieht, ist lebenswichtig für die Landwirtschaft. Er allein bringt drei Viertel der jährlichen Niederschläge. Doch in diesem Jahr fällt der Regen ungleich auf das ausgetrocknete Land. Während der Norden und Nordwesten mit seinen Reisanbaugebieten nur die Hälfte der normalen Niederschläge abbekommen, regnet es im Osten und Nordosten doppelt so viel.

Dürre in wichtigen Regionen ist aber ist das letzte, was Indien in diesem Jahr gebrauchen kann. Zwar erbringt die Landwirtschaft nur noch 14 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei, aber von dem Sektor hängt immer noch etwa jeder zweite der 1,2 Milliarden Einwohner des Landes ab. 

Aufgrund der regionalen Dürren rechnen Experten mit niedrigeren Ernteerträgen und steigenden Nahrungsmittelpreisen. Schon sind die Kontraktpreise für Zucker, Ölsaaten, Sojabohnen und Kurkuma an den Rohstoffbörsen auf neue Höchststände geklettert. 

Hartnäckige Inflation belastet die Verbraucher 

Nicht nur den Bauern, auch den Verbrauchern droht damit Leid. Schon jetzt müssen sie für viele Grundnahrungsmittel höhere Preise zahlen. Im zweiten Quartal stiegen die Großhandelspreise für Hülsenfrüchte um 7,5 Prozent, Gemüse um 28 Prozent, Kartoffeln um 75 Prozent und Zwiebeln um 16 Prozent. 

Neben den Mehrkosten fürs Essen belasten die höheren Spritpreise die indischen Konsumenten. Aufgrund der Abwertung der Rupie um mehr als 20 Prozent seit dem vergangenen Sommer haben sich die Energieimporte verteuert. Das Preisniveau für die Konsumenten dürfte  nach Einschätzung der Ökonomen der HSBC-Bank im zweiten Quartal auf fast zehn Prozent hochgeschnellt sein, nach gut sieben Prozent im ersten Quartal. Bleibt der Regen aus, drohen weiter hohe Preise.

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